Claas Relotius | Bildquelle: picture alliance / Eventpress

"Spiegel"-Betrugsfall Spenden wurden laut Relotius weitergeleitet

Stand: 27.12.2018 19:46 Uhr

Er hat lange geschwiegen. Nun meldet sich der Journalist zu Wort, dessen Fälschungen der "Spiegel" öffentlich gemacht hatte. Es geht um Spenden, die Reporter Relotius für Waisenkinder gesammelt haben wollte.

Im Fälschungsskandal um den ehemaligen "Spiegel"-Reporter Claas Relotius hat der Journalist bestritten, von ihm gesammelte Spenden für sich persönlich verwendet zu haben. Die syrischen Kinder, für die Leser einer von ihm verfassten "Spiegel"-Reportage Geld gaben, existierten aber tatsächlich nicht.

Beim E-Mail-Kontakt mit Lesern und in Mitteilungen zu den Spenden habe der Autor "die Illusion über die reale Existenz des geschilderten Geschwisterpaars aufrechterhalten", teilte die Anwaltskanzlei Unverzagt von Have im Namen von Relotius mit.

Relotius hat "aufgestockt"

Relotius hatte demnach nach diversen Zuschriften spendenbereiter Leser angeboten, Spendengelder über sein privates Konto zu sammeln und weiterzuleiten. "Zu keinem Zeitpunkt hat er jedoch beabsichtigt, Spenden selbst zu vereinnahmen. Eine solche Verwendung ist auch nie erfolgt", so die Anwaltskanzlei weiter.

Stattdessen habe ihr Mandant den bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spendenbetrag von insgesamt 7000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und im Oktober 2016 an die Diakonie Katastrophenhilfe für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsflüchtigen Kindern im Irak überwiesen.

Die Diakonie Katastrophenhilfe bestätigte, 2016 das Geld von Relotius erhalten zu haben.

Reporter will Geld erstatten

"Unser Mandant entschuldigt sich hiermit ausdrücklich bei allen hilfsbereiten Spendern, die sich in ihrer Intention, an die von ihm geschilderten syrischen Geschwister zu spenden, getäuscht fühlen müssen", teilte die Kanzlei mit. Er werde allen Spendern ihr Geld vollständig zurückerstatten.

Der "Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, dass ihr damals noch freier Mitarbeiter 2016 nicht nur eine Geschichte über angebliche syrische Waisenkinder in der Türkei in großen Teilen erfunden, sondern auch privat Spendenaufrufe an Leser verschickt habe.

"Unser Mandant hat bereits eingeräumt, dass er bei seinen Reportagen - im Wesentlichen im Magazin "Der Spiegel" - über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden hat", so die Kanzlei.

Ex-"Spiegel"-Redakteur Claas Relotius zeigt einen Journalistenpreis. | Bildquelle: GERT KRAUTBAUER/EPA-EFE/REX
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Ex-"Spiegel"-Redakteur Claas Relotius zeigt einen seiner Journalistenpreis.

Schwerer Schaden für die Presse

Den Anwälten zufolge sei Relotius bewusst geworden, dass er durch sein Verhalten dem Ansehen des "Spiegel" und der Presse insgesamt schweren Schaden zugefügt habe. "Er bedauert dies zutiefst und wird sich bemühen, diesen Schaden soweit wie möglich zu begrenzen."

Das Nachrichtenmagazin hatte den Fälschungsskandal Mitte Dezember öffentlich gemacht und der Reporter seinen Vertrag beim "Spiegel" gekündigt. Von ihm waren dem Magazin zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei "Spiegel Online" erschienen.

Relotius war zunächst freier Mitarbeiter und wurde dann festangestellter Redakteur des Nachrichtenmagazins.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. Dezember 2018 um 23:15 Uhr.

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