Eine Ampulle mit dem Sputnik-V-Impfstoff | REUTERS

Deutsche Impfkampagne Immer mehr Stimmen für Sputnik V

Stand: 18.03.2021 16:46 Uhr

Während das Schicksal des AstraZeneca-Vakzins in Deutschland weiter unklar bleibt, werben immer mehr Länderchefs für das russische Mittel Sputnik V. Jeder sichere und wirksame Impfstoff sei willkommen, so der Tenor.

Wie weiter nach dem vorläufigen Stopp der Impfungen mit dem AstraZeneca-Mittel? Angesichts der stockenden Impfkampagne werben immer mehr Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen im Vorfeld des Impf-Gipfel von Bund und Ländern am kommenden Freitag für das russische Vakzin Sputnik V.

So sprachen sich Bayerns Landeschef Markus Söder und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller für das Vakzin aus. Es gehe jetzt zunächst um ein schnelle Zulassung, sagte Söder. Zudem müsse man sich bereits jetzt um Kaufverträge kümmern. Der Impfstoff sei offenbar teils besser als bereits zugelassene, so der CSU-Politiker. Auch Müller sagte, angesichts des fehlende Vakzine könne Sputnik ein Beitrag zum schnelleren Impfen sein.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte mit Blick auf die Impfkampagne, er erwarte von der Europäischen Union und der Bundesregierung, "dass man wirklich alle Impfstoffe vorurteilsfrei prüft und möglichst schnell auch an den Markt bringt, wo immer das vertretbar ist." Er denke da beispielsweise an Sputnik V, "der jetzt schon in einzelnen europäischen Ländern verimpft wird. Und da ist natürlich die Frage zu stellen, warum geht das nicht bei uns."

"Herkunft sollte keine Rolle spielen"

Der Rückhalt für den Impfstoff kam zuvor vor allem aus den ostdeutschen Bundesländern. So sagte Sachsen Landeschef Michael Kretschmer den Zeitungen der Funke Meidengruppe: "Russland ist ein großes Land der Wissenschaft, und ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass die dortige Wissenschaft imstande ist, einen leistungsfähigen Impfstoff herzustellen." Der Impfstoff sollte zugelassen werden. Schließlich habe Deutschland bei den Impfstoffen Kapazitätsprobleme, so der CDU-Politiker.

Sachsen-Anhalts Regierungschef und CDU-Parteikollege Reiner Haseloff verwies wie Kretschmer darauf, dass über eine Zulassung zunächst die EMA zu entscheiden habe. "Grundsätzlich aber gilt: Im Kampf gegen Corona ist uns jeder Impfstoff willkommen, der sicher ist und wirkt und uns so hilft, die Pandemie zu überwinden", sagte er den Funke-Zeitungen. "Wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, sollte die Herkunft keine Rolle spielen. Schon als Kind bin ich mit einem russischen Impfstoff gegen Kinderlähmung immunisiert worden. Ich habe da keine Probleme."

Ramelow will Kontakte nach Russland nutzen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zeigte sich ebenfalls offen für Impfungen mit Sputnik V. "Entscheidend ist nicht, wo ein Impfstoff herkommt, sondern ob er wirksam und sicher ist. Wenn Sputnik diese Kriterien erfüllt, dann sollten wir diesen Impfstoff einsetzen" sagte Schwesig der "Rheinischen Post".

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte den Funke-Blättern: "Ich wünsche mir seit Langem viel mehr Druck von der Bundesregierung, dass wir mehr alternative Vakzine zugelassen bekommen." Die Abhängigkeit von AstraZeneca mache die Impfstrategie angreifbar, so der Linken-Politiker. "Es ist deshalb wichtig, dass endlich das Thema Sputnik V mit Nachdruck bearbeitet wird. Ich höre schon seit Wochen, dass Unterlagen fehlen. Wenn das wirklich so sein sollte, dann muss man das mit Russland rasch klären." Er selbst wolle seine Kanäle nach Russland nutzen, um dabei zu helfen, sagte Ramelow. "Ich will keine politische Zulassung. Aber ich will auch keine politische Ablehnung."

Am Freitag wollen Bund und Länder ihren verschobenen Impf-Gipfel nachholen. Dabei soll über das weitere Vorgehen bei der Impfkampagne beraten werden - auch über den Umgang mit dem Vakzin von AstraZeneca, dessen Anwendung derzeit ausgesetzt ist.

Sputnik V laut Studie zu 91 Prozent wirksam

Bei Sputnik V handelt es sich - wie etwa bei den Mitteln von Johnson & Johnson oder auch AstraZeneca - um einen Verktorvirenimpfstoff. Dabei wird als Vektor ein sogenanntes Adenovirus genutzt. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2 zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

Laut einer im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Studie ist Sputnik V zu 91 Prozent wirksam und scheint zu verhindern, dass geimpfte Personen einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 haben. Unklar ist aber, ob der Impfstoff die Ausbreitung des Virus verhindern kann. In der EU ist er noch nicht zugelassen, die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat aber vor zwei Wochen ein Prüfverfahren eingeleitet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. März 2021 um 15:40 Uhr.