Sommerurlaub am Timmendorfer Strand. | Bildquelle: dpa

Coronavirus-Einschränkungen Sommerferien wohl eher daheim

Stand: 18.04.2020 01:37 Uhr

Können wir den Sommerurlaub abhaken? Die Tourismus-Industrie leidet sehr unter dem Corona-Shutdown. Die weltweite Reisewarnung bleibt bestehen. Das Virus könnte das Reiseverhalten nachhaltig verändern.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Für Heinz-Dieter Quack ist alles ganz klar: "Wer Sommerferien machen möchte, muss jetzt die Füße stillhalten, und sich an die Regeln halten." Also - erstmal abwarten und noch keine Reisen buchen. Quack ist Professor für Destinationsmanagement. In dieser Eigenschaft sitzt er dem "Kompetenzzentrum Tourismus" des Bundes in Salzgitter vor.

Quack und sein Team haben für das Wirtschaftsministerium versucht zu ermitteln, wie schlimm es um die deutsche Reiseindustrie, um Hotellerie, Restaurants und Freizeiteinrichtungen in der Corona-Krise bestellt ist. Sie sind gerade dabei, ihre Szenarien zu überarbeiten, nach den neuen Ansagen von Kanzlerin und Ministerpräsidenten. Denn noch gibt es keine Perspektive für Lockerungen vom Shutdown in diesem Bereich. Die Tourismusindustrie liegt danieder. Ein Alptraum, findet auch Norbert Kunz vom Deutschen Tourismusverband:

"Die Situation ist natürlich schon extrem dramatisch in Deutschland. Der Tourismus ist ja quasi von 100 auf 0 abgebremst worden."

Reisewarnung für die ganze Welt gilt weiter

Quack hat Ausfälle berechnet. Bleibt der Shutdown noch bis Mitte Mai, und so sieht es mindestens aus, fallen rund 95% der Gewinne für Restaurants und Hotellerie weg. Dauert es länger, in den Juni hinein, fehlt noch mehr Geld. Gerade bei den Kleinen, Ferienwohnungsbetreibern zum Beispiel, wird es dann eng, sagt Norbert Kunz vom Tourismusverband:

"Die sagen, sie halten so eine Krise ein bis zwei Monate durch. Und alles, was darüber hinausgeht, da wird es wirklich brenzlig."

Derzeit gilt noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts - für die ganze Welt. Wie lange noch? Bundesaußenminister Maas schaut etwas ratlos:

"Natürlich wollen wir, wenn die Rahmenbedingungen sich verändert haben, auch wieder die Möglichkeit schaffen, zu verreisen. Aber ich kann nur dann die Reisewarnung aufheben, wenn ich mir sicher bin, dass die Menschen auch reguläre Möglichkeiten haben, ihren Urlaub zu verbringen und auch wieder zurückkommen. Solange es Ausgangssperren gibt in vielen Ländern, wird dort auch kein Urlaub zu machen sein."

250.000 Deutsche gerade erst heimgeholt

Maas und sein Team haben gerade rund 250.000 Deutsche aus dem Ausland zurückgeholt. Einige tausend Bundesbürger warten weiterhin auf Hilfe. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hält Auslandsreisen in diesem Sommer eher nicht für machbar:

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Urlaub in anderen Ländern im Sommer so leicht möglich ist, stellt sich nach gegenwärtiger Sicht eher als unwahrscheinlich heraus."

Esther Neumeier, RBB, kommentiert die Diskussion um die Sommerferien
tagesthemen 22:15 Uhr, 17.04.2020

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Das bedeutet aber auch: Wenn wieder gereist werden kann, werden Ziele in Deutschland davon profitieren, sagt Tourismusforscher Quack:

"Sobald wir wieder in der Lage sind, tatsächlich auch Freizeitreisen zu unternehmen, gehen viele Expertinnen und Experten davon aus, dass wir zunächst einen Nachfrage-Boom in Deutschland haben werden."

Hat sich das Reiseverhalten generell verändert?

Von fast 500 Millionen Übernachtungen wie im Rekordjahr 2019 werden die deutschen Anbieter aber wohl nur träumen können. Norbert Kunz vom Deutschen Tourismusverband schaut auch gespannt darauf, ob sich Reiseverhalten generell ändert durch Corona, ob die Bürger lieber in der Nähe bleiben, weniger Risiken eingehen:

"Welche Bedeutung, welche Rolle spielt Sicherheit, auch medizinische Sicherheit am Reiseziel? Das sind alles Fragen, die werden uns in Zukunft ganz intensiv beschäftigen im Tourismus."

Dass es wieder richtig brummt, damit rechnet Tourismusforscher Quack übrigens nicht vor Sommer nächsten Jahres, also 2021. Wenn Beschränkungen andauern, dann erst im Jahr drauf. Aber, dass die Deutschen ihre Fern-Reiselust komplett verlieren, das glaubt Nobert Kunz vom Tourismusverband dann auch nicht:  

"Über kurz oder lang wird natürlich auch die Sehnsucht der Menschen weiterhin bestehen, Auslandsreisen anzutreten, das ist gar keine Frage."

Doch für diesen Sommerurlaub wird es - wenn überhaupt - vor allem um Naherholung gehen.

Sommerurlaub adé ? Reisen und Tourismus in der Corona-Krise
Angela Ulrich, ARD Berlin
18.04.2020 00:06 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. April 2020 um 22:15 Uhr.

Korrespondentin

Angela Ulrich | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo RBB

Angela Ulrich, RBB

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