Frank-Walter Steinmeier | Bildquelle: REUTERS

Steinmeier im Bundestag "Meilenstein der Demokratiegeschichte"

Stand: 09.11.2018 11:22 Uhr

In der Gedenkstunde des Bundestages erinnerte der Bundespräsident an den "Schicksalstag der Deutschen". Er sprach sich für einen demokratischen Patriotismus aus, der ein "beständiger Ansporn" sein sollte.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Ausrufung der Republik am 9. November 1918 als "Meilenstein der deutschen Demokratiegeschichte" gewürdigt. Der 9. November 1918 habe in der Erinnerungskultur nie den Platz gefunden, der ihm zustehe, sagte Steinmeier in einer Gedenkstunde im Bundestag.

Die Weimarer Republik werde fast nie von ihrem Anfang her gedacht, sondern meist ausgehend von ihrem Ende im Jahr 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Vollständige Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Geschichte der deutschen Republik
09.11.2018

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"Für dieses Erbe müssen wir streiten"

Der 9. November 1918 stehe "für den Durchbruch der parlamentarischen Demokratie", sagte Steinmeier, "und deshalb verdient er einen herausragenden Platz in der Erinnerungskultur unseres Landes!"

Denn wer heute glaube, die Demokratie sei mittlerweile eine Selbstverständlichkeit und der Bundestag ein "Alltagsgegenstand, ganz wie ein altes Möbelstück", der solle auf das Jahr 1918 blicken. "Nein, dieses Parlament ist keine Selbstverständlichkeit und erst recht keine Nebensache", sagte Steinmeier. Es sei eine historische Errungenschaft, "und für diese Errungenschaft, für dieses Erbe müssen wir streiten".

Aufgeklärter Patriotismus statt aggressiver Nationalismus

Der 9. November sei von Ambivalenz geprägt. "Am 9. November erinnern wir Deutsche an beides: an Licht und an Schatten unserer Geschichte", sagte der Bundespräsident mit Verweis auf die Novemberpogrome von 1938. Sie stünden "für den unvergleichlichen Bruch der Zivilisation, für den Absturz Deutschlands in die Barbarei".

"Wir können stolz sein auf die Traditionen von Freiheit und Demokratie, ohne den Blick auf den Abgrund der Shoa zu verdrängen", sagte Steinmeier und warb für einen "aufgeklärten Patriotismus" anstelle eines "aggressiven Nationalismus".

"Schicksalstag der Deutschen"

Steinmeier warnte in der Gedenkstunde zum "Schicksalstag der Deutschen": "So wenig der Demokratie am 9. November 1918 ihr Scheitern schon vorherbestimmt war, so wenig ist heute, 100 Jahre später, ihr Gelingen garantiert!" Es gebe ein wachsendes Unbehagen an der Parteiendemokratie, bis hinein in die Mitte der Gesellschaft.

Nationalisten würden die Vergangenheit vergolden und eine heile Welt beschwören, die es so nicht gegeben habe. "Ein demokratischer Patriotismus aber ist kein wohliges Ruhekissen, sondern ein beständiger Ansporn." Der 9. November 1918, als Philipp Scheidemann die Republik ausrief, habe in der deutschen Erinnerung nie den Platz gefunden, der ihm zustehe, beklagte Steinmeier. "Er ist ein Stiefkind unserer Demokratiegeschichte."

Steinmeier erinnerte auch an den Fall der Mauer 1989 - "den glücklichsten 9. November in unserer Geschichte". Es bleibe aber die "schwierigste und schmerzhafteste Frage der deutschen Geschichte", wie wenige Jahre nach dem demokratischen Aufbruch 1918 Feinde der Demokratie Wahlen gewinnen konnten und das deutsche Volk seine europäischen Nachbarn mit Krieg und Vernichtung überzog, "jüdische Familien in Viehwagen pferchte und Eltern mit ihren Kindern in Gaskammern schickte", sagte Steinmeier weiter.

Vor 100 Jahren hatte der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Berliner Reichstagsgebäude aus die erste deutsche Republik ausgerufen. Zugleich steht der 9. November auch für eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte: Am 9. November 1938 inszenierten die Nationalsozialisten die reichsweiten Pogrome gegen die Juden. Die gewaltsame Verfolgung und spätere Vernichtung der jüdischen Bevölkerung nahm damit ihren Anfang. Mit der DDR-Grenzöffnung am 9. November 1989 wiederum wurde der friedlichen Vereinigung der beiden deutschen Staaten der Weg geebnet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. November 2018 um 09:00 Uhr.

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