Ein liebes Gedenken" steht auf dem Gebinde vom Trauerkranz auf einem Friedhof. | picture alliance/dpa

Statistisches Bundesamt So viele Todesfälle wie zuletzt vor 50 Jahren

Stand: 29.01.2021 14:48 Uhr

Mehr als 100.000 Menschen starben in Deutschland im Dezember - so viele wie seit 1969 nicht mehr. Bei den Zahlen für 2020 zeigt sich eine Parallele zum Pandemie-Verlauf. Doch auch andere Faktoren spielen eine Rolle.

Im Dezember sind in Deutschland so viele Menschen gestorben wie seit rund 50 Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden in dem Monat nach vorläufigen amtlichen Informationen bundesweit mindestens 106.607 Todesfälle verzeichnet. Mehr als 100.000 Menschen starben in einem Dezember demnach zuletzt 1969, als weltweit die sogenannte Hongkong-Grippepandemie grassierte.

Die Zahl der Verstorbenen lag dabei nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 29 Prozent oder fast ein Drittel über dem durchschnittlichen Monatsvergleichswert für 2016 bis 2019. Die Differenz betrug etwa 24.000. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete für den Dezember 20.043 Todesfälle von Menschen mit einer Corona-Infektion. Bereits im November hatten die Sterbefallzahlen zwölf Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 gelegen, wie das Amt berichtete.

Der Blick auf das Gesamtjahr zeigt: Die Zunahme der Todesfälle lief parallel zu den Wellen der Corona-Pandemie. "Der Jahresverlauf der Sterbefallzahlen war im Jahr 2020 durch verschiedene Sonderentwicklungen geprägt", heißt es in der Jahresbilanz. In der Grippezeit stiegen die Sterbefallzahlen nicht so stark wie sonst um diese Zeit.

Im April, als die Pandemie begann, lag die Zahl der Gestorbenen zehn Prozent über dem Durchschnitt der Vorjahre - bei gleichzeitigem Anstieg der Covid-19-Todesfälle. "Als diese zurückgingen, bewegten sich ab Mai auch die Sterbefallzahlen etwa auf dem durchschnittlichen Niveau der Vorjahre", berichteten die Statistiker.

Besonders viele Todesfälle in Sachsen

Im August stieg die Zahl der Todesfälle wieder an. "Dieser Effekt tritt im Sommer häufig auf und ging auch in diesem Jahr offenbar auf eine Hitzeperiode zurück", vermuten die Statistiker. Ab Mitte Oktober starben erneut deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren - erneut parallel zu den laborbestätigten Covid-19-Fällen.

Besonders auffällig ist die Entwicklung während der zweiten Corona-Welle in Sachsen. Im November waren die Sterbefallzahlen um 39 Prozent erhöht. Im Dezember hat sich die Zahl der Todesfälle mehr als verdoppelt.

Kalendarische und demografische Daten berücksichtigt

Für das Gesamtjahr 2020 errechneten die Statistiker auf Basis vorläufiger Daten einen Anstieg der Sterbefallzahlen um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr 2019. "Die gestiegenen Sterbefallzahlen im Jahr 2020 sind größtenteils auf eine Zunahme von Sterbefällen in der Altersgruppe der ab 80-Jährigen zurückzuführen", so das Bundesamt. "Die Sterbefallzahlen der unter 80-Jährigen liegen etwa auf dem Vorjahresniveau."

In die Entwicklung der Zahl der Sterbefälle fließen den Angaben zufolge auch kalendarische und demografische Entwicklungen ein, so etwa der steigende Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung. Allein dadurch, dass 2020 ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Tag gewesen sei, ergebe sich ein Anstieg um 3000 gegenüber 2019. 

Eine Rolle spielte dabei aber auch, dass die Zahl der Menschen im Alter von mehr als 80 Jahren sich im Jahresvergleich laut der sogenannten Bevölkerungsvorausberechnung um etwa vier bis fünf Prozent erhöht habe. Insgesamt wäre ohne "Sonderentwicklungen" für 2020 ein Anstieg der Sterbefallzahlen um ein bis zwei Prozent zu erwarten gewesen, teilte das Statistische Bundesamt weiter mit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2021 um 17:00 Uhr.