Jens Spahn | REUTERS

Gesundheitsminister Spahn Impfungen zum Jahreswechsel - trotz weniger Dosen

Stand: 04.12.2020 15:48 Uhr

Der Pharmakonzern Pfizer kann weniger Impfstoff ausliefern als zunächst erhofft. Dennoch geht Gesundheitsminister Spahn davon aus, dass mit dem Jahreswechsel die ersten Menschen in Deutschland geimpft werden können.

Die EU und damit Deutschland werden nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch davon betroffen sein, dass der Pharmakonzern Pfizer zunächst weniger Corona-Impfstoff ausliefern kann. "Das führt dazu, dass alle, die unter den Erstadressaten der Lieferungen sind - ob das Großbritannien, die USA oder die Europäische Union ist - jetzt mit weniger Impfdosen in den ersten Wochen zu rechnen haben", sagte Spahn.

"Gleichwohl wird es, Stand heute, wenn die Zulassung erfolgt, mit dem Jahreswechsel erste Impfungen in Deutschland geben können", fügte er hinzu.

Verzögerungen in der Lieferkette

Pfizer musste das Auslieferungsziel bei seinem Impfstoff in diesem Jahr nun nach eigenen Angaben halbieren. Schuld daran seien unter anderem Verzögerungen beim Ausbau der Lieferkette. Der Ausbau dauere länger als angenommen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens dem "Wall Street Journal".

Der Zeitung zufolge hielt Pfizer noch bis Mitte November intern an dem Ziel fest, bis Ende dieses Jahres 100 Millionen Impfdosen auszuliefern. Zuletzt sprach das Unternehmen allerdings schon von 50 Millionen Dosen. Für das kommende Jahr bleibe es bei der ursprünglichen Planung zur Auslieferung von mehr als einer Milliarde Impfstoff-Dosen, schrieb die Zeitung weiter.

Ein weiterer Grund sei gewesen, dass Ergebnisse einer klinischen Studie später als erwartet vorgelegen hätten. Die Modifikationen an den Produktionsverfahren seien inzwischen abgeschlossen und die Impfdosen könnten schnell hergestellt werden.

Nicht die notwendigen Standards

Laut Zeitung hatten einige frühere Chargen der Ausgangsstoffe nicht den erforderlichen Standards entsprochen. Dies habe zu den Verzögerungen bei der Produktion geführt, hieß es unter Berufung auf einen Insider, der an der Entwicklung des Impfstoffes beteiligt sei.

Pfizer hatte zusammen mit dem deutschen Hersteller Biontech aus Mainz den Corona-Impfstoff entwickelt. Der Impfstoff schützt Studienangaben zufolge mit einer Effizienz von 95 Prozent gegen die Krankheit Covid-19.

Großbritannien hatte am Mittwoch als weltweit erstes Land den Impfstoff zugelassen. In Kürze soll das Vakzin im Vereinigten Königreich verfügbar sein und dann auch mit Impfungen begonnen werden. Zu Wochenbeginn hatten Pfizer und Biontech auch in der Europäischen Union einen Zulassungsantrag eingereicht.

Moderna will zunächst bis zu 125 Millionen Dosen ausliefern

Das Konkurrenzunternehmen Moderna will von seinem Corona-Impfstoff im ersten Quartal des kommenden Jahres 100 bis 125 Millionen Dosen produzieren. Der Großteil davon ist für die USA bestimmt, wie die US-Firma mitteilte. Zwischen 85 und 100 Millionen Impfdosen sind demnach für US-Bürger vorgesehen. Bereits bis zum Ende dieses Jahres will Moderna nach eigenen Angaben 20 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs herstellen.

Das Pharmaunternehmen hatte am Montag die Notfallzulassung seines Impfstoff-Kandidaten in den USA und Europa beantragt. Die EU-Kommission hat mit Moderna vereinbart, dass bei einer Zulassung zunächst 80 Millionen Impfstoffdosen geliefert werden und weitere 80 Millionen, "wenn die Notwendigkeit besteht". Klinische Studien bescheinigen dem Moderna-Impfstoff eine Wirksamkeit von über 94 Prozent.

Weitere Firmen arbeiten an Impfstoff

Neben Moderna und Pfizer/Biontech arbeiten auch mehrere andere Pharmafirmen in fortgeschrittenem Stadium an Corona-Impfstoffen, darunter Johnson&Johnson, Astrazeneca und Sanofi-GSK. Länder wie Russland, China und kürzlich erst Bahrain haben bereits Impfstoffe mit Einschränkungen freigegeben und impfen damit schon Teile der Bevölkerung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2020 um 14:00 Uhr.