Bundesgesundheitsminister Spahn  | Bildquelle: REUTERS

Management der Corona-Krise Spahns Feuerprobe

Stand: 03.03.2020 13:58 Uhr

Täglich ist er wegen des Coronavirus in den Medien - klärt auf, beruhigt, organisiert: Gesundheitsminister Spahn. Gelingt ihm das Krisenmanagement, dürfte das seiner Karriere einen Schub geben.

Von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio

Jens Spahn ist jetzt Krisenmanager. Kaum war ihm vergangene Woche der Überraschungscoup gelungen, im Team Laschet anzutreten und auf eine eigene Kandidatur für den CDU-Vorsitz zu verzichten, musste er schon in den Regierungsflieger nach Rom steigen. Er flog zu einem Corona-Krisentreffen mehrerer EU-Gesundheitsminister. Spahn steht unter Druck - denn es könnte der entscheidende Moment für seine Karriere sein. Die Situation jetzt erinnert an Gerhard Schröder, der 2002 quasi in Gummistiefeln zum Wahlsieg marschierte. Beim Elbe-Hochwasser präsentierte sich Schröder damals als Macher - und wurde ins Kanzleramt gespült. Der Umgang mit dem Coronavirus könnte Spahns "Gummistiefel-Moment" sein.

Gerhard Schröder
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Krisenmanager in Gummistiefeln: Der damalige Kanzler Gerhard Schröder 2002

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | Bildquelle: dpa
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Krisenmanager mit Schlips und Kragen: Gesundheitsminister Jens Spahn 2020

Dabei muss er sich auf einem schmalen Grat bewegen: Schon jetzt werden Supermärkte leergekauft, im Internet wird Desinfektionsmittel zu absurden Preisen angeboten, Atemmasken sind quasi ausverkauft - und fehlen damit denjenigen in den Krankenhäusern, die sie wirklich brauchen. Es könnte Panik auslösen, wenn Spahn die Gefahren jetzt zu sehr betont. Auf der anderen Seite: Wenn der Bundesgesundheitsminister zu entspannt wirkt, dann untergräbt er damit seine Glaubwürdigkeit und geht das Risiko ein, die Gefahren zu unterschätzen.

Wichtigste Aufgabe: Abwägen

Von radikalen Maßnahmen wie ganze Städte abzuriegeln oder Großveranstaltungen pauschal abzusagen, hält Spahn wenig. Der Minister stellt immer wieder infrage: Wie angemessen ist das? Was wären die Konsequenzen solcher Maßnahmen? Wer kümmert sich dann zum Beispiel um diejenigen, die in den abgeriegelten Gebieten behandelt werden müssen? Radikale Maßnahmen könnten das Virus zwar eindämmen, aber die Frage ist, ob es dafür nicht ohnehin zu spät ist. Außerdem wäre das Signal an die Bevölkerung: Hier ist etwas Gefährliches im Gange - und das könnte zu Panik führen. 

Schließlich hat auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité noch mal klar gesagt: Die meisten Infizierten spüren nicht mehr als eine Erkältung. Drosten ist einer aus einer ganzen Reihe von Experten, die Jens Spahn zu seiner letzten Pressekonferenz eingeladen hatte. Die richtige Entscheidung, sagen Krisenkommunikationsforscher: Denn so sprechen nicht nur der Gesundheitsminister, sondern vor allem auch Fachleute, denen man noch mehr glaubt, dass sie sich mit der Materie auskennen.

Armin Laschet und Jens Spahn | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX
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NRW-Ministerpräsident Laschet kandidiert für den CDU-Vorsitz - mit Spahn an seiner Seite.

Krisenmanager mit begrenztem Einfluss

Spahn will das Signal senden: Die Situation ist ernst zu nehmen, aber wir haben sie im Griff. Allerdings beklagen viele Krankenhäuser und Arztpraxen, dass sie nicht genügend Schutzkleidung haben. Der Bundesgesundheitsminister wusste offenbar selbst nicht genau, wie groß die Bestände sind. Er hat erst nach den ersten Corona-Meldungen in Deutschland dazu aufgerufen, spezielle Schutzmasken im Land zu behalten. Spahn hat bereits selbst eingestanden, dass es zwar Pandemie-Pläne gebe, der Ernstfall aber nicht genügend geübt wurde. Er rief die Bundesländer erst dann dazu auf, die Pandemie-Pläne zu überarbeiten, als sich das Virus schon in Europa ausbreitete. Man kann ihm das als Versäumnis anlasten. Wichtig ist aber auch: Spahn ist zwar die Person, die am meisten politisch in der Verantwortung gesehen wird. Über konkrete Maßnahmen entscheidet aber nicht er, sondern die Gesundheitsämter vor Ort.

Spahns Krisenmanagement könnte eine Erfolgsgeschichte werden, muss es aber nicht. Bisher schafft der Gesundheitsminister es, Gelassenheit und Ruhe auszustrahlen. Und das obwohl er gerade vor einer doppelten Aufgabe als Krisenmanager steht: Denn welche Chancen das Duo Spahn und Laschet für den CDU-Vorsitz hat, wird auch davon abhängen, wie Spahn die Corona-Krise meistert. Bisher widersteht er der Versuchung, das für seinen Wahlkampf zu nutzen.

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