Jens Spahn in der Bundespressekonferenz | AFP

Pressekonferenz zur Corona-Lage "Vielleicht Schritte rückwärtsgehen"

Stand: 19.03.2021 11:09 Uhr

In Deutschland hat die dritte Corona-Welle begonnen. Gesundheitsminister Spahn hält eine Rücknahme von Öffnungen für möglich. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sprach von einer "sehr prekären Situation".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält angesichts des steigenden Inzidenzwerts nach eigenen Angaben ein teilweises Zurück bei den Corona-Öffnungen für möglich. Deutschland stehe vor "ziemlich herausfordernden Wochen", sagte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Vizechef Lars Schaade und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Die steigenden Infektionszahlen könnten bedeuten, dass es keine weiteren Öffnungsschritte gebe und "sogar Schritte rückwärts" nötig würden.

Spahn sagte weiter, die dritte Corona-Welle könne nicht durch Impfungen gestoppt werden: "Zur ehrlichen Lageanalyse gehört: Es gibt in Europa noch nicht genügend Impfstoff, um die dritte Welle allein durch Impfen zu stoppen." Selbst wenn die Lieferungen aus EU-Bestellungen zuverlässig kämen, werde es noch Wochen dauern, bis die Risikogruppen vollständig geimpft sind, so der CDU-Politiker. Spahn zeigte sich aber offen dafür, dass Hausärztinnen und -ärzte schneller als wie von den Ländern vorgeschlagen Mitte April in die Impfkampagne einbezogen werden.

Heute beraten Bund und Länder über den Impffortschritt. Am kommenden Montag wollen die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die weiteren Schritte bei den Beschränkungen beraten.

Lauterbach: "Fulminante dritte Welle"

Lauterbach sagte, ein erneuter harter Lockdown sei unvermeidlich. Er plädierte für einen sofortigen harten Lockdown; ein späterer Zeitpunkt werde dazu führen, dass die Maßnahmen länger anhalten müssten und es mehr Todesopfer geben werde. "Aus epidemiologischer Sicht macht es keinen Sinn zu warten", sagte er.

Der Sozialdemokrat sagte weiter, Deutschland stehe am Beginn "einer fulminanten dritten Welle" und damit in einer "sehr prekären Situation". Angesichts der aktuellen Entwicklungen sei Mitte April ein Inzidenzwert von 200 und eine Überlastung der Intensivstationen zu erwarten.

Neben einem erneuten Lockdown seien Tests und Impfungen wichtige Gegenmittel. Es müsse so viele Erstimpfungen wie möglich geben, die bisherige Impfreihenfolge aber eingehalten werden. Auch Tests allein könnten das Wachstum nicht bremsen, zwei Tests pro Person und Woche in Betrieben und vor allem Schulen seien aber ein wichtiges Gegenmittel: "Diese Möglichkeit sollten wir nicht verschenken."

Auf Reisen verzichten

Auch RKI-Vize Schaade sagte, es sei angesichts des exponentiellen Wachstums der Neuinfektionszahlen "sehr gut möglich", dass es zu Ostern eine Lage wie zu Weihnachten geben werde. Diese Entwicklung lasse sich aber abfedern. Er rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Abstands- und Hygieneregeln konsequent einzuhalten, die Ostertage nur im engsten Kreis zu verbringen und auf Reisen ins In- und Ausland zu verzichten.

Lauterbach betonte ebenfalls, Reisen seien "dringend zu vermeiden". Sie erhöhten die Gefahr, dass verstärkt weitere Mutationen nach Deutschland eingeschleppt würden. Rückkehrende müssten getestet werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hatten sich hingegen dagegen dafür ausgesprochen, Bürgerinnen und Bürgern Reisen innerhalb der Bundesländer zu erlauben, in denen sie wohnen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. März 2021 um 10:00 Uhr.