Die Alte Nationalgalerie (r) und der Berliner Dom (l) spiegeln sich im Licht der aufgehenden Sonne in der Spree.  | dpa

Wissenschaftsrat empfiehlt Preußen-Stiftung soll aufgelöst werden

Stand: 13.07.2020 13:58 Uhr

Zu groß und "strukturell überfordert": Die Berliner Dachorganisation für Museen und kulturelle Einrichtungen soll neu geordnet werden. So soll die Stiftung Preußischer Kulturbesitz laut einem Gutachten zukunftsfähiger werden.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) soll einem Gutachten des deutschen Wissenschaftsrates zufolge grundlegend neu geordnet werden. Das Beratungsgremium von Bund und Ländern schlug vor, die Berliner Dachorganisation von Museen und anderen kulturellen Einrichtungen aufzulösen und in vier eigenständige Organisationen zu überführen: für die Staatlichen Museen, die Berliner Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv und das Iberoamerikanische Institut.

Der Wissenschaftsrat wolle mit seiner Strukturevaluation "im besten Sinne zur Gestaltung der Zukunft eines der größten Kultur- und Wissensbestände der Welt beitragen", sagte die Vorsitzende Dorothea Wagner.

"Kein Sprint, sondern ein Marathon"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte, sie sei dem Wissenschaftsrat sehr dankbar für die "mutigen und konsequenten Empfehlungen". Der nun beginnende Reformprozess werde sicher "kein Sprint, sondern ein Marathon", der sich mindestens über drei bis fünf Jahre hinziehen werde. Voraussichtlich im September werde sich wohl der Kulturausschuss des Bundestages mit den Empfehlungen beschäftigen, so Grütters. Sie hatte den Wissenschaftsrat 2018 mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt.

Der Präsident der Stiftung, Hermann Parzinger, bezeichnete das Gutachten als guten Ausgangspunkt für weitere Diskussionen. Er betonte, auch die SPK-Mitarbeiter sähen die Notwendigkeit eine Reform: "Mit der Auflösung allein ist es allerdings nicht getan, es kommt auf das Wie an. Wir sind auch zu radikalen Veränderungen bereit."

Grütters und Parzinger | dpa

Kein Sprint sondern ein Marathon wird die Reform sein, sagt Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin, hier mit Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, während der Pressekonferenz. Bild: dpa

Strukturelle Defizite, erschwerte Entscheidungen

Marina Münkler, Vorsitzende der Arbeitsgruppe, die die Vorschläge verfasst hat, erklärte, die Analyse habe gezeigt, dass die historisch gewachsenen Strukturen der Stiftung in vielen Bereichen Entscheidungen deutlich erschwerten. Zudem gebe es beim Besucherservice der Museen starke strukturelle Defizite - man hinke im internationalen Vergleich hinterher. Auch sei der Etat zu gering, und es gebe zu wenig Personal. Darüber hinaus fehlten Strukturen zur Forschungsförderung, auch gebe es Nachholbardarf bei der Digitalisierung.

Zu der 1957 gegründeten Stiftung gehören fünf Einrichtungen: die Staatlichen Museen zu Berlin (15 Museen und vier Institute), die Staatsbibliothek zu Berlin, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, das Staatliche Institut für Musikforschung und das Ibero-Amerikanische Institut.

Die Stiftung wird vom Bund und den 16 Ländern gemeinsam finanziert. Der jährliche Zuschuss für den Betriebshaushalt liegt 2020 bei rund 190 Millionen Euro, davon zahlt der Bund 75 Prozent (142,2 Millionen Euro), die Länder insgesamt 25 Prozent (47,4 Millionen Euro).

Über dieses Thema berichtete am 13. Juli 2020 Deutschlandfunk um 13:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 14:00 Uhr.