Ein Kreuz aus Holz mit fünf Kindernamen drauf. | WDR

Solinger Kindermorde Mutter zu lebenslanger Haft verurteilt

Stand: 04.11.2021 14:09 Uhr

Eine 28-jährige Mutter aus Solingen ist wegen Mordes an fünf ihrer sechs Kinder zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht in Wuppertal stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Das schließt eine Entlassung nach 15 Jahren aus.

Die Richter am Wuppertaler Landgericht sehen es als erwiesen an, dass die Mutter fünf ihrer sechs Kinder umgebracht hat und verurteilten sie am Donnerstag (04.11.2021) zu einer lebenslangen Haftstrafe. Damit folgt das Gericht der Forderung der zuständigen Staatsanwaltschaft.

Auslöser für die Tat war aus Sicht der Richter eine Mischung aus Enttäuschung, Wut und Verzweiflung. Am Tattag soll ihr Lebensgefährte ein Foto mit einer neuen Frau veröffentlicht haben. "Nach und nach merkte sie, wie ihr Leben zerbricht", führte der Vorsitzende Richter Jochen Kötter aus.

Besondere Schwere der Schuld

Die Richter stellten außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. "Dieser Fall weicht [...] so gravierend von gewöhnlichen Mordfällen ab", so der Landgerichtssprecher Matthias Roth. Schließlich seien fünf Kinderleben vernichtet worden. Die Solingerin kann damit nicht nach 15 Jahren frühzeitig entlassen werden.

Die 28-jährige selber nahm das Urteil nahezu regungslos auf. Sie blickte starr geradeaus und folgte den Ausführungen der Richter. Die Verteidiger der Frau hatten zuletzt noch auf Totschlag oder sogar Freispruch plädiert. Inzwischen kündigten sie an, das Urteil anzufechten. Man wolle in Revision gehen und weiterkämpfen, so ein Sprecher der Verteidigung. Der Verteidiger des Nebenklägers zeigte sich erleichtert über das Urteil.

Keine Aussage im Verlauf des Prozesses

Im gesamtem Prozess schwieg die Angeklagte zu den Vorwürfen und machte keinerlei Angaben. Auch nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigern nutzte sie ihre Chance auf letzte Worte nicht und schwieg.

Im Rahmen eines Gutachtens hatte die nun verurteilte Frau erklärt, dass ein maskierter Unbekannter die Kinder getötet haben soll. Dazu gab es aber keinerlei Hinweise, stellte das Landgericht fest. Mit dem Urteil bewerten die Richter die Solingerin auch als voll schuldfähig.

Tat hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt

Die 28-Jährige soll am 3. September 2020 fünf ihr sechs Kinder zunächst betäubt, dann erstickt oder ertränkt haben. Anschließend fuhr sie mit ihrem sechsten Kind nach Düsseldorf und beging dort einen Suizidversuch. Ihr überlebender Sohn fuhr mit einem Zug zu den Großeltern der Familie. Auslöser der Tat soll die Trennung von Mutter und Vater gewesen sein.

Viele Solinger nahmen Anteilnahme am Schicksal von Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Tagelang waren vor dem Mehrfamilienhaus im Ortsteil Hasseldelle Kerzen und Kuscheltiere aufgebaut.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt

Das Hilfetelefon ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr unter 08000 116 016 erreichbar.

Der Weiße Ring bietet ebenfalls einen anonymen Telefondienst unter 116 006 sowie eine Online-Beratung.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2021 um 11:00 Uhr.