Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender bei einem Besuch der Freiwilligen Feuerwehr in Tantow. | Bildquelle: dpa

Steinmeier in der Uckermark Reise in die Randregion

Stand: 24.08.2018 16:27 Uhr

Unter dem Motto "Land in Sicht" bereist Bundespräsident Steinmeier derzeit ländliche Regionen. Heute war er in der Uckermark, wo Busfahrer auch Briefe und Lebensmittel befördern.

Von Martin Polansky, ARD-Hauptstadtstudio

Die Kinder der Kita "Abenteuerland" in Tantow stehen schon draußen bereit. Die Erzieherinnen gleich daneben. Aus einem Fenster des grauen Kita-Gebäudes hängt eine deutsche Fahne, man hört Kinderrufe auf Deutsch und Polnisch, als die Kolonne mit den dunklen Limousinen und Polizeiwagen vorfährt.

Der Bundespräsident kommt zu Besuch - hier im hintersten Winkel von Brandenburg, am Rande des Landkreises Uckermark, gleich an der polnischen Grenze. Dass überhaupt so viele Kinder in die Kita gehen, hat mit eben dieser Grenze zu tun. Denn in den letzten Jahren sind viele polnische Familien nach Tantow gezogen, die im nahen Stettin arbeiten. Wohnen auf dem Land in der Uckermark ist günstiger als in der polnischen Großstadt.

Ein Begrüßungslied auf Deutsch und Polnisch ertönt. Steinmeier freut sich darüber, wie leicht Kinder Zugang zu anderen Sprachen haben.

"Wer weg ist, kommt nicht wieder"

Die Uckermark ist das, was man eine abgehängte Region nennen könnte. Weit weg vom Berliner Speckgürtel und dünn besiedelt. Nach der Wende lebten 170.000 Menschen in der Gegend, 120.000 sind es jetzt noch. Im Jahr 2040 werden es 90.000 sein, so die Prognosen.

"Wer erst mal weg ist, der kommt nicht wieder" sagt Silke Natter, die Ortsvorsteherin von Tantow. Gerade junge Leute würden weggehen. Da fällt es immer schwerer, die Grundversorgung sicherzustellen. Immerhin: Auch die Freiwillige Feuerwehr Tantow profitiert von polnischen Neubürgern. Neun der 20 Freiwilligen sind Zugezogene.

"Tantow hat aus seiner Randlage einen Vorteil gemacht", lobt der Bundespräsident. Vermeintlich abgehängt zu sein, sei kein unabwendbares Schicksal.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterhält sich auf einem Sofa mit Kindern. | Bildquelle: dpa
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Auch ein Besuch bei den Kindern der Kita "Abenteuerland" stand auf dem Programm.

57 Prozent der Deutschen leben im ländlichen Raum

Steinmeier nimmt die ländlichen Regionen in den Blick - unter dem Motto "Land in Sicht". Im Juli war er im Bayerischen Wald, jetzt bereist er die Uckermark. Spätestens seit der Bundestagswahl ist das Stadt-Land-Gefälle in den Fokus gerückt. Auch, weil die AfD In vielen ländlichen Regionen überdurchschnittlich stark war. Im Wahlkreis Uckermark-Barnim I kam die Partei auf 20,8 Prozent der Zweitstimmen, hinter der CDU war sie die zweitstärkste Partei.

Die Bundesregierung will die Probleme auf dem Land verstärkt angehen, nicht zuletzt durch das neu geschaffene Ministerium für Inneres-, Bau- und Heimat. Der Bundespräsident verschafft nun durch seine Reisen den Menschen auf dem Land zusätzliche Aufmerksamkeit - unabhängig von der AfD, wie er in Tantow betont.

Immerhin lebt laut Statistischem Bundesamt mit 57 Prozent die Mehrheit der Deutschen im ländlichen Raum, die meisten von ihnen arbeiten auch dort. Aber die Sorge ist in vielen Gegenden groß, einfach vergessen zu werden. Die Brandenburger Landesregierung musste im letzten Jahr eine geplante Kreisgebietsreform abblasen. Zu groß war der Widerstand, die Angst ging um vor der Zusammenlegung von Behörden und Sozialeinrichtungen, weit entfernt von zu Hause.

Der Busfahrer als Briefträger

Ortswechsel Prenzlau. Mit 20.000 Einwohnern ist die Stadt das Zentrum und der Verwaltungssitz des Landkreises. Steinmeier schaut sich Kombi-Busse der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft an. Die befördern nicht nur Passagiere, sondern transportieren auch Waren. Lebensmittel, Fahrräder - in Tantow oder anderswo kann man auch seine Briefe beim Busfahrer abgeben. Der bringt sie dann nach Prenzlau. Steinmeier spricht von einem innovativen Modell. Solche Ideen brauche es, um das Leben auf dem Land einfacher und attraktiver zu machen.

Aber Steinmeier sieht auch die Politik in der Verantwortung. "Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse ist als Auftrag im Grundgesetz formuliert." Es gäbe Wachstumsschmerzen in den Städten und Schrumpfungsschmerzen auf dem Land. Auf beides müsse die Politik reagieren. "Vielleicht müssen wir uns wieder erinnern, dass Politik präsent sein muss, auch außerhalb der Städte."

Steinmeier will nun regelmäßig in ländliche Regionen fahren. Im Oktober wird es Ost-Sachsen und die Südwestpfalz besuchen.                                                                   

Steinmeier in der Uckermark
tagesschau 20:00 Uhr, 24.08.2018, Ole Hilgert, RBB

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2018 um 17:00 Uhr.

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