Jens Spahn | dpa

Gesundheitsminister Spahn Bürger können Impfstoff nicht wählen

Stand: 09.01.2021 18:06 Uhr

Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler haben Fragen rund ums Impfen beantwortet. Eine Wahl des Impfstoffes sei derzeit nicht möglich, der Weg raus aus der Pandemie habe begonnen, sagte Spahn.

Wer vom Staat eine Impfung gegen Covid-19 angeboten bekommt, kann sich den verabreichten Impfstoff vorerst nicht aussuchen. Eine solche Auswahl zu treffen, sei aufgrund der derzeit noch herrschenden Knappheit "im Moment und auch absehbar" nicht möglich, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einer Online-Diskussionsrunde.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte, die beiden bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe der Firmen BioNTech und Moderna seien "äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit". Es sei jetzt noch zu früh, um entsprechende Aussagen für andere Impfstoffe zu treffen, bei denen das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Eine halbe Million Menschen geimpft

Seit dem Impfstart in Deutschland Ende Dezember wurden laut Spahn über eine halbe Million Menschen ein erstes Mal gegen Covid-19 geimpft. Damit sei der "Weg raus aus der Pandemie" begonnen worden. "Es werden jeden Tag mehr, die Prozesse laufen immer besser", so Spahn. 

Der Gesundheitsminister erklärte weiter, eine erste Lieferung des Moderna-Impfstoffes gehe am Dienstag an die Bundesländer. Auch beim möglichen dritten Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca sei laut EU-Arzneimittelbehörde EMA die europäische Zulassung "zeitnah" möglich, so Spahn.

Um einen ausreichenden Schutz vor Covid-19 zu gewährleisten, muss der Impfstoff nach Angaben der Experten zweimal verabreicht werden - mit einem Abstand von mindestens drei (bei BioNTech) bis vier (Moderna) Wochen. Andernfalls droht laut Mertens nicht nur ein zu schwacher Schutz für die Betroffenen. Es bestehe auch die Sorge, dass dadurch die Entstehung von Mutationen des Virus, die gegen den Impfstoff immun seien, begünstigt werden könnten.

RKI warnt vor Falschmeldungen

Masken, Abstand und andere Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus müssen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) trotz des Impfstarts unbedingt weiter beachtet werden. Das zeige ein Blick auf die Zahl der mit dem Virus infizierten Menschen, die täglich sterben, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Deutschland sei immer noch in einer "schwierigen Situation".

Angesichts der bislang eher niedrigen Bereitschaft des medizinischen Personals, sich impfen zu lassen, rief Wieler dringend dazu auf, alle Informationsangebote der staatlichen Gesundheitsbehörden zu nutzen und im Zweifel dort auch nachzufragen. "Ich höre immer wieder, dass manche Pflegekräfte befürchten, dass sie unfruchtbar werden von Impfungen. Das ist einfach eine Falschmeldung."

24.700 Neuinfektionen und mehr als 1000 Tote

Aktuell werden vor allem Hochbetagte sowie Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal mit besonders hohem Risiko geimpft. In der zweiten Gruppe kommen unter anderem Menschen im Alter zwischen 75 und 79 Jahren an die Reihe. Laut der am Freitag aktualisierten Empfehlung der Impfkommission gehören Lehrkräfte und Erzieherinnen zur Gruppe mit Priorität vier, Beschäftigte im Einzelhandel und Menschen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren gehören zu Gruppe fünf.

Das RKI meldete binnen eines Tages 24.694 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen seit Pandemie-Beginn in Deutschland stieg damit auf 1.891.581. Zudem wurden 1083 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus innerhalb von 24 Stunden gezählt. Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Toten wuchs damit auf 39.878. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt 153,9. Bei dem Wert handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in diesem Zeitraum. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Januar 2021 um 17:00 Uhr.