Thomas Mertens | REUTERS

STIKO-Chef Mertens Booster-Empfehlung "in wenigen Wochen"

Stand: 02.11.2021 07:00 Uhr

Booster für alle? Oder erst nur für Risikogruppen? Jetzt oder in Monaten? Beim Thema Auffrischungsimpfungen sind viele Fragen offen. STIKO-Chef Mertens hat jetzt einen ungefähren Zeitpunkt für eine Empfehlung genannt.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) will "in wenigen Wochen" entscheiden, ob sie Auffrischungsimpfungen für alle empfehlen wird. Es gebe Daten aus internationalen Studien, die dafür sprächen, sagt der Vorsitzende Thomas Mertens der Funke Mediengruppe. Zu prüfen sei, inwieweit diese Ergebnisse auf Deutschland übertragbar seien.

Die STIKO beschäftigte sich gerade ausführlich mit der Frage. Bei einer solchen allgemeinen Empfehlung sei die Frage entscheidend, ob damit die Weiterverbreitung des Virus gebremst werden könne.

Risikogruppen zuerst

Im ZDF hatte Mertens am Montagabend gesagt, es sei zunächst einmal sehr wichtig, die Menschen zum dritten Mal zu impfen, die das höchste Risiko hätten: "Das sind eben die alten Menschen über 70. Das sind die Menschen, die ein gestörtes Immunsystem haben (...), und das sind letztlich auch die Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen." Es sei "unpraktikabel" zu verlangen, dass jetzt die gesamte Bevölkerung auf einen Schlag eine dritte Impfung erhalten solle.

Zum Vorgehen in der Corona-Krise im Winter will sich Mertens heute mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin äußern.

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert eine möglichst breite Nutzung der Auffrischungsimpfungen. Nötig sei eine neue, zentrale Impfkampagne, die sich nicht nur an die Ungeimpften richte, "sondern auch für allgemeine Booster-Impfungen wirbt".

Auch Städte kritisieren Spahns Impfzentren-Idee

Auch die Städte kritisierten unterdessen die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angestoßene Debatte über eine kurzfristige Reaktivierung von Impfzentren für Auffrischungsimpfungen. Ein Impfzentrum sei "keine Taschenlampe", die je nach Stimmungslage aus- und wieder angeknipst werden könne, heißt es in einem Schreiben des Deutschen Städtetags an die Gesundheitsminister der Länder, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Strukturen seien verändert, Flächen anderweitig genutzt, Personal umgeschichtet worden.

Mehrere Länder hatten schon gestern unter anderem auf Anfrage von tagesschau.de kritisch auf den Vorstoß Spahns reagiert. Kritik gibt es aber weiterhin auch am stockenden Impftempo im Netz der Arztpraxen.

Bund und Länder hatten vereinbart, die zum Impfstart eingerichteten zeitweise mehr als 400 regionalen Impfzentren zum 30. September zu schließen oder die Kapazitäten zurückzufahren.

Die STIKO empfiehlt momentan allen Menschen ab 70 Jahren eine Corona-Auffrischungsimpfung, sobald die letzte länger als sechs Monate her ist. Diese Empfehlung gilt auch für alle, die mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft wurden. Die Gesundheitsminister halten Auffrischungsimpfungen darüber hinaus auch schon für alle über 60-Jährigen für sinnvoll. Grundsätzlich sind sie laut Impfverordnung für alle anderen Menschen ebenfalls möglich.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. November 2021 um 07:40 Uhr.