Jens Spahn | CHRISTIAN MARQUARDT/POOL/EPA-EFE

Abweichung von Empfehlung Spahn rechtfertigt Impf-Reihenfolge

Stand: 18.12.2020 10:26 Uhr

Entgegen den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission unterteilt Gesundheitsminister Spahn in der Reihenfolge der Impfungen nur drei Gruppen. Zuerst sollen diejenigen geimpft werden, denen es Lebensjahre bringe.

Kurz vor der Unterzeichnung der Impfverordnung hat Bundesgesundheitsminister Spahn die darin geregelte Impfreihenfolge mit dem größten Effekt für die jeweiligen Gruppen gerechtfertigt. Die Personen, die zuerst geimpft werden sollen, würden in drei Gruppen eingeteilt. Angefangen werde bei jenen, für die der Impfschutz zusätzliche Gesundheit und Lebensjahre bringe, sagte Spahn im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

"Wir fangen jetzt mit den Über 80-Jährigen, den Höchstbetagten, den Pflegebedürftigen und denjenigen, die sie pflegen und betreuen, an", sagte Spahn. Diese Gruppe sei zum einen sehr groß und zum anderen besonders gefährdet. Durch die Impfungen der über 80-Jährigen und der Pflegebedürftigen könne man Krankenhauseinweisungen sowie schwerste und tödlichste Verläufe vermeiden, sagte Spahn. "Die hohen Todeszahlen haben wir genau in dieser Altersgruppe."

Zur zweiten Gruppe zählen demnach Personen ab 70 Jahren, Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten, zudem Bewohner von Obdachlosen- oder Asylbewerberunterkünften und enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen.

Die dritte Gruppe umfasst über 60-Jährige, chronisch Kranke, Personen "in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen" sowie Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter im Einzelhandel.

Spahn weicht von Impf-Empfehlungen ab

Mit dieser Kategorisierung folgt Spahn in seiner Impfverordnung nur teilweise den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Diese hatte fünf Kategorien vorgeschlagen. In Spahns Entwurf wird auch innerhalb der einzelnen Gruppen priorisiert. Impfwillige müssen anhand von Dokumenten oder ärztlichen Bescheinigungen nachweisen, dass sie zu einer der Gruppen zählen. 

Bei der Regelung müsse man aber flexibel sein, sagte Spahn weiter. Die Konkretisierung, wer geimpft wird, müsse regelmäßig angepasst werden, etwa wenn im Januar neue Impfstoffe zur Verfügung stünden.

Spahn will die Corona-Impfverordnung heute in Kraft setzen. Die Impfungen sollen laut seiner Ankündigung dann EU-weit am 27. Dezember beginnen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Dezember 2020 um 10:20 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.