Jens Spahn | dpa

Spahn warnt vor Leichtsinn "Genießen, aber vorsichtig bleiben"

Stand: 21.05.2021 11:48 Uhr

Die Impfquote steigt, die Infektionszahlen sinken. Um das Erreichte nicht zu gefährden, sollten alle auch über Pfingsten weiter achtsam sein, appellierte Minister Spahn. Außerdem bat er um Geduld beim Warten auf Impftermine.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat zu Pragmatismus und Geduld aufgerufen. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und durch den fortschreitenden Stand der Impfungen sei bereits sehr viel erreicht worden, sagte Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Vor allem angesichts der bevorstehenden Pfingstfeiertage appellierte er zugleich an alle Bürgerinnen und Bürger, weiterhin vorsichtig zu sein und die Schutzmaßnahmen zu beachten. Die Pandemie sei nicht vorbei und das Erreichte dürfe nicht gefährdet werden. "Genießen wir gemeinsam die Feiertage, aber bleiben wir dabei vorsichtig", sagte Spahn. Es gelte, sich vor allem draußen zu treffen und sich regelmäßig testen zu lassen.

"Wenn Sie sauer sein wollen, seien Sie sauer auf mich"

Spahn bat um Verständnis, dass noch nicht alle sofort geimpft werden können. Die Arztpraxen seien momentan überlastet und sollten bitte nicht mit Anfragen überrannt werden. Hausärzte hatten beklagt, dass Patienten teilweise aggressiv nach Impfterminen verlangten. "Wenn Sie unbedingt sauer sein wollen, seien Sie sauer auf mich", sagte Spahn. Die Praxen gäben ihr Bestes, um schnellstmöglich Termine zu vereinbaren.

"Wir haben es bis hierhin geschafft, das schaffen wir nun beim Impfen auch." Voraussichtlich noch im September könne jedem ein Impfangebot gemacht werden."Es geht jetzt um Wochen, nicht um Monate", betonte er.

Große Fortschritte bei Impfquote

Spahn zog eine positive Bilanz des bisherigen Impffortschritts. Bis Ostern hätten zwölf Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine erste Impfung erhalten, am bevorstehenden Pfingstwochenende würden es 40 Prozent sein, im Juli voraussichtlich mehr als 50 Prozent.

Wenn man von einer Impfbereitschaft von 70 Prozent der Bevölkerung ausgehe und berücksichtige, dass bislang nur über 16-Jährige geimpft werden können, hätten bereits etwa zwei Drittel aller "Impfwilligen und Impfbaren" eine erste Impfung bekommen.

Wieler für Lockerungen mit Augenmaß

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sagte, das Coronavirus sei erst unter Kontrolle zu bringen, wenn 80 Prozent der Bevölkerung geimpft beziehungsweise genesen und geimpft seien. Die Inzidenzen seien überall und in allen Altersgruppen rückläufig - die Pandemie sei aber noch nicht bezwungen.

Ebenso wie Spahn mahnte Wieler, weiter vorsichtig mit Lockerungsschritten zu sein. Beide kritisierten Überlegungen in Niedersachsen, die Maskenpflicht im Einzelhandel bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 aufzuheben. Dieser "Basisschutz" müsse bei Lockerungen beibehalten werden, sagte Wieler.

Spahn sagte, über konkrete Regelungen müssten die Zuständigen vor Ort entscheiden. Es gebe aber Situationen im Einzelhandel, wo sich Menschentrauben bilden könnten. Ohne Masken sei das ein Risiko, das man vermeiden könne, "ohne dass es eine wirkliche Belastung fürs Leben ist".

Ärzte und Apotheken bei Impfnachweis einbeziehen

Bei der Nach-Digitalisierung von Impfdaten von Patienten will der Gesundheitsminister Ärzte und Apotheken trotz der Kritik von Verbandsvertretern einbeziehen. Dabei geht es um die digitale Erfassung der Corona-Impfungen in einem Impf-Nachweis. Ärzte und Apotheken sollten dafür vergütet werden, sagt der CDU-Politiker.

Spahn geht davon aus, dass das digitale Impfzertifikat in Deutschland in den nächsten Wochen startbereit ist. Am Donnerstagabend hatten sich Unterhändler der EU-Mitgliedsstaaten und des EU-Parlaments auf die Ausgestaltung der Bescheinigung geeinigt, mit der dann einfacher eine Covid-19-Impfung nachgewiesen werden kann.

Sobald der digitale Impfpass eingeführt werde, könne ihn jeder bei der Impfung beim Hausarzt oder im Impfzentrum ausgestellt bekommen. Diejenigen, die bereits jetzt vollständig geimpft sind, müssten sich das Zertifikat dann nachträglich besorgen. Spahn zufolge soll das in Impfzentren, beim Hausarzt und auch in Apotheken möglich sein, weil sie an das dafür erforderliche IT-System angebunden sind.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Mai 2021 um 11:25 Uhr.

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KOMMENTARE

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falsa demonstratio 21.05.2021 • 14:59 Uhr

Am 21. Mai 2021 um 12:42 von

Am 21. Mai 2021 um 12:42 von ich1961: Zitat: So wie Sie sich gegenüber anderen Usern verhalten ist das schon sehr zynisch Zynismus in dem Bezugspost kann ich beim besten Willen nicht erkennen.