Zahlreiche Menschen gehen durch eine Einkaufsstraße in Köln. | dpa

Zensus 2022 Volkszählung hat begonnen

Stand: 16.05.2022 15:25 Uhr

Mit einem Jahr coronabedingter Verspätung ist die Volkszählung in Deutschland gestartet. Befragt werden rund zehn Millionen Haushalte. Zusätzlich werden auch Daten zu Wohnimmobilien erhoben.

Von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

Wer gute Politik machen wolle, sagt Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes, der müsse erst mal Fragen stellen: "Wo gibt es zu wenig Kitas? Wo brauchen wir mehr alters- und familiengerechte Wohnungen? Wo müssen wir das Verkehrsnetz verbessern, weil dort mehr berufstätige Menschen unterwegs sind?"

Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

Antworten auf solche Fragen solle der Zensus liefern, verspricht Thiel. Ab heute beginnt sie, die Volkszählung, die alle zehn Jahre stattfindet. Diesmal, wegen Corona, ein Jahr später als geplant.

Fragen an rund zehn Millionen Haushalte

Befragt werden beim Zensus die Menschen in rund zehn Millionen Haushalten. Die Zählerinnen und Zähler melden sich bei den Bürgern schriftlich an, der Befragungstermin selbst dauert dann etwa eine Viertelstunde. Wer möchte, kann auch online antworten. Laut Gesetz besteht Auskunftspflicht.

Behördenchef Thiel weist ausdrücklich darauf hin, dass beim Zensus niemand allzu persönliche Fragen befürchten müsse: "Es gibt keine Fragen zum Einkommen, keine Fragen zur Religionszugehörigkeit, und selbstverständlich auch keine Fragen zum Impfstatus." Auch sei ausgeschlossen, dass die erhobenen Daten an andere Behörden weitergegeben würden.

Die ehrenamtlichen Zensus-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter weisen sich an der Haustür grundsätzlich aus, in die Wohnung lassen muss man sie natürlich nicht.

Befragung zu Wohnimmobilien

Zum ersten Mal werden bei diesem Zensus auch alle Besitzerinnen und Besitzer von Wohnimmobilien befragt, "denn zu Gebäuden und Wohnungen gibt es noch kein Flächenregister in Deutschland", erklärt Thiel. Deshalb müssten alle Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Verwaltungen von Wohnraum in Deutschland gefragt werden.

Das bedeutet noch einmal rund 23 Millionen Fragebögen. Man mag es kaum glauben, dass es bisher keine bundesweite Statistik über Wohnungsgrößen, Leerstände oder die verwendete Art der Heizenergie gibt - der Zensus 2022 soll diese Wissenslücke schließen helfen.

Ergebnisse werde Ende 2023 veröffentlicht

Die Ergebnisse des Zensus sollen Ende kommenden Jahres veröffentlicht werden. Auch in den anderen EU-Staaten finden parallel solche Datenerhebungen statt - so sollen die Bevölkerungszahl und die Sozialstrukturen aller Mitgliedsländer untereinander vergleichbar werden.

In Deutschland beruht unter anderem der Zuschnitt der Wahlkreise auf den Daten des jüngsten Bevölkerungszensus. Aber auch der Finanzausgleich der Bundesländer untereinander beruht auf der jeweiligen Einwohnerzahl - der Zensus ist damit eine Art Update der Angaben aus den kommunalen Melderegistern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2022 um 15:00 Uhr.