Nach Übergriff in Berlin Hunderte bei Solidaritätsgebet für Rabbiner

Stand: 09.08.2019 21:05 Uhr

Rund zwei Wochen nach einem antisemitischen Angriff auf den Berliner Rabbiner Yehuda Teichtal haben hunderte Menschen ihre Unterstützung für das Opfer bekundet.
 
An einem Solidaritätsgebet in einer Synagoge in Berlin-Wilmersdorf nahm am Freitagabend auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) teil - zusammen mit seiner Partnerin Natalia Wörner. Auch viele Christen, darunter der künftige evangelische Landesbischof Christian Stäblein, fanden sich zu dem Gebet ein.

alt ARCHIV 2017: Rabbiner Yehuda Teichtal spricht auf einer Chanukka-Zeremonie in Berlin (Quelle: imago/Emmanuele Contini)

Hintergrund

Rabbiner in Berlin-Wilmersdorf beschimpft und bespuckt     mehr

"Umso beherzter gegenhalten"

"Es ist abstoßend, widerlich und es macht wütend, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland beschimpft und bespuckt werden", sagte Maas laut Redemanuskript. Antisemitismus sei in Deutschland lauter und aggressiver geworden. "Umso beherzter müssen wir gegenhalten, wo immer es geht."

Teichtal ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Am vorvergangenen Wochenende hatten zwei Männer den Geistlichen nach einem Gottesdienst auf Arabisch beschimpft und bespuckt. Eines seiner Kinder war bei dem Vorfall dabei. Die Ermittlungen beim polizeilichen Staatsschutz laufen. Zum aktuellen Stand äußerte sich die Polizei am Freitag auf Nachfrage unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

Teichtal will sich nicht verstecken

"Wir werden uns nicht verstecken oder unsere Identität auf irgendeine Weise verbergen", erklärte Teichtal anlässlich des Solidaritätsgebets mit Blick auf wiederholte Übergriffe auf Juden in Berlin. "Ganz im Gegenteil, wir werden alles tun, um mit Respekt füreinander einzustehen und den Dialog untereinander zu fördern." Die Mehrheit hierzulande sei tolerant. "Die meisten Menschen in Deutschland wollen diese Aggression gegen Juden als traurigen Bestandteil des jüdischen Alltags nicht hinnehmen", sagte Teichtal.

 
Auch der jüdische Journalist Henryk M. Broder war zu dem Solidaritätsgebet erschienen. Dazu trut er ein T-Shirt mit auffälligem Aufdruck: zwei gekreuzten Sturmgewehren unter einem Davidstern und die Aufschrift "Guns n' Moses" - in Anspielung an die Rockband "Guns n' Roses".
 
Sendung: Abendschau, 09.08.2019, 19.30 Uhr

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