Bundesgesundheitsminister Spahn bei einer Pressekonferenz. | dpa

Gesundheitsminister Spahn Britische Virus-Mutante bei mehr als 22 Prozent

Stand: 17.02.2021 13:13 Uhr

Die ansteckendere Virusmutation aus Großbritannien macht bei den Neuinfektionen in Deutschland inzwischen einen deutlich größeren Anteil aus als noch vor zwei Wochen. Das gab Gesundheitsminister Spahn bekannt.

Die in Großbritannien entdeckte, wohl deutlich ansteckendere Variante des Coronavirus breitet sich nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Deutschland schnell aus. Nach neuen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg der Anteil dieser Mutation an den untersuchten positiven Proben binnen zwei Wochen von knapp sechs Prozent auf mehr als 22 Prozent, so Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin. "Wir müssen damit rechnen, dass die Variante bald auch bei uns die dominierende werden könnte", betonte er. Der Anteil der britischen Variante verdoppele sich jede Woche.

Die Südafrika-Mutation habe in Deutschland ferner einen Anteil von 1,5 Prozent, teilte Spahn mit. Das RKI habe 23.000 positive Testergebnisse in einer repräsentativen Stichprobe und weitere Daten ausgewertet.

Mehr Informationen zur Mutation am Freitag

Spahn machte deutlich, dass dennoch die Infektionszahlen insgesamt weiter gesunken seien. Dies sei ermutigend und zeige, dass die Schutzmaßnahmen wirkten. Die stärkere Verbreitung der Varianten sieht Spahn auch als wichtig für die Debatte um Lockdown-Lockerungen an. An diesem Freitag würden RKI-Chef Lothar Wieler und er weitere Einschätzungen geben.

Er habe zwar nichts gegen Öffnungspläne, die sich etwa nach Inzidenzwerten der Virusausbreitung richteten, sagte Spahn. Doch entscheidend sei, dass sich alle der Wichtigkeit des Themas Mutationen bewusst seien. Alle zwei Wochen müsse überprüft werden, "wo wir stehen".  Eindringlich rief Spahn die Menschen in Deutschland zur Einhaltung der Regeln und zur Vorsicht auf. "Wir machen den Unterschied - jeden Tag."

Die britische Virusvariante gilt nach Schätzungen als um mindestens 35 Prozent ansteckender als die herkömmliche. Bei den Analysen werden nicht alle Corona-Tests auf Varianten untersucht. Experten hatte auf regionale Unterschiede und mögliche Lücken hingewiesen.

Zehn Millionen Impfdosen erwartet

Die positive Nachricht des Gesundheitsministers: Die Impfungen nähmen in Deutschland Fahrt auf. Es werde erwartet, dass Ende der kommenden Woche insgesamt zehn Millionen Impfdosen in Deutschland ausgeliefert seien. Gerade angesichts der sich schnell ausbreitenden Mutationen sei es umso wichtiger, dieses Impfangebot anzunehmen: "Wenn Sie warten, riskieren Sie eine ernsthafte Erkrankung", so der CDU-Politiker.

Skepsis gegenüber dem Impfstoff des Herstellers AstraZeneca hält Spahn für unangemessen. Die Nebenwirkungen seien im Bereich dessen, was erwartet worden sei. Der Impfstoff sei sicher: "Ich kann nur dafür werben, dass sämtliche Dosen verimpft werden."

Bund will Schnelltests finanzieren

Zu den geplanten Gratis-Schnelltests hat Finanzminister Olaf Scholz zugesagt, dass der Bund die Finanzierung übernimmt. "Also da gibt es meine volle Unterstützung, und wir werden das auch finanziell wuppen", sagte der SPD-Politiker bei einer Veranstaltung der bayerischen SPD. "Das, glaube ich, können wir uns jetzt auch noch leisten." Er habe Spahn seine Unterstützung bereits in der vergangenen Woche zugesichert.

Spahn hatte gestern angekündigt, ab dem 1. März sollten alle Bürger kostenlos von geschultem Personal auf das Coronavirus getestet werden können. Geplant sind demnach Gratis-Schnelltests in Testzentren, Praxen und Apotheken, mit denen innerhalb von etwa 15 Minuten ein Ergebnis ermittelt ist. Dabei handelt es sich um einen Nasen- oder Rachenabstrich. Die Antigen-Tests gelten jedoch als nicht so genau wie sonst genutzte PCR-Tests. Laut Robert Koch-Institut (RKI) muss ein positives Ergebnis daher per PCR-Test bestätigt werden.

Selbsttests werden geprüft

Eine weitere Option, die derzeit noch geprüft wird, sind die sogenannten Laien-Schnelltests. Diese Tests sind frei auf dem Markt käuflich und können ohne große Schulung auch von Privatpersonen durchgeführt werden. Einige Länder nutzen diese Testoption bereits. Sein Ressort stehe in Verhandlungen mit Herstellern, um über Rahmenverträge Mindestmengen für den deutschen Markt zu sichern, sagte Spahn. "Diese Testmöglichkeiten können zu einem sicheren Alltag beitragen" - gerade in Schulen und Kitas.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2021 um 11:30 Uhr.