Eine Gesundheitsamt-Mitarbeiterin mit einem Teststäbchen für einen Corona-Test. | Bildquelle: dpa

Corona-Krise SPD lehnt Immunitätsausweis weiter ab

Stand: 25.06.2020 14:58 Uhr

Die SPD ist weiter gegen einen Immunitätsausweis im Sinne eines Passierscheins. Das stellte SPD-Fraktionsvize Bas klar. Zuvor hatten mehrere Agenturen gemeldet, dass sie Zustimmung signalisiere. Doch ihr Statement sei falsch wiedergegeben worden.

Die SPD lehnt die Einführung eines Corona-Immunitätsausweises im Sinne eines Passierscheins weiter ab. "Wir wissen nicht, ob und wie lange jemand immun ist, bei dem Antikörper nachgewiesen werden können. Wir wissen auch nicht sicher, ob man trotz Antikörpern infektiös sein kann", betonte die SPD-Gesundheitspolitikerin Bärbel Bas. Eine Immunität sei nach wie vor nicht nachweisbar, sie könne und dürfe daher auch nicht dokumentiert werden. "Alles andere wäre leichtsinnig."

Zuvor hatten mehrere Nachrichtenagenturen einen Artikel der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zitiert, wonach auf das Virus getestete Menschen Bas zufolge einen Anspruch auf einen solchen Nachweis hätten. Ihr ursprüngliches Statement sei verfälscht worden, sagte Bas auf Twitter.

Esken: Ausweis "völlig undenkbar"

Fakt sei, dass jeder sich schon jetzt ärztliche Untersuchungsergebnisse aushändigen lassen könne, stellte Bas in einer Mitteilung klar. "Eine Dokumentation von ärztlichen Ergebnissen ist üblich." Aus einer Dokumentation der Immunität dürfe aber keine Stigmatisierung entstehen: "Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Menschen mit und ohne Immunität darf es nicht geben. Es wird aufgrund des Antikörperstatus keinen Unterschied in den Freiheits- und Persönlichkeitsrechten geben."

Ein Immunitätsausweis sei "völlig undenkbar", solange eine Immunität wissenschaftlich nicht gesichert sei und auch nicht anders als durch gezielte Ansteckung erlangt werden könne, schrieb auch Parteichefin Saskia Esken bei Twitter.

Stellungnahme des Ethikrats erwartet

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollte den Ausweis einführen, hatte entsprechende Gesetzespläne nach Kritik aber wieder zurückgestellt, um das Thema ausführlicher zu debattieren. Er bat den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme.

Das Gremium berät an diesem Donnerstag erstmals über das Thema, wie eine Sprecherin der "NOZ" sagte. Mit einer Stellungnahme zum Immunitätsausweis sei aber am selben Tag noch nicht zu rechnen.

Immunität noch nicht nachweisbar

Studien zeigen, dass Menschen nach einer überstandenen Sars-CoV-2-Infektion spezifische Antikörper gegen das Virus entwickeln. "Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, wie regelhaft, robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird", heißt es dazu auf der Webseite des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) riet deshalb von der Einführung solcher Nachweise ab.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Meldung zu diesem Thema hieß es, dass die SPD nun offenbar doch Zustimmung für einen Immunitätsausweis signalisiere. Mehrere Agenturen hatten dies übereinstimmend berichtet und den Artikel der "NOZ" zitiert. Bärbel Bas stellte später klar, dass ihr ursprüngliches Zitat falsch wiedergegeben wurde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juni 2020 um 07:00 Uhr sowie Deutschlandfunk 13:00 Uhr.

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