Impfstoff von Johnson & Johnson | dpa

Impfstoff für Deutschland Johnson&Johnson - ab Mitte April

Stand: 27.03.2021 17:25 Uhr

Mitte April soll mit Johnson&Johnson ein viertes Vakzin in Deutschland verimpft werden, das kündigte Gesundheitsminister Spahn an. Zugleich stellte er klar: Weitere 14 Tage "richtiges Runterfahren" seien dringend nötig.

Angesichts schnell steigender Coronavirus-Infektionszahlen plädiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für einen erneuten Lockdown. "Wenn wir die Zahlen nehmen, auch die Entwicklungen heute, brauchen wir eigentlich noch mal zehn bis 14 Tage mindestens richtiges Runterfahren unserer Kontakte, unserer Mobilität", sagte Spahn bei einer Online-Diskussionsveranstaltung der Bundesregierung. Er appellierte, "im Zweifel auch mehr als die staatlichen Regeln" umzusetzen.

Das Robert Koch-Institut meldete heute eine Sieben-Tage-Inzidenz von 124,9. Damit ist der Wert so hoch wie seit dem 19. Januar nicht mehr. Nötig sei ein Lockdown ähnlich wie an Ostern im vergangenen Jahr, sagte Spahn. Er selbst würde auch lieber Ostern im größeren Kreis der Familie verbringen, sagte er. "Aber es geht halt dieses Jahr noch nicht." Wenn es gelinge, diese Welle zu brechen, bevor sie im April zu groß werde, dann seien anschließend auch Öffnungsschritte möglich in Städten und Regionen mit niedrigen Infektionszahlen wie in Tübingen.

Mit Blick auf das Infektionsgeschehen warnte Spahn, die Intensivstationen füllten sich derzeit wieder mit Covid-19-Patienten. Darunter seien aber weniger ältere Menschen. Impfen wirke, das sehe man. Dennoch seien weitere Wochen zu überbrücken. "Das kann noch mal sehr, sehr schwierig werden bis weit über die Belastungsgrenze hinaus, wenn wir diese Welle nicht brechen", warnte Spahn.

Bundesgesundheitsmister Spahn | EPA

"Nötig ist ein Lockdown ähnlich wie an Ostern im vergangenen Jahr". Gesundheitsminister Spahn auf der Diskussionsveranstaltung der Bundesregierung.. Bild: EPA

Hausärzte sollen nach Ostern impfen können

Hinsichtlich der Impfkampagne geht Spahn davon aus, dass ab Ende April/Anfang Mai 80.000 bis 100.000 Arztpraxen Impfungen gegen Corona verabreichen könnten. Nach Ostern werde man beginnen, Hausärzte in die Impfkampagne einzubeziehen, zunächst mit dem Vakzin von BionTech, sagte Spahn. Später solle dort auch der AstraZeneca-Impfstoff verabreicht werden. Nach den Hausärzten sollen die Betriebsärzte hinzukommen.

Neben den Praxen würden auch die Impfzentren weiter gebraucht, sagte Spahn. Während Hausärzte Impfsprechstunden für ihre Patientinnen und Patienten anbieten könnten, seien Impfzentren gut geeignet, um etwa bestimmte Berufsgruppen im großen Stil zu impfen.

Der Gesundheitsminister verteidigte zudem das Festhalten an der Impfpriorisierung. Es wäre nicht richtig, mit der Impfung der Jüngeren zu beginnen, solange dies bei den Älteren noch nicht beendet sei. "Das rettet Menschenleben, das ist keine Bürokratie", sagte der Minister. 

EMA prüft drei weitere Impfstoffe

Hoffnung auf mehr Impfstoff in Deutschland machte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek. Derzeit prüfe die europäische Zulassungsbehörde EMA drei weitere Präparate in einem "Rolling-Review-Verfahren". Dies seien ein mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens CureVac, das russische Präparat Sputnik V sowie ein Vakzin des Unternehmens Novovax. Beim "Rolling-Review-Verfahren" werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Resultate vorliegen.

Spahn ergänzte, voraussichtlich ab Mitte April werde der bereits zugelassene Impfstoff von Johnson&Johnson zum Einsatz kommen, allerdings anfangs noch in geringen Mengen. Es handele sich um etwa 275.000 Impfdosen. "Das haben wir gestern erfahren", so der CDU-Politiker. Demnach werde das Mittel des US-Konzerns in der Woche vom 12. April erwartet. Das Vakzin muss im Gegensatz zu vielen anderen bisher nur ein Mal gespritzt werden.

Über dieses Thema berichtete am 27. März 2021 Deutschlandfunk um 16:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 17:00 Uhr.