Eine medizinische Fachangestellte setzt bei einem Probedurchlauf die Kanüle zur Impfung an. | dpa

Ständige Impfkommission AstraZeneca-Impfstoff nur für unter 65-Jährige

Stand: 28.01.2021 18:25 Uhr

Aus Sicht der Ständigen Impfkommission STIKO kann auch der Wirkstoff von AstraZeneca als Corona-Impfung eingesetzt werden. Die STIKO empfiehlt ihn aber nur für 18- bis 64-Jährige. Die Wirksamkeit bei Älteren sei zu wenig belegt.

Die EU und AstraZeneca ringen derzeit um eine Lösung, um drohende Lieferengpässe beim Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns zu vermeiden. Doch noch ist der Wirkstoff für die EU nicht offiziell zugelassen. Bevor die zuständige Europäische Arzneimittelbehörde EMA diese Entscheidung voraussichtlich morgen trifft, hat die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts bereits ihre Empfehlung ausgesprochen.

Grundsätzlich befürwortet die Kommission den Einsatz des AstraZeneca-Impfstoffes - aber nur für die Altersgruppe der 18- bis 64-Jährigen. "Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren liegen aktuell keine ausreichenden Daten vor", begründete die Kommission ihre Empfehlung. "Abgesehen von dieser Einschränkung wird dieser Impfstoff ebenfalls als gleichermaßen geeignet angesehen", heiß es weiter.

Der britische Premier Boris Johnson kritisierte die Entscheidung der Impfkommission. "Unsere eigene Zulassungsbehörde hat sehr klargemacht, dass der Oxford/AstraZeneca-Impfstoff sehr gut und wirksam ist, und bereits nach einer Dosis eine sehr hohe Schutzwirkung bietet und sogar noch mehr nach zwei Dosen", sagte Johnson. Die Belege zeigten, dass die Behörde der Meinung sei, das Vakzin erziele in allen Altersgruppen eine gute Immunantwort. Großbritannien setzt den AstraZeneca-Wirkstoff bereits ein.

Schlägt Vakzin bei Älteren kaum an?

Kürzlich sorgten Medienberichte für Aufsehen. Es wurde berichtet, der AstraZeneca-Impfstoff zeige bei Menschen über 65 Jahren kaum Wirkung. Gerade einmal bei acht Prozent dieser Altersgruppe würden sich die gewünschten Abwehrreaktionen aufbauen, hatte es geheißen. Der Pharmakonzern hatte die Berichte umgehend dementiert. "Wie kann man annehmen, dass Prüfbehörden rund um den Globus ein Mittel zulassen, das nur acht Prozent Wirksamkeit hat?", reagierte Pascal Soriot, Chef von AstraZeneca, auf die Berichte.

Auch aus dem Bundesgesundheitsministerium wurde den Zweifeln an dem Vakzin widersprochen. Die acht Prozent beziehen sich demnach nicht auf die Zahl der Menschen über 65 Jahren, bei denen der Impfstoff gewirkt habe, sondern auf die Anzahl der Teilnehmer dieser Altersgruppe an ersten klinischen Studien des Pharmakonzerns.

Nach Angaben von AstraZeneca habe das Unternehmen weitere Daten zu Studien veröffentlicht, nachdem Großbritannien den Impfstoff erhalten hatte. An diesen Studien beteiligten sich demnach 2000 Probanden über 65 Jahre. Zwei Drittel seien älter als 70 Jahre gewesen, der älteste sei sogar 86 Jahre alt. Die Studie solle zeigen, dass der Impfstoff bei Senioren genauso stark wirkt wie bei den Jüngeren.

Andere Impfstoffe liegen bei Wirksamkeit vorne

Doch im Vergleich zu den Impfstoffen der Konzerne BioNTech und Pfizer sowie von Moderna liegt AstraZeneca trotzdem zurück, was die Wirksamkeit betrifft. Experten bescheinigen dem Vakzin eine Wirksamkeit bei Jüngeren von knapp über 60 Prozent. Den Impfstoffen der Konkurrenzunternehmen wird eine Wirksamkeit von 94 Prozent zugeschrieben. BioNtech/Pfizer und Moderna haben außerdem einen Vorsprung im Wissen um die Wirksamkeit ihrer Vakzine gegen die Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika. Beide Firmen teilten mit, dass ihre Impfstoffe auch bei den neuen Virusvarianten anschlagen.

Wie zuvor schon Pfizer hatte auch AstraZeneca angekündigt, dass es bei der Impfstofflieferung wohl zu Engpässen kommen werde. Schuld seien Schwierigkeiten an Produktionsstandorten. Ursprünglich hatte das Unternehmen bis Ende März rund 80 Millionen Impfdosen an die EU ausliefern wollen. Zwischenzeitlich waren dann nur noch etwa 31 Millionen Impfdosen im Gespräch. In mehreren Gesprächen haben die EU-Kommission und AstraZeneca bereits versucht, eine Lösung zu finden - bislang aber ohne Erfolg.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Januar 2021 um 14:16 Uhr in den Nachrichten.