Jens Spahn | REUTERS

Spahn verteidigt Impfstrategie "Das ist schon ziemlich schnell"

Stand: 05.01.2021 09:16 Uhr

Gesundheitsminister Spahn hat die Impfstrategie gegen das Coronavirus verteidigt. Der Prozess entwickle sich so, wie anfangs kommuniziert. Dennoch will er die Impfungen beschleunigen. Die SPD rief Spahn zu geschlossenem Handeln auf.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Kritik an der Impfstrategie zurückgewiesen. Im ARD-Morgenmagazin erklärte der Minister, im Grunde genommen entwickle sich der Prozess so, wie er von Anfang an öffentlich kommuniziert worden sei. Es sei klar gewesen, dass der Impfstoff zu Beginn knapp sein werde. Deshalb sei jetzt wichtig, dass Zwischenziele erreicht würden, wie die Impfungen in Pflegeheimen und von Personen über 75 Jahre.

Derzeit werde alles unternommen, dass möglichst viele Personen geimpft würden. "Aber ich finde, wir müssen auch realistisch miteinander sein. Es wird nicht in vielen Ländern auf der Welt viel schneller gehen können, als in Richtung Sommer dieses Angebot zu machen. Das ist schon ziemlich schnell." Eines würde in dieser Debatte vergessen, so Spahn weiter:

Es hat noch nie in der Menschheitsgeschichte so schnell einen Impfstoff gegeben, einen Weg raus aus dieser Pandemie, wie jetzt bei dieser Pandemie. Dieser Erfolg, diese Zuversicht, die daraus erwächst, die trüben wir uns gerade auch mit dieser Debatte.

Spahn kontert SPD

In dieser Phase der Pandemie sei es wichtig, dass die Regierung Geschlossenheit und Entschlossenheit zeige. Da sei es nicht gut, Regierung und Opposition zugleich sein zu wollen. "Irgendwie hat es auch seit 20 Jahren nicht gut für die SPD funktioniert", sagte Spahn mit Blick auf den Koalitionspartner und dessen massiver Kritik an der Impfstrategie.

Insbesondere SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hatte beklagt, Deutschland stehe "viel schlechter da als andere Länder". Es sei zu wenig Impfstoff bestellt worden und es gebe "kaum vorbereitete Strategien mit den Bundesländern zusammen". Man sehe jetzt "chaotische Zustände".

Dem RBB sagte SPD-Chefin Saskia Esken nun, man sei zwar der festen Überzeugung, dass eine Beteiligung an der europäischen Beschaffungsstrategie richtig war, die Fragen in Bezug auf die Beschaffung und auch die Priorisierung, müssten nun aber beantwortet werden. "Es ist schon in der Umsetzung jeweils der Minister zuständig, (...) in dem Fall Herr Spahn muss jetzt Fragen beantworten."

Auch Volker Wissing, Generalsekretär der FDP, sparte nicht mit Kritik an Spahn. Im ARD-Morgenmagazin sagte er, das Hauptproblem sei, dass Impfstoff in nicht ausreichender Menge bestellt worden sei. "Und darüber wundert sich ja nicht nur die Opposition. Die Wissenschaft kritisiert die Bundesregierung. Die Koalitionspartner streiten inzwischen selbst darüber. Und auch Herr Söder distanziert sich von dieser Beschaffungspolitik des Bundesgesundheitsministers." Insofern könne er diese Kritik gut nachvollziehen.

Sechs statt fünf

Spahn verwies im ARD-Morgenmagazin noch einmal auf sein Bestreben, die Impfungen zu beschleunigen. So soll die Vakzin-Produktion beschleunigt werden, indem weitere Werke - beispielsweise in Marburg - in Betrieb genommen werden.

Zudem reiche ein Fläschchen Impfstoff für sechs statt fünf Personen. Geprüft wird auch, die zweite Impfung zu einem späteren Zeitpunkt zu verabreichen, damit zunächst mehr Menschen die erste Impfung erhalten.

Ärztepräsident für bundesweit einheitliches Vorgehen

Zur Verbesserung der gegenwärtigen Impfsituation rief Ärztepräsident Klaus Reinhardt zu einem bundesweit einheitlichen Vorgehen auf. Das müsse "auch und gerade in einem föderalen System" bei einer so wichtigen Aufgabe möglich sein, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Ein Potpourri länderspezifischer Regelungen, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden und wie Impftermine vereinbart werden können, führt nur zu Verunsicherung und stellt Krisenmanagement infrage", kritisierte Reinhardt. Er forderte die heute tagende Bund-Länder-Konferenz dazu auf, dazu "verbindliche Beschlüsse" zu fassen.

Mehr als 940 Tote

Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 11.897 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Außerdem wurden 944 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Morgen bekannt gab. Eine Interpretation der Daten bleibt weiter schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz betrug nach den übermittelten Werten 134,7. Bei dem Wert handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in diesem Zeitraum.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 05. Januar 2021 um 07:10 Uhr.