Ein VW-Mitarbeiter führt ein Software-Update aus. | Bildquelle: dpa

Diesel-Nachrüstung Es dauert und dauert und dauert ...

Stand: 07.03.2018 06:00 Uhr

Mehr als fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge sollten in diesem Jahr mit einem Update ausgerüstet werden, um einem Fahrverbot zu entgehen - so das Branchen-Versprechen 2017. Doch daraus wird nichts.

Von Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule, BR

Es war eine der letzten Amtshandlungen von Matthias Wissmann als Präsident des Verbandes der Automobilindustrie. Einen Tag vor seinem Ausscheiden am vergangenen Mittwoch kommentierte er das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu grundsätzlich möglichen Diesel-Fahrverboten. Damit wiederholte er das, was er in den vergangenen Wochen und Monaten schon betont hatte: "Software-Updates sind die schnelle, die klügere und die sehr effiziente und wirksame Lösung."

5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge will die Branche bis Ende dieses Jahres mit Software-Updates ausstatten. Das hatten die deutschen Autohersteller der Politik am 2. August 2017 im Rahmen des Diesel-Gipfels versprochen. Die Stickoxid-Emissionen ließen sich so um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent reduzieren.

Zeitplan kaum zu halten

Dieser Zeitplan ist nach Informationen des Bayerischen Rundfunks aber kaum zu halten. Zwar haben die am Diesel-Gipfel beteiligten Konzerne, in erster Linie VW, bis heute - nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums - rund 2,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge mit einem Software-Update ausgestattet. Allerdings geschah das in erster Linie nach einer Anordnung des Kraftfahrtbundesamtes. Mehr als die Hälfte der versprochenen freiwilligen Umrüstungen durch die Autokonzerne steht noch aus. Und wann Vollzug gemeldet werden kann, ist vollkommen offen.

Mehrere vom BR angefragte deutsche Automobilhersteller haben in Sachen freiwilliger Software-Nachrüstung noch so gut wie gar nichts unternommen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir alle wesentlichen Software-Varianten bis Ende des Jahres fertig entwickelt haben werden. Auf Grund der großen Anzahl der Fahrzeuge wird das Aufspielen in den Werkstätten dann aber eine Zeit dauern", schrieb ein Daimler-Sprecher auf Anfrage des BR.

Oliver Krischer, Bündnis 90/Die Grünen, fordert mehr Druck auf die Autoindustrie
morgenmagazin, 07.03.2018

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Warten auf grünes Licht

Auch VW kann keinen Zeitplan nennen. "Sobald die zuständigen Behörden die Anforderungen an die auf dem Dieselgipfel besprochenen technischen Maßnahmen und die Rahmenbedingungen zu ihrer Überprüfung definiert haben, können wir die Anzahl der betreffenden Fahrzeuge genau benennen", schrieb ein Sprecher des Konzerns. Bisher seien keine Umrüstungen erfolgt, da diese Anforderungen und Rahmenbedingungen seitens der Behörden noch nicht vorliegen.

Auch BMW hat die Entwicklung noch nicht abgeschlossen und wird die Updates den Kunden nicht vor Jahresmitte zur Verfügung stellen. Audi arbeitet ebenfalls noch daran und wartet nach eigenen Worten auf grünes Licht vom Kraftfahrtbundesamt.

Überfüllte Straße in München | Bildquelle: dpa
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Um ihre Luftreinhaltepläne einzuhalten, dürfen Städte nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27.01.2018 Fahrverbote verhängen.

"Verzögerung liegt an den Herstellern"

Das Bundesverkehrsministerium als Aufsichtsbehörde des Kraftfahrtbundesamts wiederum schiebt die Verantwortung den Konzernen zu. Der benötigte zeitliche Vorlauf für die Nachrüstung hänge in erster Linie an den internen Freigabeprozessen bei den Herstellern, so das Ressort.

Der ADAC wiederum hat für dieses Schwarze-Peter-Spiel wenig Verständnis. "Im Augenblick stellt sich der Autofahrer nicht die Schuldfrage, ob die Automobilhersteller nicht in der Lage sind, Software-Updates anzubieten oder zuzulassen", erklärt Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technik-Zentrums Landsberg am Lech. "Oder ob die Behörden nicht in der Lage sind, diese dann auch freizugeben. Im Augenblick ist es ganz wichtig, dass wir die Vielzahl der Maßnahmen auch umsetzen und nicht alleine die Schuldfrage stellen. Von daher erwarten wir, dass hier die Automobilhersteller auch auf Behörden zugehen und damit auch ihren Beitrag zur Lösung leisten."

Und so könnte es zu der bizarren Situation kommen, dass Städte und Gemeinden erste Fahrverbote erlassen, bevor für manche Diesel-Modelle überhaupt ein Software-Update erhältlich ist. Hamburg zum Beispiel kündigte unmittelbar nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts an, ab April erste Straßen für Diesel zu sperren.

Software-Updates: Umsetzung 2018 fraglich
Arne Meyer-Fünffinger, ARD Berlin
07.03.2018 06:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 07. März 2018 um 08:12 Uhr.

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Arne Meyer-Fünffinger, BR

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