Eine Gesundheitsamt-Mitarbeiterin mit einem Teststäbchen für einen Corona-Test. | Bildquelle: dpa

Corona-Verordnung Weg frei für wesentlich mehr Tests

Stand: 09.06.2020 17:07 Uhr

Eine Verordnung von Gesundheitsminister Spahn ermöglicht jetzt wesentlich mehr Corona-Tests - auch ohne Symptome. Die gesetzlichen Krankenkassen kritisieren, dass die Tests aus dem Gesundheitsfonds finanziert werden.

Tests auf das Coronavirus können nun deutlich ausgeweitet werden - und zwar auch ohne Krankheitsanzeichen und besonders in sensiblen Bereichen. Das legt eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fest.

"Wir wollen das Virus im Keim ersticken", sagte der CDU-Politiker. "Das geht nur mit präventiven Reihentests in Krankenhäusern und Pflegeheimen und wenn wir möglichst alle Kontaktpersonen von Infizierten testen." Am Geld solle dies nicht scheitern. "Es ist viel teurer, zu wenig zu testen, als zu viel zu testen", sagte Spahn.

Konkret sollen nun grundsätzlich alle Patienten getestet werden, die im Krankenhaus aufgenommen werden - unabhängig von ihrem Versicherungsstatus. Daneben können Gesundheitsämter oder Ärzte Tests für Menschen ohne Symptome veranlassen. Die Kosten von 50 Euro pro Test übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung. Die privaten Krankenkassen und Nicht-Versicherte sind in die Kostenübernahme nicht einbezogen.

Tests von Kontaktpersonen Infizierter

Möglich werden damit etwa umfassende Tests bei engen Kontakten zu Infizierten - zum Beispiel auch, wenn die geplante freiwillige Corona-Warn-App für Smartphones einen solchen Kontakt meldet.

Breite Tests möglich werden auch bei Corona-Ausbrüchen in Kitas oder Schulen sowie regelmäßige Reihentests in Kliniken und Pflegeheimen.

Die Regelungen zur Kostenübernahme gelten rückwirkend zum 14. Mai. Bisher gibt es Tests auf Kassenkosten in der Regel nur bei konkretem Infektionsverdacht, also bei Menschen mit Symptomen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kündigte eine schnelle Einführung von Massentests an. "Die gezielte Ausweitung von Corona-Tests ist der richtige Ansatz, und wir begrüßen, dass dafür jetzt der Weg freigemacht wird", sagte GKV-Vorständin Stefanie Stoff-Ahnis dem "Handelsblatt".

Ruf nach Refinanzierung

Die GKV kritisierte, dass die Massentests aus dem Gesundheitsfonds bezahlt werden sollen, in den die Beiträge der gesetzlich Versicherten fließen. "Wir werden weiter darauf dringen, dass diese Maßnahme der staatlichen Pandemiebekämpfung voll und ganz refinanziert wird", sagte Stoff-Ahnis. Der "ganz konkreten Finanzierungsverpflichtung der gesetzlichen Krankenversicherung auch für Privatversicherte und Nichtversicherte" stehe "eine allgemeine Finanzierungszusage des Bundes" gegenüber.

Nach einem Medienbericht beziffern die die Kosten in diesem Jahr auf bis zu 7,6 Milliarden Euro. Ohne eine völlige Kostenübernahme durch den Bund drohe so eine Beitragssteigerung von 0,8 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Juni 2020 um 17:40 Uhr.

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