Gesetzentwurf der Bundesregierung Spielerkarte gegen die Spielsucht

Stand: 21.08.2012 16:47 Uhr

Schätzungen zufolge leiden 260.000 Menschen in Deutschland unter Spielsucht. Die Bundesregierung will es ihnen schwerer machen, sich mit der Sucht finanziell zu ruinieren. Kernstück der Pläne ist eine Spielerkarte.

Von Michael Götschenberg, MDR, ARD-Hauptstadtstudio

Frau an einem Spielautomaten
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Die Spielerkarte soll das parallele Spiel an mehreren Automaten verhindern.

Häufig stundenlang stehen Spielsüchtige in Spielhallen vor Automaten, gerne auch vor mehreren gleichzeitig. Sie hoffen, das Geld, das sie eingeworfen haben, zu vermehren. Für viele ist die Spielsucht ihr finanzieller Ruin. Wirklich helfen kann diesen Menschen letztlich wohl nur eine Therapie. Doch die Bundesregierung will versuchen, es den Spielsüchtigen schwerer zu machen, ihrer Sucht nachzugehen.

Im Bundeswirtschaftsministerium wurde dazu ein Gesetzentwurf erarbeitet, der in absehbarer Zeit auf den Weg gebracht werden soll. Wer an Automaten spielen will, soll dafür in Zukunft eine Spielerkarte brauchen. Die Karten soll es beim Betreiber des Spielsalons oder der Kneipe geben, in der sich der Automat befindet. Sie muss dann wie eine Art Schlüssel in den Automaten hineingesteckt werden, um diesen in Betrieb zu nehmen. Mit der Ausgabe der Spielerkarte soll gewährleistet werden, dass der Spieler nicht an mehreren Automaten gleichzeitig spielen kann.

Verstöße gegen Jugendschutz werden teurer

Außerdem soll die Karte dazu führen, dass der Jugendschutz besser beachtet wird. Nach einer Studie des Instituts für Therapieforschung in München sind die Bestimmungen zum Jugend- und Spielerschutz vielerorts gar nicht bekannt. Dem soll auch dadurch abgeholfen werden, dass die Strafen bei Nichtbeachtung der Bestimmungen drastisch erhöht werden, von bisher 2500 auf 5000 Euro.

Angebliche Pläne, die Spielerkarte wie eine Geldkarte aufladen zu müssen und mit einem Limit zu versehen, gibt es bisher nicht. Die "Saarbrücker Zeitung" hatte berichtet, es gebe Pläne, die Karten mit einem 200-Euro-Limit zu versehen. Das sei nicht beabsichtigt, erklärte die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans von der FDP.

Automatenhersteller begrüßen Regierungspläne

Der Bundesverband der Automatenunternehmer begrüßte die Pläne der Regierung. Wenn es sich um eine personenungebundene Karte handele, dann könne man sich damit anfreunden, meinte der Verband. Von personalisierten Spielerkarten halte man dagegen nichts. Eine solche personalisierte Spielerkarte hatte die SPD gefordert.

Die SPD-Drogenexpertin Angelika Graf nannte die Pläne der Bundesregierung deshalb auch ein wirkungsloses Placebo. Die nichtpersonalisierten Karten könnten schließlich an Jugendliche weitergegeben werden. Der Suchtexperte der Grünen, Harald Terpe, nannte die Pläne der Regierung sogar "ein Riesengeschenk an die Industrie". Für die Suchtprävention hingegen "brächten sie gar nichts". In Deutschland gibt es, so schätzen Experten, etwa 260.000 Spielsüchtige.

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