Bundesgesundheitsmister Spahn | EPA

Äußerung zu Corona-Infektionen Kritik an Spahns Balkan-Aussage

Stand: 25.05.2021 19:00 Uhr

Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan hätten 2020 phasenweise jede zweite Neuinfektion ausgelöst, sagte Gesundheitsminister Spahn. Dafür erntet er nun scharfe Kritik von türkischer und albanischer Seite.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Kritik auf sich gezogen mit der Aussage, dass Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan zu einem Anstieg der Corona-Zahlen im vergangenen Sommer geführt hätten. Albaniens Ministerpräsident Edi Rama und die Türkische Gemeinde in Deutschland zeigten sich empört. "Es ist ein Skandal, dass ein deutscher Minister den Balkan öffentlich anprangert und damit auch Menschen mit Migrationshintergrund abwertet", sagte Ministerpräsident Rama der "Bild".

Ein deutscher Gesundheitsminister solle sich darum kümmern, die deutsche Bevölkerung zu impfen, und keine stereotypen Ressentiments gegen den Balkan hervorrufen, um "eine offensichtlich schlechte Bilanz" zu verteidigen, sagte Rama. "Ich werde nicht zulassen, dass Albanien als Risikobereich für Urlaubsreisen dargestellt wird, es gibt keine Zahlen, die dies belegen."

Türkische Gemeinde beklagt "Stigmatisierung"

Der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Serhat Ulusoy, sagte, Spahn stelle "ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht" und öffne "Stigmatisierungen Tür und Tor". Er wolle "Wahlkampf um jeden Preis und auf dem Rücken von Menschen" machen. "Die zweite Welle ist hausgemacht und gutes Corona-Management sieht anders aus."

Spahn hatte der "Bild am Sonntag" gesagt, dass "Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst" hätten. Das müsse in diesem Jahr verhindert werden. Er wolle daher frühzeitig Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise schließen, so Spahn. "Eine Testpflicht müsste wie im letzten Jahr von den Bundesländern an der Grenze kontrolliert werden.“

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2021 um 16:00 Uhr.