Lkw im Stau an der Grenze zu Polen | Bildquelle: dpa

Kontrollen wegen Coronavirus Gefangen auf der Autobahn

Stand: 19.03.2020 11:48 Uhr

Wegen der Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze müssen sich Auto- und Lkw-Fahrer weiter auf kilometerlange Staus einstellen. Inzwischen hat Polen die Vorschriften für die Kontrollen etwas gelockert.

Kilometerlange Staus, endloses Warten, genervte Auto- und Lkw-Fahrer: Als Reaktion auf die langen Staus an der deutsch-polnischen Grenze hat Polen die Auflagen für die Kontrollen von Lastwagenfahrern und Berufspendlern gelockert.

Seit der Nacht zu Donnerstag müssten diese beiden Gruppen bei einem Grenzübertritt kein Formular mehr mit Daten ihrer Erreichbarkeit ausfüllen, sagte eine Sprecherin des polnischen Grenzschutzes in Warschau der Nachrichtenagentur dpa. Damit lasse sich viel Zeit bei der Abfertigung sparen.

Am Mittwoch war der Stau, der sich seit Montag aufgrund der Grenzkontrollen Polens gebildet hatte, noch rund 60 Kilometer lang gewesen. Am Donenrstagmorgen stauten sich die Fahrzeuge auf der Autobahn 4 (A4) zwischen Dresden und Görlitz noch auf 40 Kilometern.

Viele Stunden warten

Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes betrugen die Wartezeiten am Morgen in Jedrzychowice an der A4 bei Görlitz sechs Stunden, in Olszyna an der A15 in der Nähe von Cottbus mussten Autofahrer 15 Stunden warten, in Swiecko an der A12 bei Frankfurt/Oder betrugen die Wartezeiten für Lastwagen sechs Stunden, für Pkw eine Stunde.

Der am Mittwoch auch für Pkw, Kleinbusse und Busse geöffnete frühere Fußgängerübergang über die Stadtbrücke Frankfurt/Oder nach Slubice verzeichnet eine Wartezeit von zweieinhalb Stunden. In Kolbaskowo an der A11 bei Pomellen müssen acht Stunden eingerechnet werden. Staus oder Wartezeiten bei der Ausreise aus Polen in Richtung Westen gab es den Angaben zufolge an keinem der Übergänge.

Lkw im Stau an der Grenze zu Polen | Bildquelle: dpa
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Geduldsprobe für jeden Auto- und Lkw-Fahrer: Kilometerlanger Staus auf der A4.

Polizei erwartet viel Verkehr am Wochenende

Aufgrund des zu erwartenden Rückreiseverkehrs zum Wochenende rechnete die Polizei in Sachsen allerdings erneut mit einem hohen Verkehrsaufkommen. Deshalb blieben alle Auffahrten auf die A4 ab Pulsnitz bis Görlitz vorerst gesperrt. Die sächsische Polizei mahnte zur Rücksicht, auch wenn in dieser Ausnahmesituation "die Nerven verständlicherweise blank" lägen.

Zahlreiche Hilfe für Stauopfer

Die Beamten lotsten zahlreiche Tiertransporter aus dem Megastau. Umliegende Bauern boten an, den betroffenen Tieren zu helfen. In Zusammenarbeit mit den Landratsämtern versorgten Helfer vom Deutschen Roten Kreuz, von der Bundeswehr, der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk zudem im Stau steckende Fahrer und Reisende mit Essen und Trinken.

Maas spricht von "dramatischer Situation"

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte im ARD-Morgenmagazin, er sei wegen der Staus im nahezu täglichen Austausch mit den Behörden in Polen. Die Situation sei "wirklich dramatisch". Mit der polnischen Regierung sei abgesprochen worden, dass diejenigen Fahrzeuge, die Polen nur als Transitland etwa Richtung Lettland nutzen wollten, separate Spuren nutzen dürften und nicht weiter eingeklemmt blieben zwischen den Lastwagen. Maas hofft, "dass sich das in den nächsten Tagen entspannt".

Grenze zu Polen seit Sonntag dicht

Die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland haben selbst damit begonnen, Staatsbürger zurückzuholen, die inmitten der Coronakrise an der deutsch-polnischen Grenze feststecken. Polen hatte am Sonntag wegen der Coronakrise die Grenze für Ausländer geschlossen.

Über dieses Thema berichtete MDR Sachsenspiegel am 18. März 2020 um 19:00 Uhr.

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