RKI-Chef Lother Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nehmen Ende April 2021 für die PK zur Corona-Lage Platz. | AFP

Spahn und Wieler zur Corona-Lage "Hoffnung, aber keine Entwarnung"

Stand: 29.04.2021 14:43 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist mit 154,9 so niedrig wie seit rund zwei Wochen nicht mehr. Der steile Anstieg habe gebremst werden können, so Minister Spahn und RKI-Chef Wieler. Dennoch: Die Zahlen müssten weiter runter.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat trotz erster Anzeichen einer Stabilisierung der Corona-Infektionszahlen zu weiter nötigen Eindämmungsmaßnahmen aufgerufen. "Es gibt Hoffnung, aber es gibt noch keine Entwarnung", sagte der CDU-Politiker auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Chef des Robert Koch-Instituts in Berlin, Lothar Wieler. Es sei aber noch unklar, ob dies nur eine Momentaufnahme oder ein Trend sei, sagt Spahn in Berlin.

Der steile Anstieg der Infektionszahlen habe vorerst gebremst werden können. Dies reiche aber nicht, sie seien insgesamt noch zu hoch. "Die Zahlen müssen nicht nur stagnieren, sie müssen weiter runter." "Wir dürfen die letzten Schritte nicht verstolpern", so Spahn.

Wieler spricht von "guter Entwicklung"

RKI-Chef Wieler betonte: "Die Pandemie ist leider noch nicht vorbei." Innerhalb einer Woche seien die Fallzahlen weltweit um 24 Prozent gestiegen. Die Pandemie werde erst dann unter Kontrolle sein, wenn dies in allen Teilen der Welt der Fall sei.

In Bezug auf die Corona-Lage in Deutschland sagte Wieler: "Die Fallzahlen steigen nicht mehr so rasant an." Es sei gelungen, die dritte Welle abzubremsen. "Noch mehr Menschen haben sich an die Maßnahmen gehalten. Wir sehen, dass das wirkt, das ist eine gute Entwicklung", so Wieler. Für eine Entwarnung sei es noch zu früh. "Wir müssen alles dafür tun, die Fallzahlen zu senken." Wieler sagte weiter: "Lassen Sie uns weiter solidarisch miteinander sein, um die dritte Welle zu brechen - so können wir verhindern, dass sich Ungeimpfte auf den letzten Metern noch infizieren."

Fast 25.000 neue Fälle - Inzidenz sinkt weiter

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem RKI binnen eines Tages 24.736 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 264 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 29.518 Neuinfektionen und 259 neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Morgen bundesweit bei 154,9 - das ist so so wenig wie seit rund zwei Wochen nicht mehr.

Intensivpfleger: "Das macht was mit einem"

Spahn machte darauf aufmerksam, dass die Intensivstationen in Kliniken in zu vielen Regionen weiter zu voll seien, teilweise müssten Corona-Patienten verlegt werden. Der Berliner Intensivkrankenpfleger Ricardo Lange berichtete auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Spahn und Wieler von der dramatischen Lage auf den Intensivstationen. Die Pfleger, aber auch das Reinigungspersonal seien seit einem Jahr an der Belastungsgrenze, viele hätten den Beruf bereits aufgegeben.

Als Intensivkrankenpfleger sei das Sterben stets präsent, aber "in normalen Zeiten sterben die Patienten anders“, sagte er auf der Pressekonferenz mit Wieler und Spahn. Sie stürben im Beisein der Familie. All dies sei in der Pandemie nicht möglich. "Stellen Sie sich vor, Sie müssen Abschied nehmen mit Mundschutz und Maske." Corona-Verstorbene müssten wegen des Infektionsschutzes in schwarze Plastiksäcke mit Reißverschluss gehüllt werden. "Das macht etwas mit einem", sagte Lange.

Spahn: Neuer Tagesrekord bei täglichen Impfungen

Zum Thema Impfungen in Deutschland betonte Spahn, dass diese weiter vorankämen. So gab es laut dem Minister am Mittwoch bundesweit 1,1 Millionen Impfungen - ein neuer Rekord. "Zum ersten Mal haben wir über ein Prozent der Bevölkerung an einem Tag geimpft."

Damit seien mehr als 25 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft worden. Das RKI gab als genauen Wert für die Impfquote 25,9 Prozent an. Die Zahl der mit in der Regel zwei Impfungen vollständig Geimpften lag bei 7,5 Prozent. Die Gesamtzahl der insgesamt verabreichten Impfdosen stieg auf 27,8 Millionen. "Das zeigt, wie sehr wir an Geschwindigkeit gewonnen haben", sagte der Gesundheitsminister. 

Dies schaffe die Voraussetzung dafür, dass wieder mehr Alltag möglich werden kann. Das voraussichtliche Ende der festgelegten Impfreihenfolge spätestens im Juni sei nicht mehr weit weg. Zuvor sei sie aber noch wichtig, um im Mai die dritte und letzte Prioritätsgruppe mit über 60-Jährigen und Berufsgruppen impfen zu können, die nicht ins Homeoffice könnten.

RKI-Chef Wieler machte aber auch darauf aufmerksam: "Es sind noch sehr, sehr viele, die noch geimpft werden müssen". Das gelte auch in den höheren Altersklassen.

Mit Blick auf vorgesehene Erleichterungen für vollständig Geimpfte bei Alltagsbeschränkungen sprach Spahn von schwierigen Abwägungen. Für ein rasches Vorgehen wolle die Bundesregierung Bundestag und Bundesrat frühzeitig in Abstimmungen über eine geplante Verordnung einbeziehen. Der "späteste" Termin für eine abschließende Entscheidung des Bundesrats sei der 28. Mai.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. April 2021 um 12:00 Uhr.