Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (Archivbild). | Bildquelle: REUTERS

Lange Wartezeiten Spahn fordert Reform bei Psychotherapie

Stand: 12.04.2018 14:44 Uhr

Wer eine Psychotherapie braucht, muss sehr lange auf Termine warten - das trifft vor allem gesetzlich Versicherte. Gesundheitsminister Spahn fordert nun: Die Bedarfsplanung muss zügig reformiert werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) drängt auf rasche Reformen bei der Psychotherapie-Bedarfsplanung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sei damit beauftragt, eine bedarfsgerechte Versorgung im Sinne der betroffenen Patienten zu schaffen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Ich erwarte, dass der G-BA hier jetzt zügig vorankommt."

Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das oberste Beschlussgremium der Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen. Er legt in Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung fest und bestimmt damit, welche Behandlungen von den Kassen übernommen werden.

Lange Wartezeit können Krankheitsbild verstärken

Zuletzt wurde im Jahr 1999 eine Bedarfsplanung für Psychotherapien getroffen - eine überarbeitete Version hatte der Gesetzgeber bis Anfang 2017 in Auftrag gegeben, dennoch liegt sie noch immer nicht vor - zum Leidwesen vieler Betroffener.

Im Durchschnitt müssen Betroffene 20 Wochen auf den Beginn ihrer Psychotherapie warten, ergab eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer, über die der NDR berichtet hatte. Dietrich Munz, der Präsident der Kammer, bezeichnete die lange Wartezeit als unzumutbar: Sie könne dazu führen, dass die Krankheit der Patienten stärker oder sogar chronisch werde.

"Erster Schritt": Rasche Terminvergabe bei Servicestellen

Die reformierte Bedarfsplanung soll ab 2019 gelten. Spahn forderte, dass sie den Bedarf besser abbilden und eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung gewährleisten solle. Die bisherige Planung geht davon aus, dass in ländlichen Regionen weniger Psychotherapeuten gebraucht würden als in Städten.

Als "ersten Schritt" bezeichnete Spahn, dass seit der Strukturreform der psychotherapeutischen Versorgung vor einem Jahr Servicestellen in Krisenfällen binnen vier Wochen Therapeutentermine vermitteln sollen. "Wenn es da bei den Terminvergaben und den Wartezeiten - auch in der Psychotherapie - hakt, müssen wir das rasch ändern", sagte Spahn. Bis allerdings für die Betroffenen eine reguläre Therapie anläuft, vergehen noch immer mehrere Monate.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. April 2018 um 01:00 Uhr.

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