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Chrupalla im ARD-Sommerinterview "Am Wahlabend wird abgerechnet"

Stand: 08.08.2021 18:30 Uhr

Trotz Verlusten in Umfragen glaubt AfD-Spitzenkandidat Chrupalla an ein "sehr gutes Ergebnis" seiner Partei bei der Bundestagswahl. Von umstrittenen Kandidaten der AfD distanzierte er sich im ARD-Sommerinterview nicht.

Der Spitzenkandidat der AfD, Tino Chrupalla, rechnet bei der kommenden Bundestagswahl mit einem "sehr guten Ergebnis" seiner Partei. Angesprochen auf Stimmverluste bei vergangenen Landtagswahlen und gesunkene Umfragewerte sagte er im ARD-Sommerinterview: "Unsere Bilanz messen wir nicht an Umfragewerten, sondern am Wahlabend wird abgerechnet". Er sei "sehr zuversichtlich, dass wir unser Wahlergebnis halten werden, wenn nicht sogar ausbauen werden."

Mit Blick auf das Wahlprogramm wurde der Spitzenkandidat mit Berechnungen konfrontiert, nach denen die AfD die Partei sei, deren Steuerpläne Reiche am stärksten entlasten würden. Chrupalla bestritt, die Partei der Besserverdienenden zu sein. Er zählte auf, bei welchen Punkten man nach Meinung der AfD bei den Ausgaben sparen könne, statt nur bei den Einnahmen anzusetzen: "Reden wir doch darüber, dass wir bei der Migration Geld sparen können, reden wir doch darüber, dass wir viel Geld sparen können, was die Ausgaben bei der EU sind oder zum Beispiel bei Maßnahmen, was die verfehlte Energiewende angeht."

Dexit, Fachkräftemangel, Klimawandel

Ein zentrales Wahlkampfthema ist für viele Deutsche der Klimawandel - auch mit Blick auf die Flutkatastrophe Mitte Juli. Die AfD fordert in ihrem Wahlprogramm jedoch auch, Klimaschutzmaßnahmen wie die CO2-Besteuerung zurückzunehmen. "Den Klimawandel leugnet niemand", sagte Chrupalla. Man sehe, dass es Veränderungen gebe. "Das allein auf den CO2-Ausstoß, noch dazu auf den menschengemachten, zu schieben, das hinterfragen wir und kritisieren wir zum Teil." Es habe auch in anderen Jahrhunderten Flutkatastrophen gegeben. Er verwies auf mögliche Maßnahmen im Katastrophenschutz, um sich anzupassen.

Beim Thema EU und Freizügigkeit fordert die AfD den Austritt Deutschlands aus der EU. In ihrem Wahlprogramm heißt es außerdem, der Fachkräftemangel sei eine Behauptung einiger Wirtschaftsverbände. "Natürlich gibt es einen Fachkräftemangel", sagte Chrupalla wiederum im Interview. Um diesem zu begegnen, müsse man aber "erstmal im eigenen Land die Voraussetzungen schaffen, dass sich junge Leute auch wieder eines Berufes annehmen und diesen vor allen Dingen auch wieder wertschöpfend ausüben können".

Keine Distanzierung von umstrittenen Kandidaten

Von umstrittenen Kandidaten seiner Partei distanzierte sich Chrupalla in dem Gespräch nicht. So wurde er gefragt, ob er sich von Jens Maier distanziere, der auf der sächsischen Landesliste hinter Chrupalla auf Platz zwei steht. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maier war vom Verfassungsschutz als Rechtsextremist eingestuft worden. Daraufhin sagte Chrupalla: "Ich kann mich nur distanzieren von Äußerungen, die ich selbst getätigt habe." Er fange nicht an, sich permanent von Leuten zu distanzieren. Es gebe mehrere Strömungen in der Partei. Er müsse als Bundessprecher versuchen, diese zu vereinen. "Und das gelingt mir." Mit Blick auf die sächsische Landesliste sagte er, alle Personen hätten "ein lupenreines polizeiliches Führungszeugnis".

Chrupalla erklärte weiter: "Wir sprechen sicherlich von Meinungsäußerungen einiger, wo ich auch sage, die gehen nicht, die funktionieren nicht." Darüber werde auch innerparteilich diskutiert. Maier und Siegbert Droese - der auf der Landesliste auf Platz drei steht - hätten in den vergangenen vier Jahren im Bundestag eine "wunderbare Arbeit" geleistet. "Das nehme ich zum Anlass. Und so bewerte ich auch Menschen. Und dass Menschen auch mal einen Fehler machen und sich auch mal vielleicht verbal vergreifen können, das passiert."

Mit Blick auf den wegen Chatnachrichten mit NS-Bezug in der Kritik stehenden NRW-Landesvize Matthias Helferich will Chrupalla sich weiterhin nicht für ein Parteiausschlussverfahren aussprechen. Er sagte, der Bundesvorstand habe sich für harte "Parteiordnungsmaßnahmen" wie eine Ämtersperre ausgesprochen. "Wir haben als Bundesvorstand eine klare Entscheidung getroffen und die steht." Wenn der Bundesvorstand morgen noch einmal in seiner Sitzung darüber abstimme, werde er sich erneut enthalten. Helferich hatte sich 2017 in einem nicht öffentlichen Facebook-Chat als "das freundliche Gesicht des NS" bezeichnet, wie ein vom WDR veröffentlichter Screenshot zeigt.

Spendenaffären: "Warten wir erstmal ab"

Ausweichend antwortete Chrupalla auf das Thema der Spendenaffären um Co-Parteichef Jörg Meuthen und Mit-Spitzenkandidatin Alice Weidel. Wie er akzeptieren könne, dass Meuthen trotzdem noch mit ihm gemeinsam Vorsitzender sei und damit seinen Wahlkampf belaste? "Was soll ich denn unternehmen? Dieses Verfahren ist abgeschlossen, die Partei hat diese Strafe bezahlt." Mit Blick auf neue Vorwürfe und ein drohendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Berlin wegen illegaler Parteienfinanzierung gegen Meuthen sagte Chrupalla: "Warten wir das doch erstmal ab, was die Ermittlungen ergeben."

Ähnlich vage antwortete er angesprochen auf den Fall Weidel, wo eben erst eine Klage der AfD vom Berliner Verwaltungsgericht abgewiesen wurde. Dies sei ein laufendes Verfahren und noch nicht abgeschlossen. "Also warten wir doch erst einmal dieses Verfahren ab." Chrupalla war, obwohl die Vorgänge bekannt waren, gemeinsam mit Weidel als Kandidatenteam für die Spitzenkandidatur angetreten und im Mai per Mitgliedervotum gewählt worden.

Auch zum Thema Corona-Pandemie wurde Chrupalla befragt. Ob er sich selbst impfen lasse, wollte er nicht sagen - das sei eine private Entscheidung. Auf politischer Ebene setze seine Partei beim Impfen "absolut auf Freiwilligkeit". Man müsse zudem erst schauen, was die Impfquote gebracht habe. Immer mehr höre man von Menschen, die trotz Impfung erkrankt seien. Auch sei noch nicht geklärt, wie lange die Immunität halte.

Über dieses Thema berichtete der "Bericht aus Berlin" am 08. August 2021 um 18:05 Uhr.

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Moderation 08.08.2021 • 21:25 Uhr

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