Jens Spahn | ANDREAS GORA/POOL/EPA-EFE/Shutte

Spahn zu Corona-Impfstoff "Es geht nicht darum, Erster zu sein"

Stand: 02.12.2020 17:28 Uhr

Nach der Zulassung für einen Corona-Impfstoff in Großbritannien fordert Gesundheitsminister Spahn die EU-Zulassungsbehörde zu schnellem Handeln auf. Er betont aber auch, dass die Sicherheit oberste Priorität hat.

Angesichts der ersten Zulassung für einen Corona-Impfstoff in Großbritannien erwartet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zügige Entscheidungen bei den europäischen Zulassungsbehörden.

Pflegekräfte, Ärzte und andere arbeiteten in der Krise gerade Tag und Nacht und an jedem Wochenende, sagte Spahn nach einer Videokonferenz mit seinen EU-Amtskollegen. Daher dürfe man auch von der EU-Zulassungsbehörde erwarten, dass sie schnellstmöglich zu einer Entscheidung über entsprechende Anträge komme.

Zugleich betonte Spahn, dass die Sicherheit bei der Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen oberste Priorität haben müsse. Es gehe nicht darum, "irgendwie Erster zu sein". Entscheidend sei, sichere und wirksame Impfstoffe zu bekommen, was für das Vertrauen wichtig sei. Daher sollten vorgesehene Studien mit Zehntausenden Freiwilligen auch zu Ende geführt werden.

Karliczek fordert Geduld bei Zulassung

Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek forderte Geduld bei der Zulassung. "Wir sollten das Genehmigungsverfahren durch die europäische Arzneimittel-Agentur in Ruhe abwarten", sagte Karliczek. Es sei wichtig, immer wieder zu betonen, dass ein Impfstoff sicher und wirksam sein müsse. Das müsse für die EU und damit eben auch für Deutschland im traditionellen und üblichen Verfahren festgestellt werden.

In der EU sind bislang Zulassungen für zwei Impfstoffe beantragt worden: für einen des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie für ein Vakzin des US-Konzerns Moderna.

Leichte Verzögerungen zwischen Zulassungen in Großbritannien oder den USA und der EU seien "nicht weiter dramatisch, wenn es ein überschaubarer Zeitraum ist, so Spahn. Er betonte zudem, dass es in Großbritannien und den USA um Notfallzulassungen gehe. Die EU setze dagegen auf das bewährte Verfahren einer regulären Zulassung.

EU-Zulassung frühestens Ende Dezember

Der deutsche EU-Abgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion, Peter Liese, wies zudem die Behauptung des britischen Gesundheitsministers zurück, die schnelle Zulassung in Großbritannien habe etwas mit der größeren Flexibilität seines Landes durch den Brexit zu tun. Alle EU-Mitgliedstaaten hätten grundsätzlich die Möglichkeit, in bestimmten Fällen national eine Notfallzulassung zu erteilen.

In Großbritannien soll der Impfstoff von Biontech bereits von kommender Woche an zur Verfügung stehen. Auch in den USA wird erwartet, dass sehr bald Notfallzulassungen für die Impfstoffe von Pfizer-Biontech sowie dem US-Unternehmen Moderna erteilt werden.

Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema, die für die Verfahren in der EU verantwortlich ist, strebt hingegen derzeit eine Zulassung des Biontech-Impfstoffes frühestens Ende Dezember an, für das Moderna-Mittel erst Mitte Januar.

Über dieses Thema berichtete am 02. Dezember 2020 tagesschau24 um 16:00 Uhr und NDR Info um 17:01 Uhr in den Nachrichten.

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Moderation 02.12.2020 • 20:37 Uhr

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