Ein Schild mit der Aufschrift "Corona Test"

Testpflicht für alle Reiserückkehrer Spahn plant offenbar schärfere Einreiseregeln

Stand: 27.07.2021 10:39 Uhr

Künftig könnten alle Reiserückkehrer verpflichtet sein, einen negativen Coronatest vorzulegen - egal aus welchem Gebiet sie kommen. Das zumindest sieht ein Plan von Gesundheitsminister Spahn laut eines Berichtes vor.

Das Bundesgesundheitsministerium plant offenbar eine deutliche Ausweitung der Testpflicht für Reiserückkehrer. Wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten, will Gesundheitsminister Jens Spahn Reisende künftig verpflichten, bei ihrer Rückkehr nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorzulegen - egal, aus welchen Gebieten und mit welchen Verkehrsmitteln sie nach Deutschland kommen.

Bisher gilt die Testpflicht für Flugpassagiere und Einreisende aus Hochrisikogebieten, die nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind. Die Abstimmung in der Regierung zu der Verschärfung der Corona-Reiseauflagen laufe, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Dem Bericht zufolge sträubt sich im Kabinett bisher vor allem Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) gegen die Pläne des CDU-Politikers. Sie hält die umfassende Testpflicht demnach für unverhältnismäßig.

Virologe begrüßt Ausweitung der Testpflicht

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hingegen begrüßte die Ausweitung der Testpflicht. "Wir sehen tatsächlich schon, dass Reiserückkehrer gehäuft dazu beitragen, Infektionen nach Deutschland zu bringen", sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Das sei sicher auch darin begründet, dass bei Geimpften und Genesenen auf die Tests verzichtet werde, auch wenn sie aus Hochrisikogebieten kämen. Ein solches Vorgehen nannte er "fahrlässig", weil bereits bekannt sei, dass sich auch Geimpfte mit der Delta-Variante anstecken könnten. Eine Impfpflicht lehnte der Stürmer dagegen ab. Er plädierte dafür, "die Menschen zu überzeugen, dass es wichtig ist, sich impfen zu lassen". 

Immer mehr infizieren sich im Ausland

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) spielen Reiserückkehrer bei der Entwicklung des Infektionsgeschehens zunehmend eine Rolle. Laut dem aktuellen wöchentlichen Lagebericht des RKI nahm die Zahl der im Ausland infizierten Personen in den Wochen vom 21. Juni bis zum 18. Juli deutlich zu.

Demnach wurde bei 2402 Personen - etwa zehn Prozent aller übermittelten Fälle - eine wahrscheinliche Exposition im Ausland gemeldet. "Dies zeigt eine zunehmende Rolle reiseassoziierter Fälle am derzeitigen Infektionsgeschehen", heißt es in dem RKI-Bericht. Für die Meldewoche vom 31. Mai bis zum 6. Juni hatte das RKI den Anteil der Fälle aus dem Ausland an allen gemeldeten Neuinfektionen noch mit einem Prozent angegeben.

Spanien seit heute Hochinzidenzgebiet

Insgesamt seien in der aktuellen Meldewoche 23.649 Fälle übermittelt worden, davon 11.662 aus Deutschland. Bei 9949 Fällen liegen demnach keine Angaben zum wahrscheinlichen Infektionsland vor. Nach Deutschland folgt unter den Herkunftsländern der Neuinfektionen laut RKI mit 821 Fällen Spanien.

Das Reiseland ist seit heute als Hochinzidenzgebiet eingestuft - einschließlich der bei deutschen beliebten Urlaubsziele wie Mallorca, den Kanaren oder der Costa Brava. Reiserückkehrer müssen einen Nachweis über eine vollständige Impfung oder über eine überstandene Corona-Erkrankung erbingen, um einer zehntägigen Quarantäne zu entgehen.

Erst nach fünf Tagen besteht andernfalls die Möglichkeit, sich aus der Quarantäne freizutesten. Nach Angaben des Reiseveranstalters TUI gab es zunächst kaum Anzeichen, dass eine größere Zahl von Menschen ihren Mallorca-Urlaub vorzeitig abbrechen oder bereits gebuchte Aufenthalte stornieren wollte.

Müller will Treffen der Länderchefs

Um die Regelungen für Reiserückkehrer zügig zu klären, hat sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller für ein Treffen der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel innerhalb der nächsten zwei Wochen ausgesprochen. "Der Korridor, um der gegenwärtigen Entwicklung noch wirksam entgegenzuwirken, wird enger", warnte der SPD-Politiker "Deshalb müssen wir jetzt zügig handeln, dazu gehört auch ein baldiges Treffen meiner Amtskolleginnen und Amtskollegen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juli 2021 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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milano84 27.07.2021 • 11:26 Uhr

Verrannt

Sie haben erwähnt, dass in einigen Bundesländern die Ferien bereits zu enden gehen. Das stimmt. Und dennoch hat Deutschland immer noch eine lächerliche Inzidenz von 14. Ein Wert, von dem wir vor einigen Monaten noch träumen konnten. Und dennoch werden wir jetzt mitten in der Sommersaison schon wieder panisch? Und nun plant Spahn eine wohl wenig durchdachte Aktion, in dem er nun alle Urlaubsländer und alle Bürger, egal ob geimpft oder nicht geimpft über einen Kamm schert. Macht das Sinn? Kurzfristig vielleicht. Aber wenn man nun weiterdenkt, wird dadurch wohl die Impfkampagne weiter ins Stocken geraten, da Impfverweigerer nun erst recht keinen Sinn mehr darin sehen sich impfen zu lassen. Für den Bürger muss aber weiterhin klar ersichtlich sein, wohin die Reise geht, welche Langzeitstrategie wir haben. Diese war bis jetzt: möglichst viel impfen! Was wäre sonst der Weg aus der Pandemie? Das Virus wird nicht durch Tests ausgerottet oder weniger gefährlich.