Ein Schild weist in der Münchner Innenstadt auf die Maskenpflicht innerhalb der Fußgängerzone hin. | dpa

Omikron-Welle Expertenrat für zeitnahe Kontaktbeschränkungen

Stand: 19.12.2021 18:35 Uhr

Der Expertenrat der Bundesregierung spricht sich für Kontaktbeschränkungen "bereits für die kommenden Tage" aus. Es gehe um "wirksame bundesweit abgestimmte Gegenmaßnahmen", heißt es in der Stellungnahme, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Der neue wissenschaftliche Corona-Expertenrat der Bundesregierung hat seine erste Stellungnahme erarbeitet, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Mit Blick auf die Omikron-Variante kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Impfen alleine nicht ausreicht.

"Wirksame bundesweit abgestimmte Gegenmaßnahmen zur Kontrolle des Infektionsgeschehens sind vorzubereiten, insbesondere gut geplante und gut kommunizierte Kontaktbeschränkungen. Die aktuell geltenden Maßnahmen müssen darüber hinaus noch stringenter fortgeführt werden. Parallel sollte die Impfkampagne erheblich intensiviert werden", so das Expertengremium.

Boostern auch über die Feiertage

Die Booster-Impfungen wie auch die Erst- und Zweitimpfungen müssten über die Feiertage "mit allen verfügbaren Mitteln fortgesetzt und weiter beschleunigt" werden. Insbesondere für Ältere und andere vulnerable Gruppen sei "höchste Dringlichkeit" geboten. Alle Modelle zeigten allerdings, dass Booster-Impfungen alleine keine ausreichende Eindämmung der Omikron-Welle bewirkten, "sondern zusätzlich Kontaktbeschränkungen notwendig sind".

Nach Ansicht des Gremiums muss die Bevölkerung "intensiv zur aktiven Infektionskontrolle aufgefordert" werden. Dazu gehörten die Vermeidung größerer Zusammenkünfte und das konsequente, bevorzugte Tragen von FFP2-Masken, insbesondere in Innenbereichen. Als weitere Maßnahmen raten die Forscher zum verstärkten Einsatz von Schnelltests bei Zusammenkünften vor und während der Festtage. "Besonders vulnerable Gruppen bedürfen verstärkter Schutzmaßnahmen durch hochfrequente Testung und FFP2 Masken", heißt es in der Stellungnahme.

"Mehrere ungünstige Eigenschaften"

Grundlage dieser Empfehlungen ist die Einschätzung der Wissenschaftler, dass die Omikron-Variante "eine neue Dimension in das Pandemiegeschehen" gebracht habe. Sie vereine "mehrere ungünstige Eigenschaften": "Sie infiziert in kürzester Zeit deutlich mehr Menschen und bezieht auch Genesene und Geimpfte stärker in das Infektionsgeschehen ein." Dies könne zu einer "explosionsartigen Verbreitung" führen.

Diesbezüglich verweisen die Forscher darauf, dass in Dänemark, Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien eine "nie dagewesene Verbreitungsgeschwindigkeit" mit Omikron-Verdopplungszeiten von etwa zwei bis drei Tagen beobachtet werde.

Bisher sei nicht davon auszugehen, dass im Vergleich zur Delta-Variante Menschen ohne Immunschutz einen milderen Krankheitsverlauf hätten. "Erste Studienergebnisse zeigen, dass der Impfschutz gegen die Omikron-Variante rasch nachlässt und auch immune Personen symptomatisch erkranken. Der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibt wahrscheinlich teilweise erhalten."

Hohe Krankheitslast erwartet

Die Wissenschaftler unterstreichen, dass mehrere Studien einen deutlich verbesserten Immunschutz nach einer Booster-Impfung mit den derzeit verfügbaren mRNA-Impfstoffen zeigten. "In Deutschland ist jedoch aufgrund der vergleichsweise großen Impflücke, die insbesondere bei Erwachsenen besteht, mit einer sehr hohen Krankheitslast durch Omikron zu rechnen."

Die für Deutschland erwartete Verdopplungszeit der Omikron-Inzidenz liegt demnach aktuell bei etwa zwei bis vier Tagen. Die sei zwar im Vergleich zu England etwas langsamer, "aber deutlich schneller als bei allen bisherigen Varianten".

"Sollte sich die Ausbreitung der Omikron-Variante in Deutschland so fortsetzen, wäre ein relevanter Teil der Bevölkerung zeitgleich erkrankt und/oder in Quarantäne", schreiben die Wissenschaftler.

Kritische Infrastruktur schützen

Schnell steigende Inzidenzen hätten "hohe Risiken" für die kritische Infrastruktur in Deutschland zur Folge. Dazu zählen unter anderem Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Telekommunikation sowie Strom- und Wasserversorgung.

"Deshalb bedarf es einer umfassenden und sofortigen Vorbereitung des Schutzes der kritischen Infrastruktur unseres Landes. Es müssen in den kommenden Tagen Vorkehrungen für die ersten Monate des Jahres 2022 getroffen werden, und zwar auf politischer und organisatorischer Ebene des Bundes, der Länder, der Städte und Gemeinden. Dabei sollten mögliche Partner wie Bundeswehr, THW oder Hilfsorganisationen frühzeitig eingebunden werden." Die Krankenhäuser müssen eine hinreichende Vorratshaltung von Material und Medikamenten herstellen

Über dieses Thema berichtete der Bericht aus Berlin am 19. Dezember 2021 um 18:05 Uhr.