Spendendose mit Fünf-Euro-Schein.

Bilanz für 2020 Deutsche so spendabel wie selten

Stand: 16.02.2021 13:27 Uhr

Die Deutschen haben 2020 so viel gespendet wie selten zuvor - trotz Corona-Krise. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts GfK kamen 5,4 Milliarden Euro zusammen. Besonders großzügig waren die Menschen während der Lockdowns.

Die Menschen in Deutschland haben trotz Corona-Pandemie deutlich mehr Geld gespendet als früher. Das geht aus der Bilanz des Deutschen Spendenrats für 2020 hervor. Mit 5,4 Milliarden Euro sei das Spendenniveau um etwa 260 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, teilte der Verband mit. Das entspricht rund fünf Prozent.

"Das war nicht zu erwarten", sagte Geschäftsführer Max Mälzer der Nachrichtenagentur dpa. Selbst optimistische Prognosen hätten nur bei einem Plus von 1,6 Prozent gelegen.

Nur im Jahr 2015, im Zeichen der Flüchtlingskrise und des schweren Erdbebens in Nepal, war das Spendenvolumen mit 5,5 Milliarden Euro noch höher. Die Spendenbilanz wird jährlich vom Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag des Spendenrats erstellt.

Geld für humanitären und kulturellen Bereich

Demnach haben im vergangenen Jahr rund 19 Millionen Menschen Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet, etwa 28,5 Prozent der relevanten Bevölkerung ab zehn Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr waren das etwa eine halbe Million Menschen weniger.

Drei Viertel der Spenden (75,6 Prozent) flossen in die humanitäre Hilfe. Dabei steigerte die Not- und Katastrophenhilfe ihren Anteil am Gesamtspendenvolumen um drei Prozentpunkte auf knapp 18 Prozent. Auch Tierschutz sowie Kultur- und Denkmalpflege legten deutlich zu.

Dass Überschüsse in Spenden und nicht auf Sparbücher flossen, erklärt sich Mälzer mit einem realistischen Bewusstsein in Deutschland. "Vielen Menschen ist klar, dass es ihnen hier trotz Pandemie immer noch vergleichsweise gut geht." Sie seien bereit, abzugeben.

Großzügigkeit während der Lockdowns

So ergab die Analyse, dass sich die Spender im vergangenen Jahr besonders großzügig während der beiden Lockdowns zeigten. Die Leute griffen in dieser Zeit noch tiefer in die eigene Tasche als sonst, besonders in der ohnehin schon spendenstarken Vorweihnachtszeit.

Mälzer erklärt sich das mit zwei Tendenzen. "Einmal hatten viele Menschen im Lockdown mehr Zeit, nachzudenken und über das Leben zu reflektieren", sagt er. "Zum Zweiten gab es weniger Möglichkeiten, das Geld selbst auszugeben, zum Beispiel beim Essengehen, für Kleidung oder im Club."

Rentner und Pensionäre geben weiterhin am meisten

Nach wie vor spendet die Generation der über 70-Jährigen laut GfK am meisten. Ihr Anteil am Gesamtspendenvolumen stieg von 40,8 Prozent auf 43,8 Prozent. Zugelegt hat auch in dieser Altersgruppe das durchschnittliche Spendenvolumen von 344 auf 402 Euro pro Spender. Für Mälzer hat es damit zu tun, dass Rentner und Pensionäre sehr genau ihre Einkommenshöhe kennen und oft weniger große und langfristige Ausgaben haben.

Die durchschnittliche Spende betrug 2020 genau 40 Euro, drei Euro mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Spendenhäufigkeit pro Spender blieb mit sieben Mal dagegen gleich.

Sportvereine verzeichnen Verluste

Die Pandemie führte aber auch zu Verlierern auf dem Spendenmarkt: Dazu zählen viele Organisationen, die beim Sammeln vorwiegend auf Publikum setzen. Vor allem der Sport nahm etwa 76 Millionen Euro Spenden weniger als im Jahr 2019 ein.

Der pandemiebedingte Rückgang der Kollekten drückte auch auf die Einnahmen der kirchlichen Hilfsorganisationen (minus 3,7 Prozentpunkte). Ihr Spendenanteil im Bereich humanitäre Hilfe lag 2020 bei 23,6 Prozent.

Insgesamt konnten konfessionelle Organisationen bei den Spenden aber geringfügig zulegen. Ihr Anteil wuchs um 0,5 Prozentpunkte auf 23,4 Prozent. Dabei legten katholische Organisationen um ein Prozentpunkt zu, während evangelische Organisationen einen leicht sinkenden Anteil am Gesamtmarkt verbuchen mussten (minus 0,5 Prozentpunkte).

Jährliche Analyse untersucht Spendenverhalten

Der Deutsche Spendenrat e.V. ist der Dachverband von etwa 70 gemeinnützigen Organisationen aus den Bereichen soziale und humanitäre Hilfe, Umwelt und Tierschutz, Kunst und Kultur sowie Denkmalschutz. Seit 2005 gibt es "Bilanz des Helfens", in der die GfK im Auftrag des Spendenrats jährlich das Spendenaufkommen in Deutschland erfasst. Die Analyse basiert auf einer regelmäßigen repräsentativen Stichprobe von 10.000 deutschen Teilnehmern ab zehn Jahren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau auf tagesschau24 am 16. Februar 2021 um 12:00 Uhr.