Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | CHRISTIAN MARQUARDT/POOL/EPA-EFE

AstraZeneca-Impfstoff Spahn will Impfverordnung überarbeiten

Stand: 30.01.2021 18:15 Uhr

Bundesgesundheitsminister Spahn will nach der Zulassung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca die Impfverordnung überarbeiten. Grundsätzlich jedoch hält er an der zuletzt kritisierten Impfstrategie fest.

Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) über eine Altersbeschränkung beim AstraZeneca-Impfstoff hat Gesundheitsminister Jens Spahn eine Überarbeitung der Impfverordnung angekündigt. Man werde zwar generell an einer Priorisierung festhalten, aber die "Alterskomponente" für den AstraZeneca-Impfstoff aufgreifen. "Die Grundreihenfolge bleibt, aber wir gehen sie zusätzlich altersgestaffelt an", sagte der CDU-Politiker bei einem Townhall-Meeting.

Am Freitag hatte die STIKO den AstraZeneca-Impfstoff nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen. Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren lägen bisher keine ausreichenden Daten vor, hieß es. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfahl die europaweite Zulassung des Impfstoffs allerdings anschließend ohne eine Altersbegrenzung.

Am Montag will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder zu einem Impfgipfel zusammenkommen.

STIKO: Keine Auswirkungen auf Fruchtbarkeit

Die STIKO hatte sich grundsätzlich für die Möglichkeit von Einzelfallentscheidungen ausgesprochen. Ihr Vorsitzender Thomas Mertens betonte bei dem Treffen, man müsse die Priorisierung der Bevölkerungsgruppen nach dem jeweiligen berechenbaren Risiko vornehmen. "Wir gehen nach verfügbaren Daten über tatsächliche Risiken vor", sagte er. Von solchen begründbaren Kriterien dürfe man nicht abweichen.

Mertens wies außerdem Befürchtungen zurück, eine Impfung könne sich negativ auf die weibliche Fruchtbarkeit auswirken. Entsprechende Geschichten seien "blanker Unsinn". Schwangere Frauen würden derzeit nicht geimpft, weil es noch nicht genug Daten gebe, aus denen man eine Empfehlung ableiten könne, sagte Mertens. Wenn zufällig doch geimpft worden sei, weil die Frau noch nicht wusste, dass sie schwanger ist, sei dies kein Grund zur Beunruhigung. Bisher habe man keine negativen Auswirkungen festgestellt.

"Bitte um ein Stück Vertrauen"

Bei der virtuellen öffentlichen Veranstaltung, die sich an Pflegekräfte richtete, warb Spahn um Verständnis für die zuletzt scharf kritisierte Impfstrategie. Er bat die Bevölkerung um Geduld: "Es kommen jede Woche Impfstoffe, und es werden auch mehr, Zug um Zug", betonte er. "Ich bitte einfach um ein Stück Vertrauen", man werde nach und nach die Angebote ausweiten. Für Februar rechnet Spahn nach eigenen Angaben mit fünf Millionen weiteren Dosen aller drei bisherigen Hersteller. 

Angesichts überlasteter Leitungen sprach sich Spahn allerdings für Änderungen bei der Impfterminvergabe aus. "Das muss besser werden." Zum Start der Terminvergabe in NRW etwa waren Anmelde-Webseiten und Hotlines geradezu überrannt worden. Zahlreiche impfwillige Menschen ab 80 Jahren oder ihre Angehörigen kamen telefonisch nicht durch und hatten auch online zunächst keinen Erfolg. Es mache Sinn, so Spahn, nicht gleich alle aus einer Altersgruppe einzuladen, sondern die Gruppen, die einen Termin vereinbaren könnten, kleiner zu machen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Januar 2021 um 17:50 Uhr.