Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht mit dem Ministerpräsident des Kosovo, Ramush Haradinaj. | Bildquelle: dpa

Pflegemangel Spahn wirbt um Pfleger aus dem Kosovo

Stand: 15.07.2019 22:07 Uhr

Der Personalmangel in der Pflege verschärft sich Jahr für Jahr. Deshalb wirbt Gesundheitsminister Spahn im Kosovo nun um Fachkräfte. Die Resonanz in Deutschland ist jedoch nicht nur positiv.

Von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio

Qazim Halimi beugt sich über eine Puppe in einem Krankenbett. In der Ellenbeuge legt er eine Infusion an. Eigentlich muss Halimi das gar nicht mehr üben. Vor zwei Tagen hat er seinen Abschluss gemacht - an einer deutschen Pflegeschule in Pristina. Jetzt möchte der 21-Jährige schnell nach Deutschland, um in der Pflege zu arbeiten. "Wo es nötig ist, mich stört gar nichts. Also im Altenpflegebereich oder als Krankenpfleger in einem Krankenhaus, das ist beides gut", sagt Halimi.

Pflegekräfte im Kosovo - der frisch ausgebildete Qazim Halimi | Bildquelle: BR
galerie

Krankenpfleger Qazim Halimi aus Pristina will in Deutschland arbeiten "wo es nötig ist, also mich stört gar nichts".

Komplizierte Anerkennungsverfahren

Eine Stelle im Kosovo zu finden, sei schwierig, sagt Halimi. Deshalb verspricht er sich als diplomierte Pflegefachkraft viel vom Besuch des deutschen Gesundheitsministers Jens Spahn. Der Minister soll helfen, die Anerkennungsverfahren zu vereinfachen. In jedem Bundesland sind sie anders geregelt.

Adrian Heimerer von der deutschen Pflegeschule in Pristina sagt, die Verfahren seien sehr oft langwierig. "Wir haben mittlerweile Wartezeiten von bis zu zehn Monaten." Die Anerkennungsstellen seien offenbar sehr überlastet.

Es sind Probleme, die sich Spahn bei seinem Besuch in Pristina geduldig anhört. Denn der Minister will um Arbeitskräfte werben, um dem drastischen Personalmangel in der Pflege in Deutschland zu begegnen.

Gesundheitsminister Spahn wirbt im Kosovo um Pflegekräfte
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.07.2019, Hanni Hüsch, zzt. ARD Pristina

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

In Deutschland 19 Bewerber für 100 Stellen

Eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur Situation im Pflegebereich von Mai zeigt, dass sich die Situation in der Altenpflege verschärft. Demnach kommen auf 100 offene Stellen für Fachkräfte in der Altenpflege nur 19 potenzielle Bewerber.

Zum Vergleich: Vor fünf Jahren kamen auf 100 gemeldete Stellen noch 38 arbeitslose Fachkräfte. Inzwischen dauert es laut der Statistik 183 Tage, bis Heimbetreiber eine frei gewordene Pflegestelle neu besetzt haben. Das sind zwölf Tage länger als noch im Jahr 2017. Und das "Sofortprogramm Pflege" der Bundesregierung, das 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege vorsieht, läuft nur schleppend an.

Pflegekräfte im Kosovo: Pflegeschülerinnen üben an einer Puppe | Bildquelle: BR
galerie

Übung mit Puppe: "Wir können jede Pflegekraft, die mit anpacken will, gut gebrauchen", so Gesundheitsminister Spahn.

Spahn will Verfahren vereinfachen

Spahn läuft von Krankenbett zu Krankenbett und schaut zu, wie Halimi und andere Pflegeschüler die Übungen an den Trainingspuppen demonstrieren. Dann verspricht er, sich um eine leichtere Anerkennung ihrer Abschlüsse zu bemühen. Er wolle erreichen, "dass die jungen Menschen, die mit viel Mut in ein neues Land gehen" und "mit viel Einsatz sehr lernwillig sind" keine Steine in den Weg gelegt bekommen. "Denn wir können jede Pflegekraft, die mit anpacken will, gut gebrauchen", so der Minister.

 Zustimmung und Kritik

In Deutschland sind die Reaktionen auf Spahns Engagement jedoch unterschiedlich. Bernd Meurer vom Arbeitgeberverband der privaten Anbieter sozialer Dienste begrüßt die Reise in den Kosovo. Es sei "mehr als dringend", dass der Bundesgesundheitsminister ausländische Pflegekräfte nach Deutschland bringe. Angehörige von Pflegebedürftigen müssten zum Teil bis zu 40 Pflegeheime anschreiben, um einen Pflegeplatz zu bekommen. 

Aus Sicht der Gewerkschaften müssen sich vor allem die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern - vor allem die Bezahlung in der Altenpflege. Sylvia Bühler von ver.di kritisiert: "Das laute Rufen vieler Arbeitgeber nach ausländischen Pflegekräften soll eindeutig davon ablenken, dass sie nicht wirklich gewillt sind, die Situation in ihren Betrieben zu verbessern."

Brigitte Döcker von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist wichtig, dass die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte "ethisch vertretbar" abläuft. Für die AWO heißt das zum Beispiel, auf keinen Fall aus Ländern anzuwerben, die selbst einen Fachkräftemangel haben.

Gesundheitsminister Spahn mit seinem kosovarischen Amtskollegen Uran Ismajli | Bildquelle: BR
galerie

Spahn mit seinem Kollegen Ismajli. Etwa 1000 kosovarische Pflegekräfte könnten nach Deutschland kommen, so der Gesundheitsminister.

Beide Seiten sollen profitieren

Deutschland hat sich verpflichtet, den sogenannten Globalen Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation zu beachten. Der besagt, dass die Migration von Fachkräften sowohl den Gesundheitssystemen der Herkunfts-, als auch der Aufnahmeländer nutzen soll.

Spahn hat deshalb eine gemeinsame Erklärung mit dem kosovarischen Gesundheitsminister Uran Ismajli unterzeichnet. Die sieht vor, dass Deutschland beim Aufbau einer Krankenversicherung helfen soll. Und die Pflegeausbildung im Kosovo soll so angepasst werden, dass die Abschlüsse leichter in Deutschland anerkannt werden können. Spahn geht davon aus, dass pro Jahr etwa 1000 kosovarische Pflegekräfte nach Deutschland kommen könnten.

Gesundheitsminister des Kosovo beschwichtigt

Der kosovarische Gesundheitsminister wird auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem deutschen Kollegen gefragt, ob er es nicht bedauere und ob er nicht negative Folgen für das kosovarische Gesundheitssystem befürchte, wenn viele junge Menschen das Land verlassen, um in der Pflege in Deutschland zu arbeiten. Ismajli antwortet: "Sie müssen verstehen, es gibt qualifizierte junge Menschen, die das Land verlassen wollen. Aber es gibt auch solche, die sich vorstellen können, später wieder in die Republik Kosovo zurückzukehren."

Halimi will nun erst einmal nach Deutschland. Ein paar Monate wird er sich wohl noch gedulden müssen, bis er eine Rückmeldung von der Anerkennungsstelle bekommt. Ob er sich vorstellen kann, später wieder in den Kosovo zurückzukehren, wenn er es erst einmal nach Deutschland geschafft hat? "Ja", sagt Halimi. "Kann sein."

Spahn unterzeichnet im Kosovo "gemeinsame Erklärung"
Nadine Bader, ARD Berlin
15.07.2019 22:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Juli 2019 um 22:15 Uhr.

Darstellung: