Eine Frau sitzt im Homeoffice an ihrem Laptop und telefoniert, während ihr Kind neben ihr in einem Kinderstuhl am Tisch sitzt. | Christian Beutler/KEYSTONE/dpa

Corona-Aufholpaket für Kinder Städtetag macht Druck auf Regierung

Stand: 28.04.2021 13:40 Uhr

Viele Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie, die Große Koalition verhandelt deshalb aktuell über ein milliardenschweres Förderprogramm. Die Kommunen fordern Tempo.

Die deutschen Kommunen sind besorgt über die akuten und langfristigen Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche und machen Druck beim geplanten Corona-Aufholpaket: "Wir hoffen sehr, dass das Bundeskabinett kommende Woche Grundzüge für ein solches Programm beschließt", sagte der Vizepräsident des Deutschen Städtetags, Markus Lewe.

Der Oberbürgermeister von Münster wies neben dem Problem von aufgebauten Lernrückständen auf "gravierende" Einschränkungen im Alltag von Kindern und Jugendlichen hin - etwa fehlende Treffen mit Freunden, ausfallendes Training im Sportverein und unsichere Zukunftsperspektiven. "Das hinterlässt Spuren in Körper und Seele bei Millionen von Kindern und Jugendlichen."

Abstimmungsbedarf zwischen Union und SPD

Die Große Koalition verhandelt derzeit über ein Förderprogramm in Höhe von rund zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche. Ursprünglich war geplant, das Programm am Dienstag im Kabinett auf den Weg zu bringen. Weil es aber noch Abstimmungsbedarf zwischen Union und SPD gibt, wurde der Beschluss auf voraussichtlich nächsten Mittwoch verschoben.

Mit dem Geld sollen zur einen Hälfte Nachhilfe- und Förderprogramme für Schülerinnen und Schüler in den Ländern unterstützt werden. Die zweite Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Folgen abzufedern. Geplant ist nach SPD-Angaben auch eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. Das Geld soll je nach Bedarf für Ferien-, Sport- und Freizeitaktivitäten eingesetzt werden können.

Der Städtetag rief dazu auf, in diesem Zusammenhang die bestehenden Strukturen und Hilfsangebote in den Kommunen zu nutzen und die geplanten Mittel dort einzusetzen. Das bedeute auch mehr Geld für zusätzliches Personal, sagte Lewe. Konkret schlagen die Kommunen unter anderem einen Ausbau von Beratungsangeboten für Familien vor, zusätzliche Nachhilfe- und Sportangebote, Sommercamps, begleitete Ausflüge und Sprachschulungen. Gebraucht würden auch zusätzliche Kapazitäten in der Schulsozialarbeit.

Giffey: "Schere wird durch Pandemie verstärkt"

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey betonte im ARD-Morgenmagazin, ihr Ministerium arbeite "intensiv" an dem Aufholpaket - es werde "hoffentlich nächste Woche ins Kabinett kommen".

Die SPD-Politikerin verwies in diesem Zusammenhang erneut auf die Folgen insbesondere für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Rund 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gehe es gut, während etwa 20 Prozent besonderen Unterstützungsbedarf hätten, so Giffey. Diese Schere werde durch die Pandemie verstärkt.

Bei Aufholprogrammen müsse daher der Fokus auf den benachteiligten Kindern und Jugendlichen liegen. Häufig seien dies Kinder mit Migrationshintergrund. Gründe für die besondere Betroffenheit sozial benachteiligter Familien durch die Pandemie seien beengte Wohnverhältnisse, mangelnde Sprachkenntnisse, Bildungsferne und soziale Armut. "Es braucht ganz viel Aufklärungsarbeit und vor allen Dingen auch Vertrauen", sagte Giffey.

Giffey sprach sich zudem für mobile Impfteams aus, um sozial benachteiligte Familien besser zu erreichen. Zudem sei Aufklärungsarbeit auch über Vertrauenspersonen vor Ort, etwa Sozialarbeiter, nötig, erklärte die Ministerin. "Da sind ganz viele Falschinformationen im Umlauf, große Ängste. Und dann stirbt vielleicht jemand im Umfeld, dann wird doch die Entscheidung getroffen, ich lasse mich jetzt impfen, aber ich weiß gar nicht, wie das geht", sagte Giffey.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 28. April 2021 um 07:39 Uhr.