Lothar Wieler und Jens Spahn | AFP

Spahn zur Corona-Lage "Das reicht so alles nicht mehr"

Stand: 12.11.2021 17:45 Uhr

Gesundheitsminister Spahn hat die Corona-Lage als "ernst" bezeichnet. Die bisherigen Maßnahmen genügten nicht mehr. Nötig seien eine Testpflicht in Heimen und Verschärfungen für Veranstaltungen. Ab morgen gibt es wieder kostenlose Tests für alle.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dringt wegen der immer schnelleren Corona-Ausbreitung auf ein rasches Gegensteuern. "Wir müssen alles tun, um diese Dynamik zu brechen", sagte der CDU-Politiker. "Sonst wird es für das ganze Land ein bitterer Dezember."

Spahn appellierte an die Bürger, die angebotenen Impf- und Testmöglichkeiten zu nutzen, um die Pandemie einzudämmen. "Allerdings - und das sage ich mit der Erfahrung aus drei Corona-Wellen - das ist alles richtig und wichtig, aber das reicht so alles nicht - jedenfalls nicht mehr", sagte Spahn.

Es brauche dringend eine Testpflicht für Personal und Besucher in Pflegeheimen. Das sei laut Spahn wichtiger als eine Impfpflicht in diesem Bereich, weil auch Geimpfte und Genesene das Virus in die Heime tragen könnten.

Ab morgen wieder kostenlose Tests

Von diesem Samstag an sind wieder kostenlose Corona-Schnelltests für alle möglich. Das legt eine Verordnung des Bundesgesundheitsministers fest, die heute verkündet wurde. Damit wird das vor rund einem Monat stark eingeschränkte Angebot der "Bürgertests" wieder auf breiter Front eingeführt.

Mindestens einmal pro Woche haben nun alle Anspruch auf einen Schnelltest durch geschultes Personal - auch unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus. Bescheinigungen können auch als Nachweis bei Zugangsregeln dienen.

Angesichts stark steigender Infektionszahlen können bestehende Teststellen die Arbeit fortsetzen. Die Länder können zudem weitere Testzentren beauftragen, wie das Ministerium erklärte.

Verschärfte Auflagen für Veranstaltungen

Zudem forderte Spahn verschärfte Auflagen bei Veranstaltungen. "3G war eine gute Idee, aber es blieb zu oft Theorie, es bliebt zu oft 0G, weil es oft nicht kontrolliert worden ist und damit auch keinen wirklichen Effekt erzielen konnte", sagte Spahn. Das könne man sich in dieser Lage nicht mehr erlauben.

Konkret sprach sich Spahn dafür aus, für öffentliche Veranstaltungen das Prinzip "2G plus" einzuführen - also Zugang nur für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich aber noch einen aktuellen Test vorweisen müssen. "Das ist ein schwerer Schritt, das ist mir bewusst. Aber ich bin davon überzeugt, dass das ein Schritt ist, den wir gehen müssen", so Spahn.

Die 3G-Regelung wird laut Spahn nicht mehr reichen. "Wenn wir die Pandemie brechen wollen, müssen wir entschlossener handeln." Dazu gehöre das Testen, auch für Geimpfte und Genesene die auch ein Teil der Infektionsentwicklung seien, sagte Spahn.

Impfungen ziehen weiter an

Spahn kündigte zusätzliche Anreize an, um das Tempo der Impfungen zu beschleunigen. Mit einer geplanten Verordnung sollen Ärzte statt der bisherigen 20 Euro ab Dienstag 28 Euro als Vergütung erhalten, zudem soll es einen Wochenendzuschlag von acht Euro geben.

Der Minister verwies zudem darauf, dass Impfungen wieder anziehen. In dieser Woche seien mehr als 4,3 Millionen Dosen bestellt worden, was eine Vervierfachung verglichen mit den vergangenen Wochen sei. Neben den Praxen gebe es wieder mehr als 170 Impfstellen und rund 600 mobile Teams.

RKI-Chef: "Es ist fünf nach zwölf"

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler warnte die Bürger vor der sich verschlechternden Lage. "Es ist fünf nach zwölf", sagte Wieler. In etlichen Landkreisen gebe es so viele Neuinfektionen, dass die Kliniken und besonders die Intensivstationen an der Kapazitätsgrenze seien. Dies werde ohne zusätzliche Maßnahmen überall in Deutschland eintreten.

"Reduzieren Sie Ihre Kontakte", forderte der RKI-Chef. Auch an Orten mit 2G-Beschränkung solle man Maske tragen. Zudem reiche 2G in besonders belasteten Regionen nicht mehr aus. Wieler rief dazu auf, die Personenzahl bei Großveranstaltungen zu reduzieren oder ein Verbot zu erwägen.

"Die vierte Welle trifft uns jetzt mit voller Wucht" so Wieler. Er erläuterte, dass zum Beispiel von den mehr als 50.000 neu infizierten Menschen, die am Vortag gemeldet worden waren, im Laufe der Zeit etwa 3000 im Krankenhaus behandelt werden müssten und 200 sterben würden. "Das ist die Bilanz von einem Tag mit 50.000 Fällen." Absehbar sei dabei, dass die Ansteckungszahlen weiter ansteigen.

Spahn: Bund-Länder-Gespräche überfällig

Minister Spahn betonte, die für kommenden Donnerstag vorgesehene Corona-Runde der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel  mit den Ministerpräsidenten sei wichtig, um zu gemeinsamem Handeln zu kommen. Aus seiner Sicht hätte es eine solche Bund-Länder-Abstimmung schon vor drei Wochen gebraucht.

Über dieses Thema berichteten am 12. November 2021 tagesschau24 ab 10:30 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.