Eingang des früheren Stasi-Hauptquartiers | Bildquelle: AFP

Jahn fordert Kennzeichnungspflicht Künftig ein "Dr. Stasi"?

Stand: 25.12.2019 18:13 Uhr

Zu DDR-Zeiten promovierten Stasi-Offiziere an einer geheimen Hochschule - auch zur Frage, wie man Oppositionelle bekämpfen kann. Den Doktorgrad kann man ihnen nicht aberkennen. Der Stasi-Beauftragte fordert nun aber eine Kennzeichnung.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, will erreichen, dass frühere Stasi-Offiziere mit Doktortitel diesen Titel mit dem Zusatz "Stasi" führen müssen. Die meisten der entsprechenden Promotionen wurden nach Angaben der Stasi-Unterlagen-Behörde an der geheimen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) erworben. Nach außen fungierte die Einrichtung als Juristische Hochschule Potsdam. Dort seien 174 Promotionsarbeiten von insgesamt 485 Autoren erstellt worden.

"Das waren Anleitungen zur Verletzung der Menschenrechte"

Diese Doktorarbeiten seien Dokumente des Selbstverständnisses der DDR-Geheimpolizei gewesen, so Jahn. Erörtert worden sei darin zum Beispiel die Zersetzung des persönlichen Lebens von Andersdenkenden oder die Bekämpfung der politischen Opposition. "Das waren Anleitungen zur Verletzung der Menschenrechte." Das sei nicht akzeptabel und müsse jetzt politisch angegangen und hinterfragt werden.

Im Einigungsvertrag zur Auflösung der DDR sei festgelegt worden, dass Stasi-Offizieren ein solcher Doktorgrad nicht aberkannt werden könne. Deshalb sollten sie wenigstens zu dem Zusatz verpflichtet werden, sagte Jahn der Deutschen Presse-Agentur. "Doktor der Stasi - das wäre dann echte Transparenz." Jahn war zu DDR-Zeiten in der Opposition aktiv und wurde zwangsausgebürgert. Seit 2011 ist er Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Roland Jahn, Stasi-Unterlagenbehördenchef | Bildquelle: picture alliance / Patrick Pleul
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Jahn fordert Transparenz über Doktortitel der geheimen Stasi-Hochschule.

Jahn: Es geht nicht ums Abstempeln

Charakteristisch für die fraglichen Promotionsarbeiten war den Angaben der Behörde zufolge, dass der überwiegende Teil der Arbeiten nicht von Einzelautoren erstellt wurde. In einem Fall seien zehn Doktoranden beteiligt gewesen. Dass Arbeiten von mehreren Autoren geschrieben wurden, steht laut Behörde auch im Gegensatz zu heutigen Promotionsordnungen.

Es gehe nicht darum, Menschen bis in alle Ewigkeit abzustempeln und zu verdammen, betonte Jahn. Wichtig sei vielmehr die Frage: Wie ist der Betroffene mit seiner Vergangenheit umgegangen? Das Unterlagen-Archiv stellt nun überlieferte Forschungsarbeiten von Hochschulabsolventen online.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 15. Dezember 2019 um 06:30 Uhr.

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