Stasi-Akten in Berlin

Hohes Interesse an Stasi-Akten Wer Auskunft will, muss warten

Stand: 10.03.2019 06:20 Uhr

Wer wissen will, was die Stasi über ihn gesammelt hat, muss warten. Bis zu drei Jahre dauert es, bis die Anträge geprüft worden sind. Das liegt auch an der Personalplanung für die Stasi-Unterlagenbehörde. Dort hat man nämlich nicht damit gerechnet, dass auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer das Interesse ungebrochen hoch ist. "Wir unternehmen große Anstrengungen, die Akten zur Verfügung zu stellen", versicherte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. "Doch wir schieben eine Bugwelle vor uns her."

Im Jahr 2014 gingen bis Anfang Dezember 61.000 Anträge von Menschen ein, die wissen wollen, ob das DDR-Ministerium für Staatssicherheit Akten über sie angelegt und was sie gesammelt hat. 2013 wurde knapp 64.250 Mal persönliche Akteneinsicht beantragt, 2012 waren es noch rund 88.200 Anträge.

Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn
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"Wir schieben eine Bugwelle vor uns her." Der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn

Derzeit hat die Behörde samt Außenstellen knapp 1600 Mitarbeiter, 2003 waren es noch rund 2300. Die Auskunftsabteilung wurde laut Jahn zwar verstärkt, doch das reiche nicht: "Wir brauchen Reformen. Die Mitarbeiter müssen für die Bürger da sein können." Menschen, zu denen es nur wenige Quellen gibt, bekämen innerhalb von vier, fünf Monaten Auskunft, sagte Jahn. "Wenn viel Material da ist, dauert es länger." Rehabilitierungsersuche sowie Anträge von Älteren und Kranken würden vorgezogen. Auch für Behörden, Forscher und Medien werde nach Stasi-Papieren gesucht.

Die Stasi-Unterlagenbehörde

Die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen verwaltet und erschließt die Unterlagen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, die vor der Vernichtung bewahrt wurden. Erhalten blieben 111 Regal-Kilometer Akten, davon ist etwa die Hälfte in der früheren Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Zerrissene Papiere, die Stasi-Offiziere vernichten wollten, wurden gerettet und in 16.000 Säcken gelagert. Erst ein kleiner Teil ist rekonstruiert.
Die Bundesbehörde in Berlin und ihre Außenstellen in den ostdeutschen Ländern haben derzeit knapp 1600 Beschäftigte.
Seit Gründung der Bundesbehörde nach der Wiedervereinigung wurden rund drei Millionen Anträge auf persönliche Einsicht in Akten gestellt, die die Stasi heimlich über Menschen angelegt hatte.

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