Gäste im Schwimmbad Kempen | Bildquelle: WDR

Freibäder in Deutschland Kommunen legen den Sommer-Spaß trocken

Stand: 04.07.2018 20:00 Uhr

Sonnenmilch, Chlorgeruch und Pommesfett - eine einprägsame Mischung, Kindheitserinnerungen für die Ewigkeit. Das Freibad! Doch die werden rar. Der Kostendruck für die Kommunen ist zu hoch.

Von Gudrun Engel, WDR

Lisa Müller hat sich im "AquaSol" in Kempen mit ihren beiden kleinen Kindern einen Schattenplatz auf der Liegewiese gesichert und bläst Schwimmflügel auf. Jeden Sommer sei sie früher als Jugendliche selbst im Freibad gewesen. "Dazu gehört halt immer Eis und Pommes", lacht sie. Jetzt sollen ihre Kinder diese Erfahrung machen können. Aber wie lange noch?

Immer mehr deutsche Badeanstalten müssen schließen
tagesthemen 22:30 Uhr, 04.07.2018, Gudrun Engel, WDR

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Streit um Schließung

Aus dem 50 Meter langen Schwimmbecken dringt ein regelmäßiges Platschen herüber. Es ist gut besucht an diesen heißen Sommertagen: Bis zu 5500 Besucher kommen täglich ins "AquaSol". Noch, denn um das Schwimmerbecken ist ein erbitterter Streit entbrannt. Es ist das einzige, das es im gesamten Landkreis Viersen noch gibt. Die Stadt will es dennoch schließen und zu einem im Unterhalt günstigeren Hallenbad umbauen. Derzeit muss die Stadt jede Saison zwei Millionen Euro zuschießen.   

Gäste im Schwimmbad Kempen | Bildquelle: WDR
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Im Schwimmbad in Kempen wird munter geplantscht - noch.

"Wir wollen nicht, wir müssen schließen", verteidigt Bürgermeister Volker Rübo die Umbaupläne der Stadt. "Wir haben Personalkosten, das Bad muss von Sicherheitspersonal überwacht werden, die Technik muss gewartet werden und dann natürlich die Energiekosten. Beheizen Sie mal so ein Becken mit 2500 Kubikmetern Wasser während der Freibadsaison. Da geht ordentlich was durch den Schornstein durch."

Bäder - immer ein Zuschussbetrieb

Schwimmbäder sind für Kommunen immer ein Zuschussbetrieb. Die Einnahmen decken laut Städte- und Gemeindebund im Schnitt nur knapp ein Drittel der Kosten. Das heißt, auf jedes Eintrittsticket legt die betroffene Kommune mindestens das Doppelte drauf.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) schlägt deshalb Alarm: Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 175 Schwimmbäder geschlossen, darunter 62 Freibäder. Am stärksten betroffen: Bayern. Dort haben 16 Freibäder in diesem Sommer nicht wieder geöffnet, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit elf geschlossenen Schwimmstätten.

Deutschland: Das Land der Nichtschwimmer

"Es ist einfach wichtig diese Bäder zu erhalten, zum Beispiel für die Schwimmausbildung, denn Deutschland entwickelt sich zum Land der Nichtschwimmer", mahnt Achim Wiese von der DLRG. Dabei sind Freibäder Orte, an denen alle Gesellschaftsschichten zusammentreffen: auf der Rutsche, am Kiosk, beim Gartenschach.

"Ein Freibad ist nicht nur eine Freizeitstätte, sondern auch eine Sozialstätte, Bildungs- und Kulturstätte."

"Kommunen nicht allein lassen"

In Duisburg-Rheinhausen merken die Anwohner das schmerzlich. Das Freibad "Toeppersee" war vor zwölf Jahren eines der ersten Freibäder, das dicht gemacht wurde - aus Kostengründen. Nadine Borgmann hat dort selbst schwimmen gelernt. Für ihre drei Kinder fehlt diese Möglichkeit. "Die Jugendlichen, die wissen heute nicht mehr wohin. Es gibt nicht genügend Jugendzentren. Den Kids fehlt im Sommer die Möglichkeit schwimmen zu gehen." Eine Bürgerinitiative kämpft für die Wiedereröffnung, aber die kommunalen Kassen sind leer.

Blick auf die Ruine des Schwimmbads ins Duisburg | Bildquelle: WDR
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Das Freibad in Duisburg-Rheinhausen wurde geschlossen.

Blick auf die Ruine des Schwimmbads ins Duisburg | Bildquelle: WDR
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Der Betrieb wurde der Kommune zu teuer.

Die DLRG kritisiert diesen Föderalismus: "1950 und 1960 hatten wir einen goldenen Plan im Hinblick auf Olympia. Da haben Bund, Länder und Kommunen zusammen gearbeitet. Gerade auch in der Sportstättenvorsorge, beispielsweise bei den Bädern", erklärt Achim Wiese. "Genau das fordern wir wieder, dass ein ähnlicher Plan entsteht, dass die Kommunen eben nicht alleine mit den Kosten dastehen müssen!"

Öffentliche Förderung - Fehlanzeige

Anders als bei Hallenbädern gibt es derzeit für Freibäder keine öffentlichen Fördertöpfe. Bislang haben die Bundesländer die Unterstützung ganz unterschiedlich geregelt. Hessen will ab 2019 50 Millionen Euro für Sanierung und Neubau von Bädern zur Verfügung stellen. Bayern prüft so etwas gerade, im klammen Nordrhein-Westfalen stehen Bäder nicht auf der Agenda.

Lisa Müller verteilt Sonnencreme auf Armen und Beinen. Sie will diesen Sommer in Kempen noch mal in vollen Zügen mit ihren Kindern genießen - bevor das Schwimmbad schließt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Juli 2018 um 22:30 Uhr.

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