Ralf Stegner und Gesine Schwan | Bildquelle: Imago

Stegner und Schwan für SPD-Vorsitz Gegensätze, die sich anziehen

Stand: 14.08.2019 17:44 Uhr

Gesine Schwan und Ralf Stegner wollen zusammen SPD-Vorsitzende werden. Sie hat zweimal erfolglos versucht, Bundespräsidentin zu werden. Er ist jetzt schon Teil der SPD-Spitze. Kann das was werden?

 Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Gesine Schwan und Ralf Stegner - diese Kombination hatten wenige auf dem Schirm. Aber Schwan zumindest hat lange klar gemacht, dass mit ihr noch zu rechnen ist. Im Juli sagte sie:

"Ich bin, wenn man so will, ein politisches Tier. Und es macht mich kaputt zu sehen, wenn diese Partei immer schlechter behandelt wird von außen. Das ist ja auch kränkend für all die, die in dieser Partei phantastische Arbeit machen. Und da hab ich gedacht: Nee, ich hab noch ein gewisses Pfund, was ich reinbringen kann. Und das will ich auch tun."

Auch Ralf Stegner schien mit seiner SPD noch nicht fertig. Im März gab er zwar den Landesvorsitz in Schleswig-Holstein ab, aber dass er sich jetzt nochmal ins Getümmel schmeißt, verwundert wenige.

Gemeinsam nach links

Vom Alter her stehen beide nicht für den Aufbruch in eine neue Zeit. Schwan ist 76, Stegner wird im Herbst 60 Jahre alt. Aber beide wollen die SPD verändern: nach links. Stegner gehört klar zum linken Parteiflügel. Schwan hat zwar mal den konservativen Seeheimer Kreis in der SPD mitbegründet, geht mit den Seeheimern auch noch auf Spargelfahrt, aber sie sieht sich selbst woanders: "Ich fühle mich als Linke. Und ich will definieren, was das ist. Als linke Politikerin engagiert man sich aktiv dafür, dass jeder Mensch eine gleiche Chance hat, sein Leben in Würde und in Selbstbestimmung zu führen."

"Zurück zu den linken Wurzeln" - könnte für Schwan und Stegner zum gemeinsamen Motto werden. Auch für künftige Bündnisse wäre der Kurs für beide klar. "Perspektivisch natürlich Rot-Rot-Grün, das hab ich seit langer Zeit gesagt", sagt Schwan. "Das ist eine Perspektive, auch für die Bundesebene, auf Sicht jedenfalls, wenn alle drei Parteien an sich arbeiten. Das müssten sie sicher aber auch alle noch tun", meint Stegner dazu.

Gegensätze ergänzen sich - oder?

Ein Linksbündnis ist ihr gemeinsames Ziel. In vielem anderen aber sind Schwan und Stegner Gegensätze. Oder: Sie ergänzen sich gut - wie man es nimmt. Sie, die stets zugewandte Intellektuelle aus Berlin, er der knorrige Linke vom platten Land in Schleswig-Holstein. In rhetorischen Schlachten kämpft sie gern mit dem Florett, er nimmt gern mal die Bratpfanne - was sicher auch daran liegt, dass sie an der Uni Karriere gemacht hat, er in der Partei.

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Kandidaten für den SPD-Vorsitz

Der Innenminister von Niedersachsen, Boris Pistorius, von der SPD.

Bisher gibt es fünf Bewerber-Paare und zwei Einzelkandidaten für die Nachfolge der zurückgetretenen SPD-Chefin Andrea Nahles. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und seine Mitbewerberin Petra Köpping sind die neusten Gesichter im Bewerberfeld. Der 59-Jährige hat sich vor allem mit seinen Positionen im Bereich der Sicherheitspolitik auf Bundesebene einen Namen gemacht. | Bildquelle: dpa

Da leitet Schwan bisher nur die Grundwertekommission. Er dagegen war in der SPD schon fast alles, kennt den Laden in- und auswendig, seit fünf Jahren ist er Vize-Parteichef. Das könnte dem Duo beim Kampf um Stimmen helfen. Es könnte aber auch schaden.

Gemischte Reaktion aus der Linkspartei

Jan Korte | Bildquelle: AFP
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Der Linkspartei-Abgeordnete Korte sieht die Bewerbung mit gemischten Gefühlen.

Jan Korte, der Parlamentarische Geschäftsführer der Linkspartei, formuliert seine Bedenken: "Zumindest bei Stegner weiß man ja, dass er immer links geblinkt hat, aber im Zweifel diese Politik in der Großen Koalition, den Niedergang der SPD, aktiv mit zu verantworten hat."

Von Gesine Schwan scheint Korte dagegen viel zu halten. Sie stehe für einen Kurswechsel, sagt er. Eine 76-Jährige als Hoffnungsträgerin für Veränderung - es wäre eine überraschende Pointe.

SPD-Vorsitz: Schwan und Stegner - linkes Ziel, verschiedener Stil
Marcel Heberlein, ARD Berlin
14.08.2019 17:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. August 2019 um 17:05 Uhr.

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