Balkone an einem Wohnblock in Frankfurt am Main. | Bildquelle: dpa

Minus 3,5 Prozent Zahl der Sozialwohnungen geht zurück

Stand: 14.08.2019 12:51 Uhr

Wer wenig verdient, findet gerade in Städten schwer eine Wohnung. Ein Ausweg sind Sozialwohnungen. Doch deren Zahl sinkt: Ein Minus von 42.500 Wohnungen steht 2018 in der Bilanz. Die Linkspartei und der DGB warnen.

Der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland schrumpft weiter. Auch im vergangenen Jahr fielen deutlich mehr Wohnungen für Bedürftige weg als neu gebaut wurden. Zum Jahresende 2018 gab es fast 42.500 Sozialwohnungen weniger als noch ein Jahr zuvor. Das ist ein Rückgang von 3,5 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage aus der Linksfraktion, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Das Problem mit der 30-Jahre-Regel

In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zahl der Sozialwohnungen etwa halbiert. Insgesamt gab es zum Jahreswechsel noch etwa 1,18 Millionen Objekte. Bei diesen Wohnungen sind die Mieten staatlich reguliert und dadurch vergleichsweise niedrig. Nur Menschen, bei denen die Behörden einen besonderen Bedarf sehen, dürfen dort wohnen. Zentrales Kriterium ist das Haushaltseinkommen - allerdings sind die Einkommensgrenzen von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. In der Regel dürfen die Mieter auch dann in der Sozialwohnung bleiben, wenn sie nach einiger Zeit mehr verdienen.

Sozialwohnungen bleiben aber nicht ewig Sozialwohnungen. Nach einer bestimmten Zeit, üblicherweise 30 Jahre, fallen sie aus der Bindung und können normal am Markt vermietet werden. Allein im vergangenen Jahr fielen der Statistik zufolge bundesweit rund 70.000 Sozialwohnungen aus der Bindung, etwa 27.000 wurden neu gebaut. Nach einer Phase ohne viele Neubauten in den 1980er-Jahren werden inzwischen mit staatlicher Förderung wieder vermehrt solche Wohnungen gebaut. Derzeit reicht das jedoch nicht aus, um die Gesamtzahl konstant zu halten.

Linkspartei will Rettungsprogramm

Die Linkspartei fordert eine Offensive beim Bau: Ihrer Meinung nach müssten zehn Milliarden Euro investiert und 250.000 neue Sozialwohnungen gebaut werden. Außerdem regte die Linken-Wohnungsexpertin Caren Lay an, einmal geförderte Sozialwohnungen künftig immer als solche zu belassen. Derzeit fehlten mehr als fünf Millionen Sozialwohnungen in Deutschland.

Nach Meinung des Deutschen Gewerkschaftsbundes müssten jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen gebaut werden. Dafür müssten Bund und Länder insgesamt sieben Milliarden Euro jährlich zur Verfügung stellen.

Sozialwohnungen in Berlin | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o
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Hochhaus mit Sozialwohnungen in Berlin

Vorbilder Bayern und Sachsen

Ein Blick auf die verschiedenen Bundesländer zeigt: Nur in Bayern und Sachsen sinkt die Zahl der Sozialwohnungen nicht. In Berlin blieb das Verhältnis stabil. In Brandenburg dagegen schrumpfte der Sozialwohnungsbestand innerhalb eines Jahres um mehr als 12.000 Wohnungen oder fast 30 Prozent.

Die meisten Sozialwohnungen pro Einwohner gab es 2018 in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin, die wenigsten im Saarland und in Sachsen-Anhalt. In absoluten Zahlen führt Nordrhein-Westfalen mit mehr als 450.000 geförderten Wohnungen - im Saarland dagegen gab es nur 530 Mietwohnungen mit Belegungsbindung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2019 um 10:00 Uhr.

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