Boris Pistorius, Petra Koepping, Nina Scheer, Karl Lauterbach und Olaf Scholz auf der SPD-Regionalkonferenz in München. | Bildquelle: AFP

Ende der Roadshow Wie es bei der SPD nun weitergeht

Stand: 14.10.2019 09:29 Uhr

23 Regionalkonferenzen absolvierten die Bewerber. Ab heute stimmt die Basis darüber ab, wer künftig die Sozialdemokraten anführen soll. Klare Favoriten gibt es nicht.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Haupstadtstudio                                            

Rückblick: Am 4. September hatte die SPD noch drei kommissarische Vorsitzende: Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel. Der eröffnete damals auf der ersten Regionalkonferenz in Saarbrücken das Rennen um den SPD-Vorsitz. 17 Kandidatenpaare, aber auch ein Einzelbewerber, standen bereit, um sich für das älteste deutsche Parteiamt zu empfehlen. Seitdem tourten sie von Regionalkonferenz zu Regionalkonferenz.

Schäfer-Gümbel ist nicht mehr kommissarischer Vorsitzender, auch Schwesig nicht. Und unter den 17 Kandidatinnen und Kandidaten gab es ebenfalls Schwund. Es treten nur noch zwölf Kandidaten an. Zwei Kommunalpolitiker zogen bereits in Saarbrücken zurück. Dann folgte der Bayer Karl-Heinz Brunner, der einzige Einzelbewerber.

Auf der letzten Veranstaltung in München erklärte schließlich das dezidiert linke Duo Hilde Mattheis und Dierk Hirschel seinen Verzicht: "Wir haben es leider nicht hinbekommen, uns auf eine linke Spitzenkandidatur zu einigen. Daher haben wir uns entschieden, den Weg freizumachen, um die Erfolgsaussichten einer linken Spitzenkandidatur zu erhöhen."

Kampfansage an die Große Koalition

Übrig sind nun noch sechs Duos - von denen eines, wie auch Hilde Mattheis/Dierk Hirschel, der Großen Koalition auf jeder Regionalkonferenz von Baunatal bis Troisdorf den Kampf angesagt hatte: Nina Scheer und Karl Lauterbach. "Wir wollen für ein linksgrünes Bündnis kämpfen", versprach Lauterbach.

Auch Gesine Schwan und Ralf Stegner stehen der Großen Koalition kritisch gegenüber. Beide werben für eine geistige Erneuerung der Partei, wozu auch das Infragestellen der großen Koalition gehört. Ganz raus aus dieser Debatte haben sich der Niedersachse Pistorius und die Sächsin Köpping gezogen: sie wollen Brückenbauer sein.

Gute Chancen für den "Roten Robin Hood"

Favoriten gibt es nicht wirklich: Ein Duo, das aus Vize-Kanzler Olaf Scholz und der Brandenburgerin Clara Geywitz, gilt als gesetzt. Aber auch hier wagt man sich nicht aus der Deckung. "Wir wissen alle nicht, was am Ende passieren wird", sagte Geywitz.

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Kandidaten für den SPD-Vorsitz

Sechs gemischte Doppel sind noch im Rennen um den SPD-Parteivorsitz. Es sind bekannte Namen darunter, aber auch neue Gesichter.

Olaf Scholz

Bundesfinanzminister Olaf Scholz tritt nach anfänglichem Zögern doch für die Nachfolge der zurückgetretenen SPD-Chefin Andrea Nahles an - und zwar im Tandem mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz. | Bildquelle: dpa

Gute Chancen werden "Nowabo" - Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken - eingeräumt. Sie wollen mit einem Plan aus der GroKo raus. Die Jusos unterstützt sie massiv. Schließlich hat Walter-Borjans als NRW-Finanzminister den umstrittenen Ankauf von Steuer-CDs in die Wege geleitet und sicherte dem Staat damit entgangene Gelder.

Seine Partnerin wurde auch nicht müde, dies immer wieder zu betonen: " 'Nowabo' hat als Finanzminister in NRW 7,2 Milliarden hinterzogene Steuereuros wieder zurück ins Staatssäckel geholt", sagt Esken.

Richtig gut kam auf den meisten Konferenzen das jüngste Duo an: Christina Kampmann/Michael Roth. Ihre Begeisterung und ihr Motto "Herz und Haltung" zogen offenbar.

430.000 Mitglieder sind gefragt

Nun geht das Verfahren in die Endphase, die SPD-Mitglieder dürfen entscheiden, gerne online, aber auch per Brief. Sie haben das letzte Wort, daran erinnerte bei der letzten Regionalkonferenz in München noch einmal Generalsekretär Lars Klingbeil: "Wir haben bewusst gesagt, jetzt entscheiden 430.000 Partei-Mitglieder, ihr entscheidet, das heißt aber auch, ihr tragt jetzt Verantwortung."

Am 26. Oktober sollen die Ergebnisse vorliegen. Dass ein Duo auf Anhieb die absolute Mehrheit erreicht, gilt als wenig wahrscheinlich. So es eine Stichwahl gibt, wissen die Sozialdemokraten spätestens Ende November, welcher Mann und welche Frau die älteste Partei Deutschlands in die Zukunft führen. Auf dem Parteitag Anfang Dezember soll das Duo dann definitiv gewählt werden.

Das war die SPD-Road-Show - Und so gehts weiter
Barbara Kostolnic, ARD Berlin
14.10.2019 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2019 um 10:00 Uhr.

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Barbara Kostolnik, BR

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