Demonstranten dicht gedrängt am Berliner Alexanderplatz. | Bildquelle: OMER MESSINGER/EPA-EFE/Shutterst

Nach Demos gegen Rassismus Spahn erinnert an Abstandsregeln

Stand: 07.06.2020 11:34 Uhr

Die friedlichen Demonstrationen gegen Rassismus wirken nach: In Berlin und Hamburg kam es im Anschluss zu Ausschreitungen. Gesundheitsminister Spahn ist wegen der dicht gedrängten Menschenmengen besorgt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich nach den Demonstrationen gegen Rassismus besorgt gezeigt über dichte Menschenmengen während der Corona-Pandemie. "Der Kampf gegen Rassismus braucht unser gemeinsames Engagement. Jeden Tag", erklärte Spahn auf Twitter. "Doch dicht gedrängte Menschenmengen mitten in der Pandemie besorgen mich."

Auch bei wichtigen Anliegen gelte: "Abstand halten, Alltagsmaske tragen, aufeinander acht geben. Um uns und andere zu schützen", appellierte Spahn. Zehntausende Menschen waren in zahlreichen deutschen Städten auf die Straßen gegangen. Während die Demonstrationen weitgehend friedlich abliefen, kam es später in Berlin und Hamburg zu Ausschreitungen.

93 Festnahmen in Berlin

In der Hauptstadt nahm die Polizei 93 Menschen fest und berichtete von 28 leicht verletzten Polizeibeamten. Nach einer friedlich verlaufenen Demonstration am Alexanderplatz sei es zu einem Gewaltausbruch zwischen dem Bahnhof Alexanderplatz und dem Berolinahaus gekommen, so die Polizei. Polizisten und Passanten seien aus einer größeren Gruppe heraus mit Steinen und Flaschen beworfen worden, nachdem ein Mann wegen Sachbeschädigung eines Einsatzfahrzeuges festgenommen worden war.

Bei der vorangegangenen Versammlung hatten 15.000 Teilnehmer an den Schwarzen George Floyd erinnert, der bei einem Polizeieinsatz in den USA ums Leben gekommen war. Die Kundgebung auf dem Alexanderplatz war wegen der großen Menschenmenge vorzeitig beendet worden.

Die Polizei setzt Wasserwerfer gegen die Demonstranten in Hamburg ein. | Bildquelle: dpa
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In Hamburg kam es zu Ausschreitungen, bei denen die Polizei Wasserwerfer einsetzte.

Ausschreitungen am Hamburger Jungfernstieg

In Hamburg kam es zu Ausschreitungen rund um den Jungfernstieg und an anderen Orten der Stadt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, es gab mehrere Festnahmen. Polizeikräfte seien von mehreren Hundert aggressiven und vermummten Personen in Bedrängnis gebracht worden, meldete die Polizei. In den sozialen Medien wurde der Einsatz dagegen als unangemessen kritisiert.

Zuvor hatten Tausende in der Innenstadt friedlich demonstriert. Mit einer Schweigeminute auf Knien wurde am Jungfernstieg an den Tod von Floyd erinnert. Laut Polizei hatten sich 6000 Demonstranten auf dem Rathausplatz und 14.000 in der gesamten Innenstadt versammelt. Angemeldet worden waren für die Kundgebungen lediglich 800 Personen. Trotz der hohen Zahl wurden die Protestaktionen von der Polizei jedoch nicht beendet. Ein gewaltsames Ende hätte das Risiko einer Corona-Infektion vermutlich erhöht, hieß es.

Demonstranten in Hamburg im Hintergrund Einsatzfahrzeuge der Polizei. | Bildquelle: dpa
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Zuvor war in der Hamburger Innenstadt friedlich demonstriert worden. Allerdings wurde quasi kein Abstand gehalten und viele Demonstranten trugen auch keinen Mundschutz.

25.000 statt 200 Demonstranten in München

In vielen deutschen Städten bereitete den Behörden der mangelnde Corona-Schutz angesichts der unerwartet hohen Teilnehmerzahlen Sorge. So waren etwa in München statt der angemeldeten 200 Menschen nach Polizeiangaben 25.000 Demonstranten gekommen. Auch in Nürnberg, Düsseldorf und Frankfurt am Main kamen Tausende. Viele Demonstranten trugen schwarze Kleidung und riefen den Slogan "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen").

Proteste weltweit

Nicht nur in Deutschland gab es Protestaktionen gegen Rassismus: So wurde unter anderem auch in London, Frankreich, Australien oder Kanada demonstriert. Auch in Tokio und Seoul gab es Proteste.

In London zogen Tausende Menschen vor das britische Parlaments und skandierten "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden, keine rassistische Polizei." Gesundheitsminister Matt Hancock bezeichnete die Proteste als zusätzliche Gefahrenquelle in der Cornoa-Krise. Er unterstütze zwar ausdrücklich die Position der Demonstranten, sagte Hancock dem Sender Sky News. Aber Versammlungen in solch großem Umfang seien derzeit ein Verstoß gegen die Regeln, weil sich dadurch das Risiko einer Ausbreitung des Virus erhöhe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juni 2020 um 09:59 Uhr.

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