Sendungsbild

Bericht zur deutschen Einheit 85 Prozent des Westniveaus

Stand: 21.09.2019 12:48 Uhr

Ost und West scheinen zusammenzuwachsen - zumindest wirtschaftlich. Medienberichten zufolge haben in Ostdeutschland Löhne und Gehälter 85 Prozent des Westniveaus erreicht. Doch es gibt auch Kritik.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands hat im vergangenen Jahr drei Viertel des westdeutschen Niveaus erreicht. Das, so zitieren Zeitungen aus dem bislang unveröffentlichten "Bericht zum Stand der deutschen Einheit", entspreche nahezu dem Durchschnitt der Europäischen Union.

In den beiden Vorjahren hatte die Zahl dagegen gleichbleibend bei 73,2 Prozent gelegen und sich zuletzt nur noch langsam gesteigert. Zur Einheit hatte die Regierung einen Wert von 43 Prozent errechnet.

Bürger zweiter Klasse

Mit Blick auf Löhne, Gehälter und verfügbare private Einkommen sehe das Ergebnis deutlich besser aus, schreibt unter anderem das "Handelsblatt". So werde ein Wert von etwa 85 Prozent des westdeutschen Niveaus erreicht.

Berücksichtige man auch noch die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten, verringere sich der Abstand weiter. "Das Zusammenwachsen Deutschlands und die Angleichung der Lebensverhältnisse sind seither weit vorangekommen", zitiert das "Handelsblatt" den Bericht.

Offenbar empfinden das viele aber auch im Jubiläumsjahr der Einheit nicht so. Einer Umfrage zufolge fühlt sich mehr als jeder zweite Ostdeutsche als Bürger zweiter Klasse.

Linke kritisiert Lobhudelei

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums wollte dem ARD-Hauptstadtstudio die Zahlen nicht bestätigen. Er verwies darauf, dass der Regierungsbeauftragte für die neuen Bundesländer, Christian Hirte, den Bericht erst am Mittwoch dem Kabinett vorlegen werde.

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, hat sich bereits zu Wort gemeldet. "Mit dem neuen Ostbeauftragten verkommt der Jahresbericht zu einer einzigen Lobhudelei", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Natürlich sei viel geleistet worden, aber dass Ostdeutsche länger arbeiten müssten und dafür weniger Geld bekämen, sei nicht akzeptabel.

1997 legte die Bundesregierung erstmals ihren Jahresbericht vor. Der liefert einen Überblick über ihre - Zitat - "Politik zur Angleichung der sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Lebensbedingungen der Menschen im vereinten Deutschland".

"Weit vorangekommen" - Jahresbericht zur deutschen Einheit
Kai Clement, ARD Berlin
21.09.2019 11:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. September 2019 um 09:00 Uhr.

Darstellung: