In einem Pflegeheim sind Besucherin und Patient durch eine Glasscheibe getrennt. | Bildquelle: dpa

Corona-Situation in Heimen Spahn will keine erneuten Besuchsverbote

Stand: 02.09.2020 13:59 Uhr

Bundesgesundheitsminister Spahn empfiehlt für den Winter flexible Schutzmaßnahmen in Heimen, Schulen und Kitas. Derzeit habe man das Infektionsgeschehen gut im Griff. Damit das so bleibt, sei die Dialogbereitschaft aller gefragt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schließt erneute Besuchsverbote in Pflege- und Altenheimen aus. Statt Verboten brauche es Beschränkungen und Konzepte, gerade im Winter, wenn es nicht mehr so einfach sei, sich draußen zu treffen, sagte Spahn. Bei jedem Ausbruchsgeschehen müsse außerdem, wie mit den Ländern vereinbart, lokal und regional reagiert werden.

Im März seien die getroffenen Maßnahmen, auch die Besuchsverbote in Pflege- und Altenheimen und das Schließen von Kitas und Schulen, richtig gewesen, um die gesamte Bevölkerung und vor allem die Schwächsten in der Gesellschaft zu schützen. "Man kann nicht im September die Lage im März mit dem Wissen aus dem September bewerten", mahnte der CDU-Politiker.

Balance zwischen Infektionsschutz und Alltag

Gleichzeitig rief Spahn zur Dialogbereitschaft in der Corona-Krise auf. "Das Virus ist dynamisch, wir müssen es auch sein." Man lerne jeden Tag besser, die Balance zwischen Infektionsschutz und Alltag zu finden. Etwa im Einzelhandel oder in Pflegeeinrichtungen sei die Lage mit Hygienekonzepten und Masken derzeit gut im Griff.

Für Bund und Länder gelte, miteinander aufzupassen, dass keine neue Dynamik entstehe und die Situation nicht entgleite. Es sei aber mit relativ niedrigen Infektionszahlen auch bereits viel erreicht, sagte Spahn. Damit könne man "zuversichtlich" in den Herbst und Winter gehen.

Spahn: Proteste von "aggressiver Minderheit"

Mit Blick auf Proteste gegen die Corona-Politik bei Demonstrationen wie in Berlin und bei eigenen Wahlkampfterminen sprach Spahn von einer "lauten, aggressiven Minderheit". Nach seiner Einschätzung trägt die große Mehrheit der Bürger die Maßnahmen mit.

Widerspruch sei in der Demokratie aber nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Dabei gehe es etwa beim Maskentragen im Unterricht nicht um absolute Wahrheit, sondern um Abwägungen. Wenn bei einigen "vor lauter Hass und Schreien" kein Gespräch möglich ist, dann sei dies so. Es sei aber wichtig, Gespräche anzubieten. Spahn sagte, er habe keine Antwort darauf, welche Situation in den vergangenen Monaten solchen Hass und Frust ausgelöst habe.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 02. September 2020 um 14:00 Uhr.

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