Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken wollen die SPD führen. | Bildquelle: dpa

SPD-Kanzlerkandidat "Nicht zwingend aus erster Reihe"

Stand: 09.02.2020 09:14 Uhr

Bislang waren Kanzlerkandidaten Schwergewichte der jeweiligen Parteien. Doch die SPD denkt darüber nach, das nächste Mal einen Politiker aus der zweiten Reihe ins Rennen zu schicken.

Die SPD-Vorsitzenden können sich Kanzlerkandidaten aus ihrer Partei vorstellen, die keine Führungspositionen innehaben. "Die SPD hat viele Talente. Das können auch Landtagsabgeordnete oder Oberbürgermeister sein. Wir müssen nicht zwingend auf Personen im Kabinett oder an der Spitze der Partei fixiert sein", sagte SPD-Chef Norbert Walter-Borjans der "Bild am Sonntag".

Unter den 420.000 Mitgliedern gebe es viele mit Potenzial, betonte auch Co-Parteichefin Saskia Esken. "Es muss nicht automatisch jemand sein, der schon drei Mal Minister oder Ministerin war", sagte Esken vor Beratungen des SPD-Bundesvorstandes in Berlin.

SPD setzt auf eigenen Kandidaten

Trotz schlechter Umfragewerte wollen die SPD-Chefs grundsätzlich daran festhalten, einen Kanzlerkandidaten aufzustellen. "Ich glaube fest daran, dass wir mit klaren Zielen und einer klaren Haltung so viel zulegen können, um dann mit einer dazu passenden Kanzlerkandidatin bzw. -kandidaten erfolgversprechend antreten zu können", erklärte Walter-Borjans. Noch vor drei Monaten hatte er der SPD davon abgeraten, mit einem eigenen Kanzlerkandidaten in den nächsten Bundestagswahlkampf zu ziehen.

Dass er oder Esken selbst diese Position einnehmen könnten, schließen beide jetzt nicht aus. "Grundsätzlich muss man, wenn man als Parteivorsitzende oder Parteivorsitzender kandidiert, sich auch die Kanzlerkandidatur zutrauen und damit rechnen, es dann auch werden zu können", betonte Esken.

Fehler eingestanden

Walter-Borjans räumte zugleich Fehler in seiner bisherigen Amtszeit als Parteichef ein. "Es gab anfangs im Eifer des Gefechts zu viele Botschaften und Ansagen. Das kann die Leute verunsichert haben", sagte er der Zeitung. Er wolle aber auch "künftig Denkanstöße geben".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Februar 2020 um 09:00 Uhr.

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