Ab November keine Entschädigung mehr für Ungeimpfte bei Quarantäne | dpa / Michael Kappeler

Corona-Pandemie Spahn will Gipfel zu "Booster-Impfungen"

Stand: 31.10.2021 12:23 Uhr

Gesundheitsminister Spahn will bei den Auffrischungsimpfungen mehr Tempo - ein Bund-Länder-Gipfel soll helfen. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach schlägt die Wiedereröffnung der Impfzentren vor.

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen nimmt die Debatte um Auffrischungsimpfungen weiter an Fahrt auf. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte einen Bund-Länder-Gipfel zu dem Thema. "Aktuell reicht das Booster-Tempo in Deutschlands Praxen nicht. Wir brauchen einen Booster-Gipfel von Bund und Ländern", sagte Spahn der "Bild am Sonntag". Aktuelle Daten aus Israel zeigten, "dass das Boostern einen ganz entscheidenden Unterschied macht, um die vierte Welle zu brechen".

Spahn will Tempo bei Auffrischungsimpfungen

Spahn hatte in den vergangenen Tagen wiederholt für Auffrischungsimpfungen geworben. Seiner Meinung nach sollten die Bundesländer Menschen über 60 Jahren, für die dies empfohlen wird, schriftlich einladen. Die Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums für eine solche Impfung unterscheidet sich dabei von der der Ständigen Impfkommission (STIKO) Diese spricht sich für eine dritte Impfung bei den über 70-Jährigen aus, das Gesundheitsministerium empfiehlt auch schon eine Booster-Impfung für über 60-Jährige - im Absprache mit dem Hausarzt. Das Ministerium betonte aber bereits, dass grundsätzlich alle Bürger Anspruch auf eine dritte Impfung haben.

"Wir sind verärgert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Erwartungen schürt, Booster-Impfungen seien für alle möglich", sagte das Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands, Armin Beck, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die Hausärzte folgen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission, und diese empfiehlt aktuell Drittimpfungen nur für über 70-Jährige und wenige andere Gruppen." Durch Spahns Äußerungen werde nun aber der Aufklärungs- und Diskussionsbedarf in den Praxen größer. Wenn die STIKO ihre Empfehlung ausweite, würden die Hausärzte auch diese Personengruppen impfen, kündigte er an. Ärztepräsident Klaus Reinhardt sagte dem RND: "Für die Notwendigkeit von Auffrisch-Impfungen für Menschen jeglichen Alters gibt es bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz."

Auch für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach stehen vorerst die über 70-Jährigen im Mittelpunkt. Man brauche jetzt eine klare Kampagne zur Booster-Impfung für diese Gruppe. Für sie sei die Booster-Wirkung "ab jetzt lebensnotwendig, da für sie Durchbruchinfektionen tödlich enden können. Dritte Impfung ein Muss für sie. Andere später dran. Das muss man klar kommunizieren", schreib er auf Twitter. Lauterbach forderte dafür, die vielfach geschlossenen Impfzentren wieder einzurichten. Die Impfungen kämen viel zu langsam voran, um die stark steigende vierte Welle der Pandemie zu brechen.

Es gebe "realistischerweise" derzeit nicht viele Möglichkeiten "mit großer Wirkung", so Lauterbach weiter. Eine von zwei Möglichkeiten sei "eine viel schnellere Booster-Impfung", hob er mit Blick auf Auffrischungsimpfungen hervor. "Dafür müsste man die Impfzentren wieder öffnen."

Zahl der Geimpften steigt nur langsam

Die Zahl der Geimpften steigt nur noch langsam. Eine Auffrischungsimpfung gegen die mit der Zeit nachlassende Wirkung nehmen viel weniger Menschen wahr, als es könnten. Vor allem Risikogruppen wird dies empfohlen. Die Politik sucht händeringend Konzepte, mehr Menschen dazu zu bewegen.

Die regionalen Impfzentren waren im vergangenen Winter zum Start der Impfungen eingerichtet worden. Hintergrund waren Anforderungen an eine starke Kühlung der zunächst knappen Impfstoffe und ein strikter Vorrang für gefährdete Bevölkerungsgruppen. Zeitweise gab es mehr als 400 Impfzentren. Bund und Länder hatten vereinbart, sie spätestens zum 30. September zurückzufahren oder zu schließen. Die meisten Länder stellten auf mobile Impfteams um. Daneben impfen auch Arztpraxen, inzwischen sind es aber wieder weniger.

Inzidenz steigt auf fast 150

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete einen weiteren Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz auf 149,4 von 145,1 am Vortag. Zudem registrierte das Institut Das Robert-Koch-Institut meldet 16.887 Neuinfektionen - 3155 mehr als am Sonntag vor einer Woche. 33 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 95.729.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.