Franziska Giffey | ANDREAS GORA/POOL/EPA-EFE/Shutte

Pläne der Familienministerin Giffey will erneute Kita-Schließungen vermeiden

Stand: 10.08.2020 15:25 Uhr

Kostenlose Corona-Tests für Erzieherinnen und Erzieher, Gelder für Hygienemaßnahmen - so will Familienministerin Giffey sicherstellen, dass Kitas trotz Corona nicht geschlossen werden. Helfen sollen auch eine Studie und ein "Kita-Register".

Neue flächendeckende Kitaschließungen müssen nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey unbedingt vermieden werden. "Wir müssen alles tun, um einen zweiten Lockdown zu verhindern", sagte die SPD-Politikerin zum Start des neuen Kitajahres. Der Bund will dazu die Länder finanziell unterstützen und mit einer groß angelegten Studie die Rolle von Kitas bei der Verbreitung des Coronavirus untersuchen.

Die Corona-Kitastudie, die gemeinsam vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Robert Koch-Institut erarbeitet wird, soll erstmals bundesweit das Infektionsgeschehen in der Kinderbetreuung untersuchen. Es gebe zwar bereits Einzelstudien dazu, aber wenige Erkenntnisse darüber, wie ein Regelbetrieb in Kitas sich auf das Infektionsgeschehen auswirke, sagte Giffey.

Deutschlandweites Register

Basis für die Untersuchungen soll ein deutschlandweites Kita-Register sein, bei dem sich die Einrichtungen anmelden können. Sie machen dabei unter anderem Angaben zur Zahl der betreuten Kinder, den Hygienemaßnahmen sowie zur Raum- und Personalsituation.

Laut Giffey gibt es bereits mehr als 5000 Registrierungen. DJI-Direktor Thomas Rauschenbach sagte, es seien zehntausend Anmeldungen für aussagekräftige Ergebnisse notwendig. Die Befragungen für die Studie sollen bereits am Dienstag beginnen. "Mit dem Kitaregister bauen wir eine einmalige bundesweite Datenbasis auf", so Rauschenbach.

Einberufung eines "Corona-Kita-Rates"

Giffey kündigte außerdem die Einberufung eines "Corona-Kita-Rates" an, der erstmals am 31. August tagen soll. Darin sollen sich Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Gewerkschaften, Eltern und Kindertagespflege einmal im Monat über Erfahrungen und Konzepte in den Kitas austauschen.

Das Bundesfamilienministerium gab den Kitas auch Leitlinien für den Regelbetrieb in der Coronakrise an die Hand. Dabei sei Hygiene das A und O. Eine besondere Rolle komme dabei dem Lüften zu. Erwachsene wie Eltern und Erzieherinnen sollten zudem auf den notwendigen Abstand achten und gegebenenfalls Masken tragen. Für die Kinder sei das Tragen von Masken dagegen nicht praktikabel. Auf Sommerfeste oder ähnliche Veranstaltungen solle verzichtet werden.

"Keine Masken, keine Sommerfeste"

Die Ministerin sprach sich für kostenlose Corona-Tests für Erzieherinnen und Erzieher aus. Zudem solle es möglichst feste Gruppen geben. Giffey appellierte an die Eltern, keine kranken und fiebernden Kinder in die Kita zu bringen. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland rund 56.700 Kindertagesstätten, in denen 3,7 Millionen Kinder betreut werden.

Die SPD-Politikerin verwies zudem auf das Investitionsprogramm des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro zum Ausbau der Kita-Plätze, mit dem auch Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise finanziert werden können. Als Beispiele nannte sie unter anderem den Umbau von Schlafräumen zur besseren Belüftung oder die Anschaffung von Desinfektionsspendern.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Ankündigungen Giffeys und rief unter anderem die Kitas dazu auf, sich an der Studie zu beteiligen. Dies mache sicher erstmal Arbeit, aber sie sei sicher, "dass die Ergebnisse helfen werden, die Situation in den Kitas zu verbessern und Probleme sichtbar zu machen", erklärte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe.

Elternvertreter fordern mehr Kinderkrankentage

Um eine Betreuung in der Corona-Zeit zu ermöglichen, hatten Elternvertreter zuvor mehr Geld für die Einrichtungen vom Bund gefordert. Es brauche "kreative Lösungen, vor allem was Personal und Räume angeht", sagte Ulrike Grosse-Röthig, Sprecherin der Elternvertretung der "Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege".

Grosse-Röthig sprach auch die Betreuungsprobleme der Eltern kranker Kinder an. Viele Väter und Mütter hätten die ihnen zustehenden Kinderkrankentage bereits in den zurückliegenden Corona-Monaten aufgebraucht. Dies könne jetzt zu Problemen führen, wenn etwa ein Kind Schnupfen habe und man vorsorglich zu Hause bleibe. Grosse-Röthig warnte: Wenn der Staat die Zahl der Kinderkrankentage nicht deutlich erhöhe, "werden wir viele kranke Kinder in den Einrichtungen sehen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. August 2020 um 14:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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FraXinator 10.08.2020 • 19:35 Uhr

Wann ist ein Kind krank und kann nicht gehen??

Ich bin Vater zweier Kinder, eines davon geistig schwerbehindert. Eine Kernfrage wird es sein, zu definieren, wann ein Kind krank ist und nicht in die Kita gehen darf. Vor Corona durften Kinder mit Fieber, mit Durchfall oder wenn sie generell unfit waren nicht kommen. Momentan ist es so, dass Kinder mit irgendwelchen Symptomen nicht kommen dürfen. Wir reden hier über Kinder die vollkommen fit sind aber ab und an schniefen oder husten. Kinder, die das völlig normal 8-15 mal im Jahr haben und das teilweise über Wochen. Hier ist eine Lösung der Politik notwendig! Entweder indem diese fitten Kinder trotz leichten Erkältungssymptomen (ggf. erst nach negativen Test) in die Kita dürfen und/oder indem die Kinderkranktage bis zum Ende der Pandemie unbegrenzt möglich sind. An alle Kommentatoren ohne Kinder: Wenn eine Gesellschaft Solidarität fordert, dann sind auch die Kosten von der der Gesellschaft solidarisch zu tragen.